
In der April-Ausgabe von "National Geographic" Deutschland beweihräuchert der Chefredakteur Klaus Liedtke lang und breit das Wiedererstarken der russisch-orthodoxen Kirche in der ehemaligen Sowjetunion. Eigentlich ist es ja nur lächerlich, wenn z. B. KGB-Offizier Putin dem Patriarchen von Moskau die Hände küßt, aber wie immer in Zeiten von Unsicherheit, Krise und Furcht suchen viele Menschen Trost im Okkulten und Übersinnlichen. Und was war der Kommunismus Stalinscher Prägung anderes als eine Ersatzreligion ? Insofern ist die Reconquista durch die Popen, verbunden mit einer nie gekannten Pomp- und Machtentfaltung, nichts Besonderes. Gerade wegen ihres Pomps und ihrer Rückwärtsgewandheit birgt sie allerdings auch schon wieder ihren eigenen Niedergang in sich. Aber der kurze Artikel von Liedtke als Editorial fängt mit einigen sicher unfreiwillig erhellenden Sätzen an, die man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen sollte:
"Das größte Experiment der Geschichte: Das war der Versuch, aus Menschen Kommunisten zu machen - Individuen, frei von ökonomischen, politischen, religiösen Zwängen, ohne Herrschaft, ohne Klassen, ohne gemeingefährliche Selbstsucht..."
Was wäre an diesen individuellen Eigenschaften der Menschen falsch, außer dass sie dem Profitstreben des Kapitals und seiner Manager, dem Konsumzwang und damit der Umweltzerstörung, dem Neid auf den Besitz des Mitmenschen, der Parteienherrschaft in unserer Demokratur, dem Sündengefasel und dem Machtanspruch der Kirchen auf unsere Seelen und Portemonnaies, dem Egoismus und all den Abgründen des Denkens und Tuns, zu denen Menschen im täglichen Kampf gegen den Menschen fähig sind, diametral entgegengesetzt sind ?
Entschuldigung, ich stelle ja nur Fragen...
Foto: Marx-Engels-Forum Berlin ( © dumman, www.pixelio.de)
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