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Montag, 20. Juli 2009
Deutsche zweiter Klasse - Teil 10
Aus dem produktiven Kapitalstock der Volkswirtschaft der DDR- von Detlev Rohwedder noch mit 600 Milliarden DM angegeben (andere Quellen sprechen von rund einer Billion DM), waren im Jahre 1994 nach etwa vierjähriger Tätigkeit der sogenannten Treuhandanstalt unter der Leitung von Birgit Breuel Schulden in Höhe von rund 260 Milliarden geworden. Nach offiziellen Angaben ging die Zahl der Erwerbstätigen von 1989 zu 2004 um 3,2 Millionen Menschen, also um 36 Prozent zurück. Dabei sank diese Zahl in der Industrie um 73 Prozent, es verblieben 27 Prozent der Arbeitnehmer. In der Landwirtschaft betrug der Rückgang 79 Prozent, es blieben 21 Prozent der Erwerbstätigen übrig.
Noch im November 1990 lag der Treuhandanstalt eine Analyse vor, nach der von 1438 Betrieben 8,8 Prozent achon bzw. absehbar rentabel seien, 65,3 Prozent sanierungsfähig bzw. wahrscheinlich sanierungsfähig und nur 25,9 Prozent nicht bzw. bezweifelbar sanierungsfähig gewesen wären. Auch andere Analysen ergaben, dass höchstens ein Drittel der Industriebetriebe nicht sanierungsfähig war. In der Folge und als Ergebnis der Arbeit der Treuhandanstalt gingen dann rund zwei Drittel der Firmen verloren.
Besonders besser-wessirische Aufbauhelfer kolportieren immer wieder die Meinung, dass man sich damals bei den Analysen eben geirrt habe.War doch sowieso alles marode in der DDR ! Leider ist auch dieses Argument ausschließlich politisch motiviert und entspricht nicht den Tatsachen. Während D. Rohwedder noch im März 1990 die Leitlinie der Treuhand als "zügig privatisieren - entschlossen sanieren - behutsam abwickeln" beschrieb, gab seine Nachfolgerin Frau Breuel bald die schmissige Parole aus: "Privatisierung ist immer noch die beste Sanierung". Ein großer Kohlkopf war sowieso der Meinung, dass der Markt alles richten werde. Und wie fast immer in der Bundesrepublik galt gleichzeitig die Maxime "Koste es, was es wolle". Die bundesdeutschen Brüder und Schwestern in den Konzernzentralen und Lobbyistenverbänden waren fleißig, um die ungeliebte Konkurrenz im Osten tot zu beißen. Nicht der Produktivitätsnachteil der ostdeutschen Industrie, sondern die unfreundliche Übernahme durch den Westen haute den ostdeutschen Firmen die Beine weg.
Die Unfähigkeit der Frau Breuel und ihrer Gehilfen aus den alten Bundesländern sowie die mangelnde Aufsicht durch das Bundesfinanzministerium unter Waigel taten ein Übriges,alles zusammen erwies sich als Todesurteil für den Haupttteil der Industrie und damit der Arbeitsplätze in der ehemaligen DDR. Aber auch diese Kabinettstückchen der überwiegend dämlichen Schnurrbartträger aus dem Westen und ihrer Galionsfigur Breuel, die dann auch noch die Weltausstellung in Hannover in den Sand setzen durfte, bevor sie endlich in der Versenkung verschwand,werden natürlich nicht oder nur zögerlich aufgearbeitet.
Wo ist nun das Geld, das Volksvermögen der ehemaligen DDR geblieben ? Natürlich bei den Banken. Da sucht man immer an der richtigen Stelle. Aber die Treuhandanstalt war auch und vor allem ein gigantischer Selbstbedienungsladen für pfiffige Jungs und Mädchen: Einen der wahrscheinlich eloquentesten Strolche,den ehemaligen Prokuristen der Deutschen Babcock AG, Michael Rottmann, hatten britische Polizisten und Zielfahndern des Bundeskriminalamtes in der Nähe von London schon im November 2000 festgenommen. Das Auslieferungsersuchen der Berliner Staatsanwälte konnten seine Anwälte neun Jahre lang abwehren. Rottmann war 1991 Strippenzieher bei der Privatisierung des Berliner VEB Wärmeanlagenbau. Gegenüber seiner Zentrale schilderte der Prokurist die Lage des Betriebes als so hoffnungslos,daß sein Arbeitgeber rasch das Interesse verlor. Über Strohmänner erwarb nun Rottman selbst das ehemals volkseigene Unternehmen von der Treuhandanstalt für zwei Millionen DM. Der führende DDR-Hersteller von Heizkraftwerken und Fernwärmeleitungen soll zu diesem Zeitpunkt tatsächlich 68 Millionen DM wert gewesen sein und über liquide Mittel von ca. 150 Millionen Euro verfügt haben. Außerdem besaß die Firma einige Immobilien. Allein die Immobilie in der Berliner Wallstraße, wo sich der Firmensitz befand, soll 60 Millionen Euro wert gewesen sein.
Rottmann wechselte nun in die Leitung des mittlerweile als Wärmeanlagen Berlin GmbH (WBB) firmierenden Unternehmens. Gemeinsam mit seinen Komplizen plünderte er die Firma gezielt aus, verkaufte Grundstücke und nahm Hypotheken auf. Insgesamt soll er dabei laut Anklageschrift einen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro« verursacht haben.
Nach drei Jahren meldete das inzwischen zur Aktiengesellschaft umgebildete Unternehmen 1994 Konkurs an. Rottmann setzte sich in die USA ab. 1995 durchsuchten Beamte der »Zentralen Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (Zerv)« Privat- und Geschäftsräume in Deutschland und der Schweiz. Ein Ermittler sprach von »systematischer Ausplünderung«, schreibt die Berliner Morgenpost.Dem Bericht zufolge soll Rottmann kurz vor seiner Auslieferung von London aus »gedroht« haben, »daß hier noch einiges ans Licht kommen werde«.
Von den auf der Strecke gebliebenen Arbeitnehmern spricht übrigens niemand. Auch glaube ich nicht, dass noch einiges ans Licht kommen wird. Wahrscheinlich wird uns im Falle eines Falles die liebe Frau Birthler wieder eine Stasi-Akte - vielleicht von Gysikurrashavebiermannmerkel - zur Ablenkung hinwerfen...
Quellen: S. Wenzel- Von wegen Beitritt, Verlag Das Neue Berlin 2008; "junge welt" online vom 17.7.09
Donnerstag, 16. Juli 2009
In memoriam
* 19.November 1927 in Berlin † 7. Juli 2009 in Schönow
Es ist jetzt fast genau zwei Wochen her, dass mein Vater und ich hier im Garten in Schönow Pläne schmiedeten. Noch kann ich nicht fassen, künftig auf ihn, seinen Rat und seine Hilfe verzichten zu müssen.
Lieber Papa, das meiste, was ich heute weiß und was ich heute bin, habe ich Dir zu verdanken. Deine Lebenseinstellung, Deine Erfahrungen – ob schöner oder unschöner Art – Du hast sie an mich weitergegeben. Du hast konsequent aus jeder Lage Auswege gewusst, wenn etwas nicht klappen wollte, bist Du nicht verzweifelt, sondern hast etwas Anderes, etwas Neues versucht. Insofern wirst Du mir immer ein Vorbild bleiben.
In der Vergangenheit haben wir manches miteinander bewegen können.In Zukunft werde ich Dich in Gedanken oft fragen, was Du von meinen Plänen und Aktivitäten hältst. Und auch sonst wird mich Alles hier an Dich erinnern, ein guter Freund und verläßlicher Mitstreiter wird jedem in der Familie fehlen.
Mit Deiner Herangehensweise an das Leben hast Du auch Deine beiden Enkel , meine Söhne, maßgeblich geprägt. Auch und gerade in ihnen lebt ein Stück von Dir weiter. Darauf kannst Du sehr stolz sein.
In Antoine de Saint-Exuperys Buch "Der kleine Prinz" heißt es:
" Es wird aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein...
Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.Du wirst Lust haben mit mir zu lachen.
Und Du wirst manchmal Dein Fenster öffnen, gerade so zum Vergnügen...
Und Deine Freunde werden manchmal sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass Du den Himmel anblickst und lachst..."
Wir werden noch viel zusammen lachen, lieber Papa. Auch über diese verrückte Welt und über die, die da meinen, sie würden diese Welt gestalten, sie aber nur immer weiter in den Abgrund treiben.
Ich weiß nicht, wann sich meine Trauer über Deinen Tod und meinen Verlust legen wird. Aber froh und glücklich über diesen Vater bin ich schon sehr lange und werde es immer bleiben.
Neues vom Hubert - Die Ortsumgehung von Bernau
"Keine 50 Minuten - und Hubert Handke war als ihr Kandidat zur Bürgermeisterwahl am 1. November nominiert. Mit einem Abstimmungsergebnis, das jeder Wahl zu DDR-Zeiten Ehre gemacht hätte. Handke bekam von jedem der 21 stimmberechtigten Unionsfreunde ein Ja. Keine Enthaltung. Keine Gegenstimme. "Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet", sagte der 56-Jährige überrascht." schreibt die "Märkische Oderzeitung" in ihrer heutigen Ausgabe.
"Zwei Wahlperioden hat der gebürtige Lindenberger als Bürgermeister von Bernau bereits hinter sich. Bei der Landespartei (CDU - der Autor) zählt er als Garant für erfolgreiche christdemokratische Kommunalpolitik..." heißt es weiter.
Als Leidtragender der Bernauer Kommunalpolitik könnte man in Abwandlung eines Liedes von Curd Jürgens nun auf die Idee kommen, dass die Dauer der absolvierten Wahlperioden überhaupt nichts mit Erkenntnis- oder Lernfähigkeit z.B. in Richtung Bürgerfreundlichkeit oder gar logischem Denken zu tun hat. Letztes Beispiel ist die unselige Gebührenpolitik des Bürgermeisters beim Neubau von Straßen , die glücklicherweise auf Initiative der Unabhängigen in der Bernauer Stadtverordnetenversammlung erst einmal gestoppt werden konnte. Wer zählt die Fälle, in denen dieser Bürgermeister durch die Stadtverordneten zum Jagen getragen werden musste, z.B. in letzter Zeit beim Denkmalkonzept der Stadt, beim Teufelspfuhl oder dem völlig unzureichenden Wirtschaftskonzept. Selbst die bisher sehr erfolgreiche Stadtmarketing GmbH entstand gegen seinen Widerstand.
Warum diese bösen Worte an dieser Stelle ? Mir liegt seit gestern eine Vereinbarung zwischen der Stadt Bernau und dem Land Brandenburg über den Bau einer Ortsumgehung für Bernau auf dem Tisch. Für knapp neun Millionen Euro ist diese rund drei Kilometer lange Ortsumgehung für Bernau geplant. Die Stadt soll sich mit 12 % an diesen Kosten beteiligen. Bereits im Mai haben wir im Stadtentwicklungsausschuß die geplante Streckenführung abgelehnt bzw. uns mehr oder weniger wegen der Blauäugigkeit der Stadtverwaltung an den Kopf gefasst. Jetzt legt man uns eine fertige Vereinbarung auf den Tisch, die zur Vereinfachung unserer Entscheidungsfindung nicht mal eine Landkarte enthält. Wir wissen also nicht, wo die Entlastungsstraße enden soll und wie der anfallende Verkehr abgeführt wird. In einer vorherigen Fassung sollte der Spaß noch an der Bahnhofspassage enden und dann - dann fällt alles in ein großes Loch oder wird wieder durch die östliche Stadt geleitet, weil an eine zusätzliche Durchörterung der Bahntrasse bei lumpigen 9 Milliönchen Investionssumme nicht zu denken ist.
Die wesentliche Quintessenz der Vereinbarung steht in § 4, Absatz 2: : "Die Stadt ist ohne Kündigungsrecht oder Rücktrittsberechtigung an diese Vereinbarung gebunden. Das Land ist zur Kündigung berechtigt, wenn die Stadt ihren Verpflichtungen aus dieser Vereinbarung nicht nachkommt". Na, da sollte sich doch im Ernstfall etwas finden lassen, dachte sich an dieser Stelle wohl das Brandenburger Infrastrukturministerium. Selbst Nichtjuristen kräuseln sich bei so einem Unsinn die Zehennägel. Juristen sprechen offen von Sittenwidrigkeit dieses Vertrages. Aber der Bürgermeister hat dieses Pamphlet abgezeichnet. Haarsträubend - und eigentlich sollte man sich als gewählter Volksvertreter ob einer derartigen Zumutung nicht richtig Ernst genommen fühlen...
Foto: Die Bürgermeisterstraße in Bernau bei Berlin ( © fv 2009)
Dienstag, 14. Juli 2009
Deutsche zweiter Klasse - Teil 9

"Es geht mir um gleiche Augenhöhe zwischen Ost und West heute. 20 Jahre danach darf im Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten nicht nur das zählen, was aus dem Westen kommt. .. es hat Millionen von Menschen gegeben, die innerhalb des Systems das Beste versucht und geleistet haben. Dabei sind in vielen Bereichen gute Sachen herausgekommen, die man nicht einfach wegwerfen darf... Wir können nicht so tun, als sei ein idealer Staat auf einen total verdammenswerten getroffen. Die Bundesrepublik hatte ihre Schwächen und die DDR hatte ihre Stärken..." ( aus einem Interview des "Hamburger Abendblatts" mit dem Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, dem SPD-Politiker Erwin Sellering, vom 9. Mai 2009)
Zwar sind das bemerkenswerte Einsichten, aber sie kommen zwanzig Jahre zu spät und nur von einem einzigen Politiker dieser sogenannten Volkspartei.
Montag, 13. Juli 2009
Neue "Kulturzentren" und große Idioten

Die Hauptstadt hat ein neues Kulturzentrum, berichtet die "junge welt" von heute. »Auf dem Schloßplatz mitten in Berlin können Berliner und Touristen jetzt auf einer riesigen Liegewiese entspannen«, schwärmt der Deutsche Depeschendienst (ddp). Dort, wo früher ein Theater, ein Jugendclub, eine beliebte Bowlingbahn, günstige Gaststätten und der große Saal (Lindenberg-Konzert und »Ein Kessel Buntes«) sowie die Volkskammer der DDR Zuhause waren, lädt die Grünfläche »zum Spielen, Sonnen und Verweilen« (ddp) ein. Die Stelle, auf der einst der Palast der Republik stand, hat man mit Rollrasen ausgelegt. Allein diese Arbeiten kosteten 1,4 Millionen Euro, wieviel der politisch motivierte Palastabriß kostete, möchten wir gar nicht erst wissen. "Die NBL (»Neue Berliner Liegewiese«) ist frei von Toiletten und Mülleimern." berichtet die "jw" weiter. " Ein Eis für die Kinder, gekühlte Getränke an heißen Tagen oder etwas zum Essen gibt es nicht. Grillen ist laut Senatsverwaltung »unerwünscht«, Radfahren per Beschilderung »verboten«. Ein Holzzaun verhindert eine freie Sicht auf die Spree. »Immerhin, es ist ein Volksrasen«, witzeln (nicht nur - der Verfasser) frühere Palast-Beschäftigte über die neue kulturelle Begegnungsstätte."
Wahnsinn, was man aber auch alles für uns tut. Und sogar der Eintritt ist frei, wie damals in der DDR. Aber natürlich ist jetzt alles viel, viel besser.
Die Frage ist eigentlich nur, für wie blöd uns ddp und die Verantwortlichen für diesen Wahnwitz halten...
Foto: "Blick von der Friedrichstraße zum Roten Rathaus im Jahre 2005" ( © Michael Berger, www.pixelio.de)
National Geographic und der Kommunismus

In der April-Ausgabe von "National Geographic" Deutschland beweihräuchert der Chefredakteur Klaus Liedtke lang und breit das Wiedererstarken der russisch-orthodoxen Kirche in der ehemaligen Sowjetunion. Eigentlich ist es ja nur lächerlich, wenn z. B. KGB-Offizier Putin dem Patriarchen von Moskau die Hände küßt, aber wie immer in Zeiten von Unsicherheit, Krise und Furcht suchen viele Menschen Trost im Okkulten und Übersinnlichen. Und was war der Kommunismus Stalinscher Prägung anderes als eine Ersatzreligion ? Insofern ist die Reconquista durch die Popen, verbunden mit einer nie gekannten Pomp- und Machtentfaltung, nichts Besonderes. Gerade wegen ihres Pomps und ihrer Rückwärtsgewandheit birgt sie allerdings auch schon wieder ihren eigenen Niedergang in sich. Aber der kurze Artikel von Liedtke als Editorial fängt mit einigen sicher unfreiwillig erhellenden Sätzen an, die man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen sollte:
"Das größte Experiment der Geschichte: Das war der Versuch, aus Menschen Kommunisten zu machen - Individuen, frei von ökonomischen, politischen, religiösen Zwängen, ohne Herrschaft, ohne Klassen, ohne gemeingefährliche Selbstsucht..."
Was wäre an diesen individuellen Eigenschaften der Menschen falsch, außer dass sie dem Profitstreben des Kapitals und seiner Manager, dem Konsumzwang und damit der Umweltzerstörung, dem Neid auf den Besitz des Mitmenschen, der Parteienherrschaft in unserer Demokratur, dem Sündengefasel und dem Machtanspruch der Kirchen auf unsere Seelen und Portemonnaies, dem Egoismus und all den Abgründen des Denkens und Tuns, zu denen Menschen im täglichen Kampf gegen den Menschen fähig sind, diametral entgegengesetzt sind ?
Entschuldigung, ich stelle ja nur Fragen...
Foto: Marx-Engels-Forum Berlin ( © dumman, www.pixelio.de)
Sonntag, 12. Juli 2009
Mehr Rüstungsexporte und Lockerungen der Ausfuhrbeschränkungen

Der Zensor war gerade mal auf dem Klo oder hat geschlafen. Etwas anders kann es nicht gewesen sein, denn wieder einmal hat unsere Regionalzeitung in Verkennung der deutschen Pressefreiheit ganz kurz die Decke eines stinkenden deutschen Leichnams gelüftet. Vor langer Zeit hatten wir mal gehofft, dass dieser Leichnam schon längst bestattet wäre und dass wir einen derartigen Artikel niemals mehr lesen müssten. Der Artikel aus der"Märkischen Oderzeitung" unter dem Titel "BDI für mehr Rüstungsexporte" ist wie immer bei solchen "Ausrutschern" online nirgendwo zu finden und wird deshalb von mir verbreitet. Er ist von Joachim Göres, handelt mitnichten im Jahre 1939 kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, denn er beschäftigt sich mit den Planspielen der deutschen Rüstungsindustrie im Jahre 2009:
"Celle. Eine Lockerung der Beschränkungen für deutsche Rüstungsexporte forderte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel auf der Konferenz "Celler Trialog. "Wir wollen keine Lieferungen in Krisengebiete aber deutsche Rüstungsunternehmen müssen mehr Möglichkeiten bei internationalen Geschäften haben." Ferner verlangte Keitel vor den rund 160 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr auf der von Commerzbank Verteidigungsministerium organisierten Sicherheitstagung, dass man wegen der angespannten Etatlage für kommende Haushaltsberatungen vorbereitet sein müsse, um beim Wehretat Kürzungen zu verhindern. Dieser wurde für 2009 um fünf Prozent auf 31,1 Milliarden Euro aufgestockt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wies darauf hin, dass seit Beginn der Auslandseinsätze vor 15 Jahren 260000 deutsche Soldaten unter anderem in Afghanistan, im Kosovo oder vor der Küste Somalias im Einsatz waren. "Gegenwärtig sind allein 1200 Reservisten im Ausland. Es ist ein Verdienst der Wirtschaft, die diesen Einsatz ermöglicht", so Jung. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, lobte im Gegenzug die Bundeswehreinsätze zur Sicherung von Handelswegen. Beide Seiten vereinbarten in Celle denn auch, künftig Reservisten in Unternehmen stärker zu fördern.
Deutschland ist hinter den USA und Russland der größte Exporteur von Waffen und hat laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri seine Rüstungsexporte in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent gesteigert. "Es gibt keinen Grund, die Exportrestriktionen zu lockern. Deutsche Rüstungsfirmen verdienen sehr gut", sagt Bernhard Moltmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Vor allem deutsche Panzer, U-Boote und Fregatten sowie Anlagen zur Produktion von Kleinwaffen seien weltweit begehrt. Deutsche Firmen belieferten weitgehend Nato-Staaten, die nach der Modernisierung ihrer Armee veraltete Waffensysteme nicht selten in Krisengebiete verkauften. Deutsche Wehrtechnik werde aber auch in innenpolitisch instabile Staaten wie Pakistan verkauft.
"Es könnte viel Geld gespart werden, wenn die europäischen Staaten nicht aus politischen Gründen jeweils ihre eigene Rüstungsindustrie fördern würden",sagt Kai Burmeister, beim Vorstand der IG Metall für die wehrtechnische Industrie zuständig, der Märkischen Oderzeitung. Rund 80000 Menschen sind in Deutschland in dieser Branche beschäftigt, ihr Jahresumsatz lag zuletzt bei 17 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Die meisten der einst 400000 Arbeitsplätze fielen nach der Wende weg, wobei die rund 120000 Stellen in Ostdeutschland fast komplett aufgegeben wurden.
Zu den größten Unternehmen zählen heute der deutsch-französische Kon-zern EADS, der, in Donauwörth mit rund 4500 Mitarbeitern den Hubschrauber Eurocopter herstellt und an weiteren Standorten den Eurofighter und Munition produziert. Rheinmetall (9200 Mitarbeiter) und Krauss-Maffei Wegmann (mehr als- 3000 Beschäftigte) sind die beiden größten Hersteller von Panzern, die vor allem in München und Kassel gefertigt werden. Sie haben zusammen das Unternehmen PSM gegründet, das von der Bundeswehr gerade einen Auftrag im: Volumen von 3,1 Milliarden Euro für die Lieferung von 405 Schützenpanzer vom Typ Puma bekommen hat. Kritiker bemängeln, dass es vom Puma, der den Marder ersetzen soll, bis heute keinen wirklichen Prototypen gibt und befürchten, dass es wie wiederholt in der Vergangenheit zu einer Verzögerung bei den zugesagten Lieferterminen und einer Verteuerung beim gesamten Projekt kommen könnte."
Eine unheilige Allianz ist da unterwegs: Commerzbank, Bundesregierung, BDI und natürlich die Gewerkschaft ! Einen weitergehenden Kommentar spare ich mir...
Foto: Das unweigerliche Ende aller Kriege ( © Maria Lanznaster, www.pixelio.de)
Samstag, 11. Juli 2009
Deutsche zweiter Klasse - Teil 8
In der britischen Armee gab es einen bösen Witz: Man stelle sich vor, das Operationsgebiet ist mit Giftgas verseucht, alle Soldaten haben Gasmasken auf. Irgendwann ist der Trupp aus dem verseuchten Gebiet heraus. Jetzt könnten die Masken abgenommen werden. Allerdings sind die chemischen Indikatoren kaputt und man kennt den aktuellen Giftgasgehalt der Atemluft nicht. Also muss einer der Soldaten als erster die Maske abnehmen und für die anderen die Luft testen. In der britischen Armee nahm man für diese Aufgabe die Iren...
An diesen "Witz" dachte ich, als ich den gestrigen Artikel der "jungen welt" mit dem Titel Ossis als Kanonenfutter las. Inzwischen ist es bei der Bundeswehr genauso wie bei den US-amerikansichen GIs: Man sucht sich die Leute nach dem Grad ihrer Perspektivlosigkeit aus und lockt sie mit Versprechungen. Deshalb der überproportional hohe Anteil von Latinos und Schwarzen in der US-Armee. Ähnlich ist es - wie gesagt - jetzt bei der BW-Truppe im Auslandseinsatz
Zitat: "Laut Verteidigungsministerium befinden sich zur Zeit 6391 Soldatinnen und Soldaten »in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr«. Von diesen sind 3143 ostdeutscher Herkunft. Dies entspricht einem Anteil von 49,18 Prozent. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung machen Ostdeutsche gut 20 Prozent aus (einschließlich Berlin). Die Aufschlüsselung zeigt außerdem, daß kein einziger General oder Admiral (im Auslandseinsatz) ostdeutscher Herkunft ist; ostdeutsche Stabsoffiziere machen mit 59 von 356 gut 16 Prozent aus. Am deutlichsten ist jedoch die proportional ungleiche Verteilung bei den »Mannschaften. Hier stellen Ostdeutsche, die erst seit kurzen den gleichen Sold erhalten wie ihre Westkameraden, 62,47 Prozent ... vor allem in den niederen Dienstgraden (dienen) viele Ostdeutsche , umgangssprachlich: (sie sind) Kanonenfutter..."
Der sächsische Bundestagsabgeordnete Peter Hettlich (Bündnis 90/Die Grünen) führt dies »vor allem darauf zurück, daß ostdeutsche junge Leute sehr viel geringere zivile Lebensperspektiven haben als westdeutsche«. Statt durch die kaum vorhandenen blühenden Landschaften ihrer ostdeutschen Heimat " ziehen sie nun durch die blühenden Mohnlandschaften Afghanistans"...
Das Foto zeigt einen Bundeswehrrekruten ( © fv 2009) vor der Vereidigung.
Freitag, 10. Juli 2009
"Yes, we can" in Brandenburg

Es geht. Es funktioniert. Wir können es wirklich! Man muss nur hartnäckig sein und in genügender Menge auftreten, dann können die Mächtigen irgendwann nicht mehr. Jedenfalls in Wahljahren und wenn der Wahlkreis der Bundesmerkel betroffen ist: Im jahrelangen Tauziehen um den Bombenabwurfplatz in Brandenburg haben sich die Gegner des sogenannten Bombodroms durchgesetzt. Bundeskriegsminister Franz Josef Jung (CDU) verkündete am Donnerstag in Berlin das endgültige Aus für das Übungsgelände der Bundeswehr bei Wittstock (Ostprignitz-Ruppin). Gegen das Vorhaben, das mehr als 15 Jahre lang die Gerichte beschäftigte, hatten jedes Jahr zu Ostern Zehntausende Menschen protestiert.
Gewohnt, zwischen den Zeilen zu lesen, befällt mich allerdings schon wieder ein sehr tiefes Mißtrauen wegen der Wortfall unseres Kriegsministers. „Wir nutzen Wittstock nicht mehr als Luft-Boden-Schießplatz“, sagte Jung. Was dann ? Luft-Luft-, Boden-Boden- oder Boden-Luft-Ballerei? Will man dort jetzt U-Boote testen ? Kann er sich nur nicht konkret ausdrücken oder steckt etwas anderes dahinter? Wie wäre es mal mit der ganz konkreten Aussage, dass die Bundeswehr das 140 Quadratkilometer große, seit Jahrzehnten verwüstete Areal endlich renaturiert und anschließend abzieht ? Weg mit derartig hässlichen Schildern (siehe oben). Feinde, die wir mit der Bundesluftwaffe bedrohen oder gar bekämpfen könnten, sind nämlich seit wenigstens 20 Jahren nicht mehr in Sicht...
Foto: © Holger Knecht (www.pixelio.de)
Mittwoch, 8. Juli 2009
Das steht uns nun auch wieder bevor
– Wie Sie mich hier sehn, bin ick nämlich aust Fensta jefalln. Wir wohn Hochpachterr, da kann sowat vorkomm. Es ist wejn den Jleichjewicht. Bleihm Se ruhich stehn, lieber Herr, ick tu Sie nischt – wenn Se mir wolln mah aufhehm ... so ... hopla ... na, nu jeht et ja schon. Ick wees jahnich, wat mir is: ick muß wat jejessen ham ... !
Jetrunken? Ja, det auch ... aber mit Maßen, immer mit Maßen. Es wah – ham Sie 'n Auhrenblick Sseit? – es handelt sich nämlich bessüchlich der Wahlen. Hips ... ick bin sossusahrn ein Opfer von unse Parteisserrissenheit. Deutschland kann nich untajehn; solange es einich is, wird es nie bebesiecht! Ach, diß wah ausn vorjn Kriech ... na, is aber auch janz schön! Wenn ick Sie 'n Sticksken bejleiten dürf ... stützen Sie Ihnen ruhig auf mir, denn jehn Sie sicherer!
Jestern morjen sach ick zu Elfriede, wat meine Jattin is, ick sahre: »Elfriede!« sahr ick, »heute is Sonntach, ick wer man bißken rumhörn, wat die Leite so wählen dhun, man muß sich auf den laufenden halten«, sahr ick – »es is eine patt ... patriotische Flicht!« sahr ick. Ick ha nämlich 'n selbständjen Jemieseladn. Jut. Sie packt ma 'n paar Stulln in, und ick ßottel los.
Es wücht ein ja viel jebotn, ssur Sseit ... so ville Vasammlungen! Erscht war ich bei die Nazzenahlsosjalisten. Feine Leute. Mensch, die sind valleicht uffn Kien! Die janze Straße wah schwarz ... un jrien ... von de Schupo ... un denn hatten da manche vabotene Hemden an ... dies dürfen die doch nich! »Runta mit det braune Hemde!« sachte der Wachtmeister zu ein, »Diß iss ein weißes Hemde!« sachte der. »Det is braun!« sachte der Jriene. Der Mann hat ja um sich jejampelt mit Hände und Fieße; er sacht, seine weißen Hemden sehn imma so aus, saubrer kann a nich, sacht a. Da ham sen denn laufen lassen. Na, nu ick rin in den Saal. Da jabs Brauselimmenade mit Schnaps. Da ham se erscht jeübt: Aufstehn! Hinsetzn! Aufstehn! Hinsetzn! weil sie denn nämlich Märsche jespielt ham, und die Führers sind rinjekomm – un der Jöbbels ooch. Kenn Sie Jöbbels? Sie! Son Mann is det! Knorke. Da ham die jerufen: »Juden raus!« un da habe ick jerufen: »Den Anwesenden nadhierlich ausjenomm!« un denn jing det los: Freiheit und Brot! ham die jesacht. Die Freiheit konnte man jleich mitnehm – det Brot hatten se noch nich da, det kommt erscht, wenn die ihr drittes Reich uffjemacht ham. Ja. Und scheene Lieda ham die –!
Als die liebe Morjensonne
schien auf Muttans Jänseklein,
zoch ein Rejiment von Hitla
in ein kleines Städtchen ein ... !
Na, wat denn, wat denn ... man witt doch noch singen dürfn! Ick bin ja schon stille – ja doch. Und der Jöbbels, der hat ja nich schlecht jedonnert! Un der hat eine Wut auf den Thälmann! »Is denn kein Haufen da?« sacht er – »ick willn iebern Haufn schießen!« Und wir sind alle younge Schklavn, hat der jesacht, und da hat er ooch janz recht. Und da war ooch een Kommenist, den ham se Redefreiheit jejehm. Ja. Wie sen nachher vabundn ham, war det linke Oohre wech. Nee, alles wat recht is: ick werde die Leute wahrscheinlich wähln. Wie ick rauskam, sachte ick mir: Anton, sachte ick zu mir, du wählst nazzenahlsosjalistisch. Heil!
Denn bin ick bei die Katholschen jewesn. Da wollt ick erscht jahnich rin ... ick weeß nich, wie ick da rinjekomm bin. Da hat son fromma Mann am Einjang jestandn, der hatte sich vor lauter Fremmichkeit den Krahrn vakehrt rum umjebunden, der sacht zu mir: »Sind Sie katholischen Jlaubens?« sacht er. Ick sahre: »Nich, dass ick wüßte ... « – »Na«, sacht der, »wat wollen Sie denn hier?« – »Jott«, sahre ick, »ick will mir mal informieren«, sahre ick. »Diß is meine Flicht des Staatsbirjers.« Ick sahre: »Einmal, alle vier Jahre, da tun wa so, als ob wa täten ... diß is ein scheenet Jefiehl!« – »Na ja«, sacht der fromme Mann, »diß is ja alles jut und scheen ... aber wir brauchen Sie hier nich!« – »Nanu ... !« sahre ick, »sammeln Sie denn keene Stimm? Wörben Sie denn nich um die Stimm der Stimmberechtichten?« sahre ick. Da sacht er: »Wir sind bloß eine bescheidene katholische Minderheit«, sacht er. »Und ob Sie wähln oder nich«, sacht er, »desderwejn wird Deutschland doch von uns rejiert. In Rom«, sacht er, »is et ja schwierijer ... aber in Deutschland ... « sacht er. Ick raus. Vier Molln hak uff den Schreck jetrunken.
Denn wak bei die Demokratn. Nee, also ... ick hab se jesucht ... durch janz Berlin hak se jesucht. »Jibbs denn hier keene Demokraten?« frahr ick eenen. »Mensch!« sacht der, »Du lebst wohl uffn Mond! Die hats doch nie jejehm! Und nu jippse iebahaupt nich mehr! Jeh mal hier rin«, sacht er, »da tacht die Deutsche Staatspachtei – da is et richtich.« Ick rin. Da wah ja so viel Jugend ... wie ick det jesehn habe, mußt ick vor Schreck erscht mal 'n Asbach Uralt trinken. Aber die Leute sinn richtich. Sie – det wa jroßachtich! An Einjang hattn se lauter Projamms zu liejn ... da konnt sich jeder eins aussuchen. Ick sahre: »Jehm Sie mir ... jehm Se mia ein scheenet Projamm für einen selbständigen Jemieseladen, fier die Interessen des arbeitenden Volkes«, sahre ick, »mit etwas Juden raus, aber hinten wieder rin, und fier die Aufrechterhaltung der wohlerworbenen Steuern!« – »Bütte sehr«, sacht det Frollein, wat da stand, »da nehm Sie unsa Projramm Numma siemundfürrssich – da is det allens drin. Wenn et Sie nicht jefällt«, sacht se, »denn kenn Siet ja umtauschn. Wir sind jahnich so!« Diß is eine kulante Pachtei, sahre ick Ihn! Ick werde die Leute wahrscheinlich wähln. Falls et sie bei der Wahl noch jibbt.
Denn wak bei die Sozis. Na, also ick bin ja eijentlich, bei Licht besehn, ein alter, jeiebter Sosjaldemokrat. Sehn Se mah, mein Vata war aktiva Untroffssier ... da liecht die Disseplin in de Familie. Ja. Ick rin in de Vasammlung. Lauta klassenbewußte Arbeita wahn da: Fräser un Maschinenschlosser un denn ooch der alte Schweißer, der Rudi Breitscheid. Der is so lang, der kann aus de Dachrinne saufn. Det hat er aba nich jetan – er hat eine Rede jehalten. Währenddem dass die Leute schliefen, sahr ick zu ein Pachteigenossn, ick sahre: »Jenosse«, sahre ick, »woso wählst du eijentlich SPD –?« Ick dachte, der Mann kippt mir vom Stuhl! »Donnerwetter«, sacht er, »nu wähl ick schon ssweiunsswanssich Jahre lang diese Pachtei«, sacht er, »aber warum det ick det dhue, det hak ma noch nie iebalecht! – Sieh mal«, sachte der, »ick bin in mein Bessirk ssweita Schriftfiehra, un uff unse Ssahlahmde is det imma so jemietlich; wir kenn nu schon die Kneipe, un det Bier is auch jut, un am erschten Mai, da machen wir denn 'n Ausfluch mit Kind und Kejel und den janzen Vaein ... und denn ahms is Fackelssuch ... es is alles so scheen einjeschaukelt«, sacht er. »Wat brauchst du Jrundsätze«, sacht er, »wenn dun Apparat hast!« Und da hat der Mann janz recht. Ick werde wahrscheinlich diese Pachtei wähln – es is so ein beruhjendes Jefiehl. Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich. Und das is sehr wichtig fier einen selbständjen Jemieseladen!
Denn wah ick bei Huchenberjn. Sie ... det hat ma nich jefalln. Wer den Pachteisplitter nich ehrt, is det Janze nich wert – sahr ick doch imma. Huchenberch perseenlich konnte nich komm ... der hat sich jrade jespaltn. Da hak inzwischen 'n Kimmel jetrunken.
Denn wak noch bei die kleinern Pachteien. Ick wah bei den Alljemeinen Deutschen Mietabund, da jabs hellet Bia; und denn bei den Tannenberchbund, wo Ludendorff mitmacht, da jabs Schwedenpunsch; und denn bei die Häußerpachtei, die wähln bloß in Badehosn, un da wah ooch Justaf Nahrl, der is natürlicher Naturmensch von Beruf; und denn wak bei die Wüchtschaftspachtei, die sind fier die Aufrechterhaltung der pollnschen Wüchtschaft – und denn wark blau ... blau wien Ritter. Ick wollt noch bei de Kommenistn jehn ... aber ick konnte bloß noch von eene Laterne zur andern Laterne ... Na, so bink denn nach Hause jekomm.
Sie – Mutta hat valleicht 'n Theater jemacht! »Besoffn wie son oller liiijel –!« Hat se jesacht. Ick sahre: »Muttacken«, sahre ick, »ick ha det deutsche Volk bei de Wahlvorbereitung studiert.« – »Besoffn biste!« sacht se. Ick sahre: »Det auch ... « sahre ick. »Aber nur nehmbei. Ick ha staatspolitische Einsichten jewonn!« sahre ick. »Wat wißte denn nu wähln, du oller Suffkopp?« sacht se. Ich sahre: »Ick wähle eine Pachtei, die uns den schtarkn Mann jibt, sowie unsan jeliebtn Kaiser und auch den Präsidenten Hindenburch!« sahr ick. »Sowie bei aller Aufrechterhaltung der verfassungsjemäßichten Rechte«, sahr ick. »Wir brauchen einen Diktator wie Maxe Schmeling oder unsan Eckner«, sahre ick. »Nieda mit den Milletär!« sahre ick, »un hoch mit de Reichswehr! Und der Korridor witt ooch abjeschafft«, sahre ick. »So?« sacht se. »Der Korridor witt abjeschafft? Wie wißte denn denn int Schlafzimmer komm, du oller Süffel?« sacht se. Ick sahre: »Der Reichstach muß uffjelöst wem, das Volk muß rejiern, denn alle Rechte jehn vom Volke aus. Na, un wenn eener ausjejang is, denn kommt a ja sobald nich wieda!« sahre ick. »Wir brauchen eine Zoffjett-Republik mit ein unumschränkten Offsier an die Spitze«, sahre ick. »Und in diesen Sinne werk ick wähln.« Und denn bin ick aust Fensta jefalln.
Mutta hat ohm jestanden und hat jeschimpft ... ! »Komm du mir man ruff«, hat se jebrillt. »Dir wer ick! Du krist noch mal Ausjang! Eine Schande is es –! Komm man ja ruff!« Ick bin aba nich ruff. Ick als selbstänjdja Jemieseladen weeß, wat ick mir schuldich bin. Wollen wa noch ne kleene Molle nehm? Nee? Na ja ... Sie missn jewiß ooch ze Hause – die Fraun sind ja komisch mit uns Männa! Denn winsch ick Sie ooch ne vajniechte Wahl! Halten Sie die Fahne hoch! Hie alleweje! Un ick wer Sie mal wat sahrn: Uffjelöst wern wa doch ... rejiert wern wa doch ...
Die Wahl is der Rummelplatz des kleinen Mannes! Det sacht Ihn ein Mann, der det Lehm kennt! Jute Nacht –!
Kaspar Hauser (alias Kurt Tucholsky) : "Ein älterer, aber leicht besoffener Herr" in "Die Weltbühne" , 09.09.1930, Nr. 37, S. 405,
Dienstag, 7. Juli 2009
An unsere Helden an der Front
Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
„Wer da!“ – „„Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.““
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Commandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.
Sie führen in’s steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Er athmet hoch auf und dankt und spricht:
„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Cabul unser Zug begann,
Erstarrt, erschlagen, verrathen sind.
„Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all’,
Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.
So laßt sie’s hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimath und Haus,
Trompeter, blas’t in die Nacht hinaus!“
Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd’,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.
Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.
Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
* AFG ist das Bundeswehrkürzel für Afghanistan. So sprechen Helden heute !
Danke an Micha für Idee und Quellenangabe.
Vor Mehdorn wird gewarnt
Die "junge welt" veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe ein lesenswertes Interview mit Heiner Wegner, Betriebsratsvorsitzender bei der Berliner S-Bahn GmbH. Wegner sieht die Ursache für das Chaos eindeutig in der Politik und antwortet auf eine entsprechende Frage:
"Es ist einfach absurd, den Nahverkehr als Teil der DB AG an die Börse bringen zu wollen. Sie können keinen Profit mit dem öffentlichen Personennahverkehr erwirtschaften. Wir haben die Verpflichtung, die Mobilität der Bevölkerung zu gewährleisten. Wenn das nicht mehr als oberster Grundsatz gilt, sondern die Profitmaximierung, dann kann das nicht funktionieren. Die Börsenpläne der Bahn sind wirklich absoluter Schwachsinn. Die Politik hat sie beschlossen und ist damit dafür verantwortlich, daß unser Unternehmen an die Wand gefahren wurde."
Übrigens, Hartmut Mehdorn, der ehemals verantwortliche und weggelobte Bahnchef, hat einen neuen Druckposten bei Air Berlin. Im Gegensatz zu den Bahnreisenden unter Mehdorns "Ägide" können Fluggäste heute auf andere Anbieter umsteigen. Bevor bei Air Berlin die Triebwerke eingespart werden und die Passagiere die Propeller selber drehen müssen...
Montag, 6. Juli 2009
Das Humboldtjahr 2009
Nur vordergründig liegen Humboldts Verdienste in der Erforschung des südlichen Amerikas, einer Gegend, die bis zu Humboldts Eindringen zwar bereits von Europäern entdeckt und besiedelt, aber kaum erforscht war. Wichtiger an seinem Lebenswerk ist aber, dass Alexander von Humboldts Denken in einem umfassenden Sinn auf die Welt im Ganzen gerichtet war. Humboldt lenkte sein Forscherinteresse und seine Wissenschaftskonzeption nicht allein auf die jeweiligen Gegenstände, sondern schuf eine kosmopolitische Wissenschaft aufgrund ihrer ethischen Fundierung und der an den Interessen der gesamten Menschheit ausgerichteten politischen Verantwortlichkeit. Als Forscher setzte Humboldt auf weltweite Vernetzung und förderte sie nach Kräften durch eigene Korrespondenz und als Organisator von Begegnung und Ergebnisaustausch unter Wissenschaftlern - ein für damalige Zeiten revolutionärer Ansatz und wirklich erst in den letzten Jahrzehnten allgemein realisiert.
Ich bin auch heute noch stolz, dass ich an der Humboldt-Universität in Berlin studiert und promoviert habe. Auch wenn diese Uni wie so viele andere Hochschulen in diesem Land am Tropf hängt und längst nicht soviel leistet, wie sie könnte. Aber das liegt vielleicht auch an den Beamtenärschen der willfährigen fünft-und sechstklassigen Wessi-Professoren, die die Alma mater Berlinensis nach dem Anschluß der DDR gekapert haben und sie auch heute noch besetzt halten...
Freitag, 3. Juli 2009
Deutsche zweiter Klasse - Teil 7
"Was blieb übrig vom Leseland DDR ? Die Verlagslandschaft in Ostdeutschland hat sich seit 1990 radikal verändert. Von den ehemals 78 staatlich lizenzierten Verlagen der DDR existiert in eigenständiger Form nur noch ein Dutzend. Die Zahl der in dieser Branche in Ostdeutschland Beschäftigten ist um mehr als 90 Prozent gesunken. Im Osten Deutschlands wird heute weniger als ein Prozent des deutschen Buchumsatzes erzeugt. Christoph Links Buch "Das Schicksal der DDR-Verlage" findet klare Worte für die traurigen Zustände der Ost-Verlage. Links hat detailliert aufgezeigt, mit welchen Problemen sich die Verlage seit der Wende konfrontiert sahen: Kaum Eigentum in Form von Anlagevermögen oder Immobilien, kaum Kapital und vor allem wenig Erfahrung im Umgang mit dem freien Markt. Auf der Grundlage detaillierter Einzeluntersuchungen zu Geschichte, Eigentumsform, Produktionsvolumen, Beschäftigtenzahlen und zum Privatisierungsprozess aller 78 Verlage wird eine kritische Bilanz der Umgestaltung dieser Wirtschaftsbranche vorgelegt. Informationen zum Verbleib der Rechte und Archive der untergegangenen Verlage, alphabetische Übersichtstabellen, Verlagssignets und Register machen die Arbeit darüber hinaus als Nachschlagewerk nutzbar."
Plattgemacht, ausgeschlachtet, verwertet, geklaut: Das war`s...
Erstellt unter Verwendung des Klappentextes und verschiedener Pressemeldungen
Mittwoch, 1. Juli 2009
Der 22. Internationale Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen - eine Nachlese
Einmal im Jahr treffen sich die deutschen Augenchirurgen zur sogenannten DOC. Es ist bisher der größte der deutschen Augenarztkongresse, der seit einiger Zeit immer in Nürnberg stattfindet. In diesem Jahr traf man sich vom 17. bis 21. Juni. Nachdem dieser Kongress fast jährlich größere Ausstellungsflächen beanspruchte, war in diesem Jahr erstmals ein Rückgang der Teilnehmerzahlen zu bemerken. Intern sprach man von etwa 1000 Anmeldungen, während in den Vorjahren jeweils ca. 4000 Teilnehmer zu begrüßen waren. Es war auch zu bemerken, dass vor allem weniger OP-Personal, für das eigentlich immer ein hochinteressantes Programm angeboten wird, angereist war. Krise, wohin man blickt.
Zeit für eine Reminiszenz aus der völlig subjektiven Sicht eines zugegebenermaßen ganz kleinen Ausstellers: Eigentlich war es der gleiche Circus wie immer. Die großen Firmen-überwiegend in US-amerikanischer Hand - leisteten sich die üblichen Messestände im Giganto- Format und verzichteten auch in diesem Jahr wieder auf die Aufstellung von Kettenkarussells oder Geisterbahnen. Das wurde allgemein als positiv empfunden. Eine große amerikanische Firma ( groß ist hier allerdings relativ, denn auch sie wurde gerade von einem noch größeren Hai geschluckt) leistete sich den aktuellen Bezug zur Tagespolitik, indem sie an ihrem Ausstellungsstand den Schrottwürfel eines Autos ausstellte. Der Bezug zur Augenheilkunde war hier allerdings vordergründig nicht zu entdecken.
An den Ständen, wo Essen in vielfältigster Form ausgeteilt wurde, stauten sich wie immer die Menschen. Also kein Unterschied zu einem Weihnachtsmarkt, außer dass man für eine Tüte Popcorn oder eine Crepe nur seine Adresse hinterlassen und damit Interesse an den Produkten des Verpflegungspunktes heucheln musste, damit ein geplagter Außendienstmitarbeiter dem vermeintlichen Interessenten Wochen später die Bude einrennen kann. Genau aus diesem Grund gibt es bei mir am Ausstellungsstand schon seit Jahren nichts mehr zu knabbern, denn ich bevorzuge die Kunden mit Fachinteresse. Und die kamen auch, wenn auch in deutlich geringerer Zahl - siehe oben. Angebote gingen dann noch am folgenden Tag in die Schweiz, Libyier kauften Artikel aus dem Handlager für cash, so wie es jeder Händler am liebsten hat. Deutlich gestiegen ist das Interesse der Ärzte aus Slowenien, Kroatien und Polen. Mal sehen, ob sich hier etwas ergibt.
Was gab es fachlich für Neuigkeiten? Zunächst die große Überraschung: Die gelbe Intraokularlinse ist tot. Ursprünglich als große Errungenschaft verkauft, hat sich ein eigentlicher Nutzen dieser Linse nicht erwiesen. Zwar filtert die Linse den Wellenanteil des blauen Lichtes aus dem natürlichen Licht heraus. Dieser Lichtanteil wurde bisher für Schädigungen der Netzhaut nach Extraktion der natürlichen Linse verantwortlich gemacht. Allerdings stellte man schon im vergangenen Jahr heraus, dass gerade der blaue Anteil des natürlichen Lichts für das psychische Wohlbefinden des Menschen essentiell ist. In diesem Jahr hat eine vertrauenswürdige Studie nachgewiesen, dass der Effekt des Blaufilters in der gelben Intraokularlinse auf die Netzhaut und damit auf die Entstehung von Netzhauterkrankungen zu vernachlässigen ist.
Seit 1998 beschäftigte ich mich immer wieder mal mit den sogenannten multifokalen Intraokularlinsen. Das sind Linsen, die -volkstümlich erklärt - dem menschlichen Gehirn vorgaukeln, dass die natürliche Linse noch im Auge ist und akkomodieren kann. Die Fähigkeit des Systems "Auge" zur Akkomodation, d.h. zum quasi automatischen Einstellen der natürlichen Linse auf nahe oder ferne Ziele, geht ja mit der Katarakt-OP und dem Einsetzen einer Kunstlinse bisher unwiderruflich verloren. Mit den sogenannten multifokalen Intraokularlinsen (MIOL) sollte dieser Nachteil auf optischem Wege ausgeglichen werden. Seit nunmehr 11 Jahren fummeln nun einige Firmen an diesen Linsen herum. Fazit der Fummelei: Die Gesetze der Optik lassen sich nicht überlisten und die MIOL haben immer noch die gleichen Nachteile wie 1998. Außer Spesen eigentlich nicht viel gewesen.
Was war noch? Man traf sich wieder einmal im Kollegenkreis, spannte abends bei uriger Nürnberger Küche aus und hörte die neuesten "Neu". Beim abendlichen Essen in der Lederer Brauerei traf ich einen vermeintlichen Engländer, der sich als Waliser entpuppte und genau aus dem Ort auf der Isle of Anglesey (Ynes Mon) stammt, wohin wir immer in Urlaub fahren, wenn wir in Großbritannien sind. It' s a small world. Schön war auch noch, dass ich ständig dem Popcorn widerstehen konnte, das am Ausstellungsstand gegenüber ausgeteilt wurde. Allerdings erfreute ich mich jeden Tag an dem schönen Anblick (siehe Foto) . Und reine Freude ist ja wohl in jeder Beziehung erlaubt...
Foto: © fv 2009
Montag, 29. Juni 2009
Urlaub im Wiener Kaffeehaus
Nach einigen Tagen im schönen Bansin - ja, wir waren baden, aber nicht in der 15°C-kalten und unheimlich stürmischen Ostsee, sondern in der Bernsteintherme- ging es gestern gleich nach Potsdam. In der vorletzten Veranstaltung der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam Sanssouci las der begnadete Burgschauspieler Michael Heltau Texte , die überwiegend in Wiener Kaffeehäusern entstanden sind. Ursprünglich sollte Fritz Muliar lesen, er ist aber kurz vor der Vollendung seines neunzigsten Lebensjahres verstorben. Man konnte sich allerdings vorstellen, dass Muliar vielleicht in seiner Rolle als Schweijk gestern irgendwie dabei war. Heltau war ja nichts weniger als ein Ersatz. Zusammen mit dem Pianisten Roland Kühne bescherte er uns einen schönen Sonntag nachmittag bei witzigen, manchmal skurrilen Texten, lieblicher Kaffeehausmusik und - nicht zu vergessen - köstlicher Sachertorte und großem Braunen. Im Vordergrund standen natürlich die Ausschnitte aus Werken von Hugo von Hofmannsthal, Ferdinand Raimund, Nestroy, Josef Kainz, Fritz Kortner, Peter Altenberg , Joseph Roth, Roda Roda und vielen anderen.
Ein hervorragendes Beispiel für Wiener Kaffeehausliteratur, also jener Literatur, die zwischen 1890 und 1938 entstand, liefert der Dichter Peter Altenberg. (* 9. März 1859 in Wien; † 8. Jänner 1919 in Wien; eigentlich Richard Engländer) in folgendem kleinen Stück:
Erste Liebe
"Meine »erste Liebe« war Rosie Mischischek, gleichalterig mit mir, zwölf Jahre alt. Wir spielten täglich »Verstecken« auf den Stufen des Theseustempels im Volksgarten. Sonntags trug sie ein grün-seidenes Kleid, geputzt mit schmalen schwarzen Samtbändern, nackte rundlich-eckige Schultern, offene Locken und war überhaupt vollkommen. Wenn sie sich einbildete, ein besonderes Versteck hinter Säulen gefunden zu haben, so übersah ich sie absichtlich, lief an ihr vorbei, auf die Gefahr hin, für einen Dummkopf gehalten zu werden!
Ihr Glück war mir eben damals alles.
Eines Abends hörte mich meine wunderschöne Mama in meinem Bette schluchzen und weinen.
»Was ist denn los?!«
»Rosie Mischischek hat mir beim Weggehen heute nicht die Hand gegeben!« Das sprach sich herum. Frau Mischischek machte ihrem Töchterchen sanfte Vorwürfe: »Einmal interessiert sich jemand ernstlich für dich, und du reichst ihm beim Weggeh'n vom Theseustempel nicht einmal dein Händchen?!«
Rosie hatte am nächsten Tag, obzwar es nur ein gewöhnlicher Wochentag war, das grüne seidene Kleid an mit den schmalen schwarzen Samtmaschen, nackte, rundlich-eckige Schultern, offene Locken, und ihr gewöhnliches süßes Wildkatzengesichterl.
»Du hast dich bei deiner Mama beklagt, daß ich dir gestern beim Weggeh'n nicht die Hand gegeben habe?! Da hast du sie heute zweimal, so, und für morgen gleich auch, wenn ich vergessen sollte, dummer Bub!«
Sie sah wunderbar erregt aus, eine kleine Furie, noch lieblicher, aparter als sonst. Sie sagte: »Mit dir spiele ich überhaupt nicht mehr ›Verstecken‹, du gehst absichtlich an mir vorüber, obwohl du mich ganz genau gesehen haben mußt! Glaubst du, daß das lustig ist für mich? Dummer Bub! Geh' und tratsche es wieder!«
So endete meine »erste, zarteste, rücksichtsvollste Liebe« in meinem zwölften Lebensjahre. Alle späteren waren ebenso! Nein, ärger, kränkender."
Ja - möchte man da sagen - so ist es manchmal und wem ist so etwas noch nicht passiert ?
Michael Heltau entließ uns nach anderhalb Stunden mit den wunderbaren Zeilen von Arthur Schnitzler über die Unendlichkeit des blauen Himmels und die Ewigkeit der Liebe.
Ein würdiger Abschluß unseres Urlaubs...
Foto: mv 06/2009
Montag, 22. Juni 2009
DBDDHKP*
Dieser Meldung hier möchte ich außer dieser abgekürzten Redewendung nichts hinzufügen. Unsere Bosse sind nicht lernfähig, nicht bildungsfähig, können keine Geschichtsbücher lesen, keine Rückschlüsse aus den schlimmen Erfahrungen anderer Armeen ziehen und krauchen dazu nach wie vor in jeden Amiarsch. Recht eigentlich sind es militaristische Verbrecher - am eigenen Volk und an den Afghanen. Unwählbar. Wie übrigens auch der "Friedensengel" Obama.
P.S. Ich bin dann mal 5 Tage weg. Urlaub. Muss auch mal sein. Bei Langeweile tobt Euch doch einfach inzwschen mit Kommentaren aus...
Donnerstag, 18. Juni 2009
Der rasende Blogger

Hiermit melde ich mich aus Nürnberg. Heute morgen mit vollem Auto zur Ausstellung anläßlich des Kongresses der Augenchirurgen. Lange nicht mehr so einen gemeinen, weil langen Stau auf der Autobahn erlebt. Nach stundenlangem Stehen von drei Spuren auf die Standspur gelotst und dann über verschlafene fränkische Dörfer, in denen es sogar noch funktionierende Textilindustrie gibt, endlich wieder auf ein freies Stück Autobahn. Und alles nur für "the same procedure like every year", wie ein Kollege heute sagte. Immerhin waren heute nachmittag schon zwei Kunden da! Und das am Donnerstag! Im Hotel habe ich ein ganz schwaches WLAN. Das Wichtigste: Sonnabend nachmittag geht's glücklicherweise wieder nach Hause, denn wie sagt man in Mekelborg, der Heimat meiner lieben M.: Tu Huse is tu Huse und wenn's im Tuchthuse ist...
Das Foto zeigt kein Zuchthaus, sondern die Nürnberger Burg (hartmut910, www.pixelio.de)
Mittwoch, 17. Juni 2009
Fernsehprogramm
Sehenswert für alle, die ohne ideologische Augenklappen die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen wollen von dem, was am 17. Juni eingeleitet wurde und was die Schreihälse vom Sommer 1990 mit ihrem " Wir sind ein Volk" vollendeten...
Dienstag, 16. Juni 2009
Opel und Kapitalismus gerettet ?
Und was haben unsere Regierungen bisher unternommen, außer dass sie versuchen, die Märkte zu beruhigen und so weiter wie bisher zu machen...
Zitat: "Der Spiegel" 20/2009
Montag, 15. Juni 2009
Deutsche besserer Klasse, Teil 3
Die Frage ist auch, warum unbedingt etwas zusammenwachsen soll. Auch in Österreich will ja kein normaler Mensch jemals wieder mit dem großen, ungeliebten Bruder im Norden "zusammenwachsen". Ich möchte zum Beispiel auch kein siamesischer Zwilling von irgendwem da drüben sein...
18. Bernauer Hussitenfestspiele

Alles war so wie immer: Die ganz wichtigen Ratsherren der Stadt hatten sich bunt verkleidet und schritten dem Festzug voran, die Bernauer Briganten verprügelten sich wieder gegenseitig und verbeulten das Konservendosenblech ihrer mittelalterlichen Rüstungen mit Schwertern und Knüppeln, es gab genug zu Essen und zu Trinken und die Bernauer Rettungsstelle hatte aufgrund der Patienten mit Suffkoma dreißig Prozent mehr Zulauf. Alles wie immer. Der Einzelhandel vermeldet ein kleines Plus, viele Besucher bleiben aus, aber das Wetter hielt sich. Na ja, wer's mag...
Aber das wichtigste Ereignis, sogar viel wichtiger und bedeutender als der SPD-Parteitag in Berlin, fand fast völlig unbeobachtet statt: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Britta S. aus Panketal (in Panketal sitzen übrigens viel schlimmere Feinde Bernaus als es die Hussiten jemals waren- aber das nur nebenbei) trat, Ballschuh-beschuht und gewandet in ihre schönste Festrobe, in einen großen Haufen Pferdeäpfel. Das Abkratzen der Schuhe wurde dann dem Vernehmen nach von böswillligen Beobachtern als Fähigkeit der SPD gedeutet, sich selbst aus der Scheiße zu ziehen. Wer's glaubt ...
Quelle: "Märkische Oderzeitung" vom 15.06.2009
Foto: Gründerzeithaus am Bernauer Marktplatz, Ecke Kirchgasse ( © fv 2009)
Sonntag, 14. Juni 2009
Eine Hoffnung weniger
Vieles, was in L. geschah oder an Unsinn als offizielle Landwirtschaftspolitik der SED durchgesetzt wurde, war für Bärbel dem mangelhaften Verstand der Männer, ob an der Parteischule oder im Politbüro, geschuldet. Sie sagte immer: " Man muss nur ein paar Frauen an die Spitze der Regierung stellen, die sind meist nebenbei Hausfrauen und kennen sich daher mit der Wirtschaft am besten aus. Überhaupt sind Frauen viel menschlicher, müssen durch die Kinder und die Familie mehr Interessen ausgleichen und sind insgesamt viel klüger."
Leider haben sich nach der sogenannten Wende und dem Anschluß vor 20 Jahren auch diese Hoffnungen nicht erfüllt. Was würde Bärbel wohl heute über solche Frauen wie Ulla Schmidt, Zensursula von der Leyen, Claudia Roth oder Bundesmerkel sagen ? Schade, Bärbel ist mir völlig aus den Augen geraten, ich würde sie gern um ihre Meinung fragen. Und sicher wären wir uns nicht nur über die Männer unserer diversen Führungsriegen völlig einig...
Samstag, 13. Juni 2009
Kein Sklave ist soviel wert !

Der teuerste Transfer aller Zeiten steht unmittelbar vor dem Abschluss. Manchester United hat nach eigenen Angaben vom Donnerstag ein Angebot von 80 Millionen Pfund (93,2 Millionen Euro) von Real Madrid für Cristiano Ronaldo erhalten. Ronaldo wäre damit der mit Abstand teuerste Fußballer aller Zeiten. Bisher hielt Zinedine Zidane, der die "Königlichen" vor acht Jahren 75 Millionen Euro kostete, den Rekord. Ronaldo solle einen Fünfjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von neun Millionen Euro unterzeichnen.
Für die meisten Menschen und Fußballfans sicherlich ganz normal, denn Ronaldo ist ein sogenannter Profi und die Profi-Fußballklubs müssen Profit machen. Aber ist es wirklich so normal? Ich nenne diese Vorgänge das, was sie sind: Sklavenhandel und eindeutig ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Immerhin bekommt der Sklave Ronaldo nach seinem Verkauf etwas mehr als sein Essen zum Lohn. Schon ein Fortschritt gegenüber dem alten Rom.
Laut Wikipedia ist Sklaverei übrigens der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden, um Zugriff auf ihre Arbeitskraft zu erlangen. Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert. In vielen Sklaven haltenden Gesellschaften bildeten Sklavenarbeit und Sklavenhandel einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Soweit, so schlecht. Aber warum spricht man bei Wikipedia in der Vergangenheit ?
Foto: Sklavendenkmal in Sansibar (Dieter Schütz, www.pixelio.de)
Freitag, 12. Juni 2009
Bloß mal so nebenbei bemerkt
Was mich zu der Frage bringt: Woher kommt diese Wurstigkeit bei den meisten Leuten? Man wird als Kunde meistens nicht wahrgenommen und muss sich um alles selber kümmern. Das Disaster bei Karstadt/Quelle oder Arcandor (unmöglicher Name, schon deshalb musste der Laden kaputt gehen) habe ich vor vier Jahren nach einem Einkaufsbummel durch die Herrenkonfektion des KaDeWe voraus gesagt. Ihr könnt M. fragen, ich lüge nicht. Früher war ich gern im KaDeWe einkaufen. Diesesmal nun null Kundendienst, null Warenangebot, ein einziges Jackett in meiner Größe in fürchterlichen Bonbonfarben und der Verkäufer beleidigt, dass man ihn überhaupt bemühte. Ich habe ihn dann gefragt, ob er wirklich glaubt, dass ich diesen Mist anziehe und bin zu C&A gegangen. Dort hatte die Familie Brenninckmeyer gerade wieder den Laden übernommen, es gab sogar Maßkonfektion. Im KaDeWe war ich jedenfalls damals zum letzten Mal. Und nun wundert sich alle Weit, warum Karstadt insolvent ist? Wirklich ein großes Wunder aus völlig heiterem Himmel !
Nun gut, wir werden nichts ändern, höchstens durch Konsumverweigerung. Und dann sind wir natürlich daran schuld, wenn noch mehr Arbeitsplätze den Bach runter gehen...
Mittwoch, 10. Juni 2009
Strafe muss sein!
Wie sieht es nun in der demokratischsten aller Demokratie aus ? Da kann so etwas nicht vorkommen, denn hier reagieren die großen Volksparteien sofort auf Volkes Willen? So auch nach der Europawahl? Irrtum. Was die SPD da gerade an Krisenbewältigung abliefert, ist mehr als peinlich und suggeriert galoppierende Gehirnweiche. Zuerst trägt man im Bundeskabinett schön brav alle Entscheidungen mit, dann haut man dem Wirtschaftsminister wegen Karstadt in die Kniekehle. Noch besser aber ist die geforderte Wahlpflicht und die Strafe bei Nichtwahl in Höhe von 50 Euro, weil die SPD-Wähler angeblich nicht zur Europawahl gegangen sind, diese Verräter am Politbüro. Auf die Idee, dass SPD-Wähler eine andere Partei gewählt haben könnten, kommt natürlich keiner bei der SPD. Deshalb wird man uns sicher noch in dieser Woche mit einer weiteren knalligen Idee beglücken: Alle Nicht-SPD-Wähler zahlen 100 Euro!
Dienstag, 9. Juni 2009
Frank minus Walter und andere Tiefflieger
Warum soll da ein typisch- deutscher, aber gemäßigter Reaktionär noch Seeheimer Kreis (SPD) wählen? Der geht gleich zur CDU. Und die von der Politik für die Reichen Betroffenen suchen sich eben eine Partei, die nicht nur an sich selbst denkt. Die natürlich in diesem Land kaum zu finden ist. Womit wir dann wieder beim Thema Wahlbeteiligung wären...
Montag, 8. Juni 2009
Katzenjammer und Gewinner
- Die Arbeiterverräter sind total im Arsch und das ist auch gut so.
- Die Schwachköpfe wählen weiter CDU, z.B. in Sachsen und Thüringen oder in Meck-Pomm.
Aber was heißt überhaupt gewonnen? CDU-Pofalla - das ist Barbie Merkels Ken - verkündete stolz: "Dass wir zugelegt haben zeigt, dass die Menschen auch in der Krise zu Angela Merkel und der Union Vertrauen haben." Dass Politiker sich nur mit den Zahlen richtig auskennen, mit denen die Höhen ihrer Diäten angegeben werden, dürfte nach diesem famosen Ausspruch wieder einmal bewiesen sein. Vor fünf Jahren hatte die CDU nämlich einen Anteil von 36,5 Prozent und die CSU von 8,0 Prozent, also zusammen 44,5 % erreicht. Gestern kamen beide Parteien zusammen gerade mal auf 38,3 Prozent. Zugelegt ? Aber na klar ....
Eine andere Sache beschäftigt mich allerdings schon längere Zeit: Kein Schwein spricht im Moment vom EU-Vertrag von Lissabon! Weiß inzwischen schon jeder, was drin steht ? Zum Beispiel hier in Artikel 42 (3) II EUV:
Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern. Die Agentur für die Bereiche Entwicklung der Verteidigungsfähigkeiten, Forschung, Beschaffung und Rüstung (im Folgenden “Europäische Verteidigungsagentur”) ermittelt den operativen Bedarf und fördert Maßnahmen zur Bedarfsdeckung, trägt zur Ermittlung von Maßnahmen zur Stärkung der industriellen und technologischen Basis des Verteidigungssektors bei und führt diese Maßnahmen gegebenenfalls durch, beteiligt sich an der Festlegung einer europäischen Politik im Bereich der Fähigkeiten und der Rüstung und unterstützt den Rat bei der Beurteilung der Verbesserung der militärischen Fähigkeiten.
Noch Fragen ? Ich auch nicht...
Sonntag, 7. Juni 2009
Computer, Dienstleistungen und was so alles vom LKW fällt

Also, wenn ich nicht schon 20 Jahre lang in diesem Lande leben würde, wäre ich in der vergangenen Woche wieder einmal vor Wut im Dreieck gesprungen. Es ist scheinbar so, dass sich das gesamte menschliche Wissen regelmäßig innerhalb eines Vierteljahres spurlos verflüchtigt - es ist im Weihrauch der Kirchen verschwunden oder mit den Brückentagen zwischen den für das BIP so absolut tödlichen Feiertagen wie Ostern und Pfingsten verraucht.
Was war passiert ? Ich hatte in der Woche vor Pfingsten eine Profi-Kreissäge im Internet bestellt. Die Spedition rief mich an, das Ding sollte noch vor Pfingsten geliefert werden. Ich blieb also zu Hause, denn wie immer waren die Lieferzeiten zwischen 7 und 19:00 Uhr angesagt. Wer nicht kam, war die Spedition - auch wie immer. Ich möchte auf das ganze Hickhack zwischen Lieferfirma, Spedition und ausführender Spedition nicht weiter eingehen, es hat mich wieder Tage, an denen ich nur am Telefon hing, gekostet. Nur soviel sei gesagt, dass die Säge irgendwo auf dem Wege zu mir verschwunden ist. Wahrscheinlich vom LKW gefallen, kennt ja auch schon jeder. Jetzt soll sie in der nächsten Woche geliefert werden. Skepsis ist angesagt. Wie gesagt, eigentlich ein Aufreger, aber ich habe mich schon daran gewöhnt. Ich lebe ja in Deutschland.
Den Vogel schoß allerdings UPS am vergangenen Freitag nachmittag um 14:00 Uhr ab. Da war nichts mit "Freitag ab Eins". Obwohl ich seit über fünf Jahren Medizintechnik aus den USA importiere und die immer mit UPS kommt, hatten die Jungs vom UPS Import Brokerage nun schon festgestellt, dass sie mich gegenüber dem Zoll gar nicht vertreten dürften. Eine Vertretungsvollmacht musste her. Das sind immer die Momente, wo ich am Fortbestand der Menschheit zweifle. Wahrscheinlich hat wieder irgendein Volltrottel meine Zollnummer im Computer gelöscht und der ganze Transport von UPS kam ins Schleudern.
Tröstlich war dagegen gestern ein Ausspruch von Peter Ludolf, des Lagerchefs der vier Schrotthändler-Brüder aus Dernbach im Westerwald, der da voller Optimismus meinte:
" Der Mensch ist viel schlauer als der Computer. Der Mensch tut doch den Computer erfinden, also hat er ihn in seinem Kopf drin."
So kann allerdings nur jemand reden, der den Lagerort, den Preis und den Zustand seiner geschätzten 4 Millionen Autoersatzteile auswendig im Kopf hat und völlig ohne Computer auskommt. Für die meisten Menschen ist aber selbst ein bißchen Nachdenken schon zu viel. Die vertrauen eher darauf, dass so ein höheres Wesen wie der Computer die geklaute Kreissäge schon wiederfinden wird...
Zitat Peter Ludolf nach "Stern" 16/2009
Grafik: Zahn um Zahn (Klicker, www.pixelio.de)
Samstag, 6. Juni 2009
Moral, Unfähigkeit und Geldgier
schrieb Karl Marx in seinem Werk " Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik..." schon im Jahre 1844.
Heute erschien mein Post von gestern, aus dem ich einen Leserbrief gemacht hatte, in der "Märkischen Oderzeitung". Gleichzeitig begründete ein abgedankter regionaler Grünen-Häuptling, warum es diese Fraktionsgelder schon viel früher hätte geben müssen: Weil z.B. die Grünen ihr nächstes Büro erst in Eberswalde haben. Aber das sind doch interne Organisationsprobleme der Grünen ! Was gehen die den Bürger und den Stadthaushalt an ? Ähnlich wird es sich mit den anderen Parteien verhalten. Sie können ihre Arbeit nicht organisieren und wälzen die höheren Kosten für diese Unfähigkeit letztendlich auf den Bürger ab. Ich denke oft daran, was mir meine Arbeitgeber früher erzählt hätten, wenn ich mit meinem Spesenbudget nicht ausgekommen wäre. Aber die harten Bandagen der Privatwirtschaft können natürlich in der Politik nicht gelten! Moral ? In Zeiten der Krise schon gar nicht. Moral gilt immer nur für die Anderen und nicht für Parteipolitiker, könnte man Karl M. ergänzen...
Freitag, 5. Juni 2009
Spaßige Sprichwörter

Ein in meinen Augen besonders lustiges, weil hintersinniges Sprichwort lautet: "Alle denken nur an sich. Nur ich - ich denke an mich!". Genau an diesen Spruch musste ich heute morgen beim Studium der Lokalpresse denken. Ein Großteil unserer Politiker scheint täglich aus lauter Angst vor dem Verarmen und Verhungern fast zu sterben. Ein Ausdruck dafür sind die regelmäßigen Diätenerhöhungen im Bundestag und in den Landtagen sowie im völlig kompetenzlosen und eigentlich unnützen Europaparlament. Leider erhöhen sich aber nicht nur die Abgeordneten dieser Gremien in steter Regelmäßigkeit die Diäten. Auch die etwas weiter unten in der Demokratie angeordneten Größen streben nach mehr Kohle, wie ich heute morgen lesen musste:
Mit der Begründung, dass die Stadt Bernau nicht in der Lage ist, den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung Räume und Technik für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen, haben sich jetzt vier dieser Fraktionen(CDU, SPD, Linke und Freie Fraktion) Fraktionsgelder aus dem Haushalt bewilligt. Nebenbei und nicht ohne Genugtuung vermerkt: Die Unabhängigen stimmten als einzige Fraktion dagegen.
Bei fünf Fraktionen mit zusammen 35 Mitgliedern in der Stadtverordnetenversammlung summieren sich die Zuwendungen aus dem Bernauer Etat auf insgesamt 33 820 Euro pro Jahr.
Geld, dass man sich nun wieder woanders holen muss - durch erhöhte Gebühren und Abgaben vom Bürger. Die Diskussion um die Bernauer Straßenbaugebühren von max. 90 Prozent ist ja noch lange nicht vom Tisch.
Selbst wenn ein Erlaß des Brandenburger Innenministeriums bereits seit 1994 eine Ausreichung von Fraktionsgeldern gestattet hätte, zeugt eine solche Verfahrensweise gerade jetzt in dieser wirtschaftlichen Situation von völliger Abgehobenheit und Instinktlosigkeit. Geht die größte Wirtschaftskrise seit 80 Jahren am Bernauer Haushalt vorbei ? Würden die Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung ohne Fraktionsgelder wirklich verhungern ? Und wie finanzieren oder unterstützen eigentlich die Parteien die Arbeit der von ihnen aufgestellten Volksvertreter? Was soll dieser Griff in die Kasse ausgerechnet vor der Europawahl, will man so etwa mehr politikverdrossene Bürger zur Wahl bringen ?
Für mich bestätigt sich mit diesem unglaublichen Vorgang auch noch ein anderes deutsches Sprichwort, das man immer dann anwendet, wenn sich jemand ungerechtfertigt und unkontrolliert die Taschen füllen kann: "An der Quelle saß der Knabe..."
Foto: N. Schmitz (www.pixelio.de)
Donnerstag, 4. Juni 2009
Witzige Werbespots
- So richtige Konzepte zur Bewältigung der ganzen wunderbar dargestellten Sauereien kommen wohl auch nicht rüber, oder ?
- Wie schnell werden die Grünen in der Regierung mit SPD,CDU, FDP oder wem auch immer wieder umfallen und ihre grüne Wählerschaft über den regelmäßigen Diätenzahlungen für grüne Abgeordnete oder grüne Minister vergessen ?
- Den Dammbruch der ersten Bundeswehreinsätze in aller Welt haben wir auch den Grünen zu verdanken.
Katzen würden ... Reinhold heißen
Neulich war unser Provinz-Sarkozy schon wieder schnell in Eberswalde. Bei den Servalen im Eberswalder Zoo hatte sich erstmals Nachwuchs eingestellt. Die noch unerfahrene Katzenmama verstieß ihre Jungen nach der Geburt und die beiden Katzenbabys, gerade zwei Wochen alt, werden von Tierpfleger Uwe Fanke per Hand aufgezogen. Der kleine Serval-Kater brauchte wohl dringend einen Namen oder der Zoodirektor musste sich dringend anbiedern. Jedenfalls bekam das Tierchen anlässlich des Besuches von Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) feierlich den Namen Reinhold verpasst. Die kleine Katze - es handelt es sich ja um ein Pärchen - ist offensichtlich noch namenlos, wie wäre es denn mit Carla oder Marie-Antoinette ?
Insgesamt lässt uns aber dieser Vorgang auch weiter hoffen: Vielleicht reicht es ja doch bald mal als Namenspatron für so etwas Großes wie das Walter-Ulbricht-Stadion oder etwas derartiges. Irgendwo in der Brandenburger Provinz und wenn mal wieder Wahlen bevorstehen....
Mittwoch, 3. Juni 2009
Ab in die Produktion

Oftmals habe ich schon sehr bedauert, das sich bestimmte Sitten und Gebräuche einfach nicht so richtig bei uns durchsetzen wollen. Ich denke da zum Beispiel an den guten alten indischen Brauch der Witwenverbrennung. Vor allem, wenn sich z.B. die völlig talentfreie Frau eines vor fast 30 Jahren erschossenen genialen Musikers wieder einmal mit so etwas Ähnlichem wie "Kunst" zu Wort meldet, fällt mir eindringlich das Fehlen einer entsprechenden Regelung zur Entsorgung unnützer und vor allem nervender Witwen in diesem unserem Lande auf. Aber natürlich geht das hier auch nicht, unsere Regierung würde sowieso nur die hübschen Witwen verschwinden lassen und sicher lässt sich die leidige Angelegenheit auch weniger umweltschädlich durch einfaches Ignorieren der Frau O. lösen. Allerdings gibt es da auch noch ein paar durchgeknallte Kapitalisten-Witwen, die mit "ihrem" sauer verdienten Geld gern andere Firmen kaufen, sich dabei total verzocken und dann mit viel Geschrei um Staatsknete betteln. Sollten wir nicht doch mal eine Delegation des Bundestages nach Indien schicken ?
Allerdings gab es auch in der DDR eine sehr praktische Regelung, die leider seit dem Anschluss völlig in Vergessenheit geraten ist: Die Bewährung in der Produktion. Stellen wir uns mal für einige Sekunden Herrn von, zu, wegen, ohne, zwischen und mit Guttenberg am Opel-Fließband vor, zur Bewährung dorthin geschickt vom Koalitionspartner SPD. Nur weil er Opel in Inkompetenz oder wie das heißt gehen lassen wollte. Oder das Merkel-Mäuschen auf hohen Absätzen an der Kasse bei Karstadt um die Ecke, weil sie den Bossen dort nicht die paar Milliärdchen spendieren will. Und F. J. Jung, der größte Führer unsere Bundeswehr seit F. J. Strauß, müsste dann in den nächsten Jahren die Kyritz-Ruppiner Heide aufräumen und nach Blindgängern durchsuchen. Wobei dafür bei dem wahrscheinlich der morgendliche Blick in den Spiegel reicht...
Aber gehen wir nicht so weit nach oben, sondern schlussfolgern wir vom Allgemeinen auf das Besondere, bleiben wir auf Lokalfürsten-Ebene und schauen auf die Stadtverordnetenversammlung von Bernau: Dort strubelte man sich wieder einmal um die Straßenausbaugebühren. Die Stadt gibt bei Erschließungsstraßen lediglich 10% der Kosten dazu, den Rest von wirklich popligen 90 Prozent zahlen die Anlieger. Bei Straßenausbau gibt's von der Stadt sage und schreibe ganze 25 Prozent. Es soll böswillige Menschen geben, die in diesem Zusammenhang von einer erneuten Enteignungswelle in Ostdeutschland reden. Wahrscheinlich nennen 20 Jahre nach der feindlichen Übernahme noch zu viele Ossis ein Grundstück ihr Eigen.
Die Unabhängige Fraktion hatte nun einen Antrag an die Stadtverordneten eingereicht, der die Stadt Bernau verpflichtet hätte, "Anliegerstraßen nur noch auszubauen, wenn sich im Rahmen einer förmlichen Anliegerbefragung die Mehrheit der Anlieger dafür ausspricht." Eine ähnliche Vorlage gab es schon in Biesenthal. Dort war dieser Vorstoß von Bürgermeister Andre' Stahl (Linke) initiiert worden. Was in anderen Brandenburger Kommunen geht, geht natürlich noch lange nicht in Bernau: Die Vorlage wurde abgelehnt. Die Abgeordnete der Linken, Frau Dagmar E., verstieg sich bei ihrer Begründung der Ablehnung zu dem eher kryptischen Satz:
" Die letzte Entscheidung ...haben wir zu treffen. Das ist auch logisch, denn wir geben das Geld".
Irgend jemand hat hier offensichtlich die Dimensionen des Gesamtproblems nicht gerafft und besitzt außerdem nicht die geringste Ahnung von Prozentrechnung. Abgesehen davon, dass die 10 bzw. 25 Prozent des städtischen Anteils auch nicht aus dem Portemonnaie der Frau E. stammen, sondern von der Mehrheit der Steuerzahler. Da hilft nur "Ab in die Produktion". Und zwar schnell...
Foto: Rainer Sturm (www.pixelio.de)
Dienstag, 2. Juni 2009
60 Jahre Grundgesetz
Heute mit einer Meldung zu Artikel 1, Absatz 1:
"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Was ist dieses Papier nun ? Gesellschaftsziel oder unverbindliche Richtschnur für den Staat oder den Einzelnen, jederzeit ausblendbar und ständig durch jeden dahergelaufenen Parteien-Hanswurst einfach so nach gusto zu korrigieren? Gesetzeskraft scheint dieses Grundgesetz jedenfalls nicht zu haben in diesem Land, wie folgende Meldung zeigt:
Im Vorfeld der dritten Sitzung des "Runden Tischs Heimerziehung", der am 15. und 16. Juni in Berlin stattfinden wird, hat der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) seine politischen Forderungen konkretisiert. Auf der Mitgliederversammlung des Vereins am Pfingstwochenende in Mainz wurde mit großer Mehrheit ein Antrag verabschiedet, der u.a. die Einrichtung eines Entschädigungsfonds in Höhe von 25 Milliarden Euro vorsieht. Zusätzlich fordern die ehemaligen Heimkinder einen rentenversicherungsrechtlichen Ausgleich für die Zwangsarbeiten, die sie leisten mussten, sowie sofortige Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Behandlung der Traumata, unter denen viele ehemalige Heimkinder leiden.
Experten sprechen in Bezug auf die zumeist in katholischen und evangelischen Institutionen erfolgte Heimerziehung der 50er und 60er Jahre von systematischen Menschenrechtsverletzungen. In Irland und Kanada haben Klagen von Heimkindern bereits zu Entschädigungen in Milliardenhöhe geführt.
Zur Begründung der Entschädigungsforderung in Deutschland führte der Rechtsanwalt des VEH, Gerrit Wilmans, aus: "Auch wenn die Forderung auf den ersten Blick hoch erscheint, ist sie angesichts der großen Zahl der Betroffenen und der Schwere des erlittenen Unrechts, das ganze Biografien zerstört hat, maßvoll. Auch im internationalen Vergleich liegt die Forderung bezogen auf den Einzelfall absolut im Schnitt." Monika Tschapek-Güntner, die frisch gewählte erste Vorsitzende des Vereins, sagte: "Es darf keinen Unterschied machen, ob die grausamen Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen in Irland, Kanada oder Deutschland stattgefunden haben. Jede dieser Taten ist eines zivilisierten Staates unwürdig und ist gleichermaßen zu entschädigen, unabhängig davon, wo sie geschehen sind."
Der Vorstand des VEH erklärte, dass die Entschädigungssumme nicht vorwiegend vom Steuerzahler getragen werden solle. Zwar habe der Staat seine Aufsichtspflicht grob verletzt, in erster Linie verantwortlich seien jedoch die zumeist kirchlichen Heimträger sowie die beteiligten Industrie-, Gewerbe und Landwirtschaftsbetriebe, die von der Zwangsarbeit der Heimkinder profitierten. Der Vorsitzende der Giordano Bruno Stiftung, Herbert Steffen, der die Mitgliederversammlung der ehemaligen Heimkinder leitete, formulierte es so: "Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände haben in den letzten Jahrzehnten viele Milliarden vom Steuerzahler erhalten. Sie sind nachweislich im Besitz eines kolossalen Vermögens. Es wäre ein Skandal, würden sie sich jetzt ihrer Verantwortung entziehen!Gerade sie sind gefordert, alles zu tun, um das Unrecht zu kompensieren, das den Heimkindern widerfahren ist." Gerade sie sind gefordert, alles zu tun, um das Unrecht zu kompensieren, das den Heimkindern widerfahren ist."
Quelle: Humanistischer Pressedienst
Nur acht Länder

Einer der heutigen Berufsaufarbeiter der DDR-Geschichte liess neulich verlautbaren, dass die Mehrzahl der DDR-Bürger nur in acht Länder der Welt reisen durfte. Nun fühlte ich mich durchaus auch manchmal eingesperrt, vor allem wenn z.B. in Hannover die "biotechnica" anfing und ich dort aus beruflichem Interesse so gern ein paar Messestände angesehen hätte. Die schlimmste Auswirkung dieses Eingesperrtseins zeigte sich allerdings erst nach der Wende. Da wussten wir kaum etwas über das wirkliche Leben in der BRD und so konnten Kohl und Konsorten die ahnungslosen Ossis wunderbar über den Löffel balbieren.
Trotzdem ist mir die Angelegenheit mit den acht Ländern nicht so einfach aus dem Kopf gegangen. Mir fallen auf Anhieb zwei Fragen ein, die wohl unter anderen auch zu einer objektiven Geschichtsbetrachtung gehören würden:
- Wieviel Prozent der ehemaligen DDR-Bürger sind wirklich in allen acht erreichbaren Reiseländern gewesen?
- Wieviel Prozent der Ostdeutschen sind denn nach der Wende in mehr als acht Reiseländern gewesen ?
Foto: Antrag stellen (Dr. Klaus-Uwe Gerhardt, www.pixelio.de)
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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...