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Sonntag, 3. Mai 2009

1. Mai 2009 in Schönow


Ich bin noch etwas atemlos! Donnerstag nachmittag hatten wir mit der Vorbereitung unserer jährlichen Radtour am 1. Mai und der anschließenden Bewirtung begonnen. Stühle rausräumen, Tische und Stühle sauber machen, drei Blechkuchen backen, Grillfleisch einlegen, Grill bereitstellen, Fahrräder fertig machen, Grillsaucen mixen. Quasi nebenbei noch drei Bestellungen erledigen, Lieferscheine und Rechnungen schreiben und die Ware zur Post tragen. An einem solchen Tag wird ja in der Regel nicht mehr operiert, weil die Patienten an einem langen Wochenende nicht mehr angesehen werden können. Also hat man im OP etwas Zeit zum Aufräumen und Planen. So werden auch noch schnell Bestellungen los geschickt. Gut für mich.

Am 1. Mai dann früh Kaffee kochen, Salate machen, Picknickkorb packen. Die Gäste trudeln langsam ein. Gegen 11:00 Uhr geht es dann tatsächlich los. Nur nicht hetzen ! Am ersten Rastplatz verteilt Ralf Schokobecher mit Eierlikör- in jedem Jahr gibt es solche und ähnliche Überraschungen. Pause am Seeufer, das Picknick wird ausgepackt (siehe oben) . Die neuesten Neuigkeiten werden ausgetauscht. Irgendwie sieht man sich ja auch im Jahr öfter mal, aber heute hat man etwas mehr Zeit zum Quatschen, auch und vor allem mit den jungen Leuten. M. und S. werden im nächsten Jahr heiraten. Wir freuen uns mit dem jungen Paar. Die Stimmung und das Wetter sind super. Bei der nächsten Pause im "Jägerheim" in Ützdorf gibt es Berliner Weiße mit Schuss. Nach und nach trudelt man sich auf dem leichten Teil der Strecke aus, es geht sehr schnell bergab und dann sind nur noch der hervorragend ausgebaute und gerade reparierte Radweg nach Bernau und ein kleines Stück Waldweg nach Schönow zu bewältigen.Die Tische werden schnell gedeckt. Alle packen mit an. Kaffeeklatsch mit Streuselkuchen und Muffins. Steffi und Christian sind inzwischen auch da mit ihrer kleinen, ein halbes Jahr alten Tochter. Baby bestaunen ist jetzt angesagt, so klein waren unsere Kinder auch einmal ? Willy hat inzwischen alle Gäste ausgiebig begrüßt und ist zufrieden.

Irgendwann nach dem Grillsteak verabschieden sich die Gäste und wir fragen uns, wo dieser Tag wohl geblieben ist. Warum ist der 1.Mai immer so kurz ? Wir sitzen noch 'ne halbe Stunde auf einen Brandy mit unseren Mecklenburger Freunden zusammen und lassen den Tag Revue passieren. Spät geht es ins Bett. Nächstes Jahr wieder, es gibt ja noch viele schöne Radtouren am 1. Mai...

Foto: Picknick ( © fv 2009)

Dienstag, 28. April 2009

Nachtrag zu "Pro Reli"

Ich poste heute mal auf eine Blog-Seite aus den USA, denn da habe ich einen Cartoon gefunden, der so ziemlich das ausdrückt, was da im Vorfeld zur "Pro Reli" -Volksabstimmung wochenlang in Berlin abgelaufen ist. Und als der Senat dann den Riesen-Werbetafeln von Jauch und Co. etwas entgegensetzen wollte, zog man vor Gericht und jammerte: "Hey ! Let's have a little respect here!"
Heuchelei fällt leider nicht unter die 10 Gebote. Nebenbei bemerkt: Wohl nur Atheisten glauben wirklich, dass man sich immer an die 10 Gebote halten muss...

Montag, 27. April 2009

Ich liebe diese Stadt !


"Die Menschen haben sich bisher stets falsche Vorstellungen über sich selbst gemacht, von dem, was sie sind oder sein sollen. Nach ihren Vorstellungen von Gott, von dem Normalmenschen usw. haben sie ihre Verhältnisse eingerichtet. Die Ausgeburten ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachesen. Vor ihren Geschöpfen haben sie , die Schöpfer, sich gebeugt. Befreien wir uns von den Hirngespinsten, den Ideen, den Dogmen, den eingebildeten Wesen, unter deren Joch sie verkümmern. Rebellieren wir gegen diese Herrschaft der Gedanken." (Karl Marx: Die deutsche Ideologie)

Unsere christlichen Mullahs haben verloren: In Berlin wird Religion weiterhin kein reguläres Schulfach sein - der vor drei Jahren eingeführte Ethikunterricht bleibt Pflicht. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis sprachen sich nur 14,2 Prozent der Wahlberechtigten oder 346 119 Bürger für den Gesetzentwurf der Initiative «Pro Reli» aus. Nötig wären eine Mehrheit unter den Abstimmenden gewesen und gleichzeitig mindestens 611 422 Ja-Stimmen - das sind 25 Prozent der Wahlberechtigten. Von den Berlinern, die an der Abstimmung teilnahmen, stimmten 51,3 Prozent oder 365 609 Wähler gegen die Initiative und nur 48,4 Prozent dafür. Die Beteiligung lag bei 29,2 Prozent.

Natürlich kann man nicht ehrenvoll verlieren.Und so spucken die Fundamentalisten Gift und Galle oder reden sich die Niederlage schön. Von der "Hauptstadt des Atheismus " ist da abschätzig die Rede, von der DDR und der humanistischen Erziehung durch dieselbe, wobei man humanistisch wie früher DDR in Gänsefüßchen setzt. Damit äußert sich die ganze Herablassung, zu der ein Gottgesandter gegenüber einem minderwertigen Gottlosen fähig ist. Gleichzeitig meint man, man hätte die Gesellschaft ordentlich für die Probleme der religiösen Erziehung sensibilisiert.Der «Pro Reli»-Vorsitzende Christoph Lehmann - ein besonders übler Demagoge- betonte: «Wir haben eine ganze Menge in dieser Stadt bewegt.» Für «Pro Reli» hatten sich auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Steinmeyer eingesetzt.

Eines hat man in jedem Fall erreicht: Die Gesellschaft gespalten, indem sich die "Pro Reli"-Anhänger als bessere Menschen stilisiert haben, da ein imaginärer Gott auf ihrer Seite ist. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, sprach dann auch von einem «Riss durch die Stadt».Das hat er immerhin richtig erkannt.In «Morgenpost Online» sagte er: «Man kann von einer Kluft sprechen. Es wären eine politische Aufgabe, diese nicht zu vertiefen.» Zuerst richtet man ´mit wahrhaft einmaliger Scharfmacherei die Schweinerei an und dann sollen andere wieder für Ordnung in den Köpfen sorgen. Etwas verwirrter noch sind aber die Bonzen der Katholen: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, appellierte an den Senat, nach einem Modell religiös-weltanschaulicher Bildung zu suchen, «das von einem breiten Konsens in der Gesellschaft getragen wird». Zollitsch hat wahrscheinlich noch nicht mitbekommen, dass dieser breite Konsens in der Gesellschaft schon längst da ist.Deshalb haben die Fundamentalisten nämlich verloren, denn Ethik und nicht Religion an der Schule wird von einer breiten Mehrheit der Berliner getragen...

Foto: Bundeskanzleramt in Berlin (© fv 2008)

Schwache Leistung - Krimis im ZDF


Seit einiger Zeit beobachte ich eine regelrechte Inflation des Krimis im öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Jedes noch so kleine "Sternchen", das mal in irgend einem Kurzfilm mitgespielt hat, bekommt einen Kommissars-Dienstgrad an die Backe geklebt und darf den Helden mimen. Peinlich - wobei es noch peinlicher ist, wenn sich auch einigermaßen gute Schauspieler in fünftklassigen Serien mit unterirdischen Drehbüchern verheizen lassen.Irgendwann werde ich mal die Fernseh-Mordzahlen zusammenrechnen und werde wahrscheinlich auf eine jährliche Opferzahl kommen, die die Zahl der Kriegsopfer im Irak bei weitem übersteigt. Na gut, in Zeiten, wo jeder auf den Cent achten muss, spielt Qualität vielleicht doch nicht so die vorrangige Rolle. Trotzdem steigen die GEZ-Gebühren weiter.

Leider werden auch bisher gute Beispiele für Krimiunterhaltung im Fernsehen zusehends schlechter. Zum Beispiel "Wilsberg" im ZDF: Die Serie hat ihren Ursprung in den Büchern von Jürgen Kehrer. 1990 erschien der erste Wilsberg-Roman "Und die Toten lässt man ruhen” in Buchform. Inzwischen gibt es 18 Romane mit dem münsterschen Privatdetektiv.1995 wurde erstmals ein Kehrer-Roman mit dem Titel "Und die Toten lässt man ruhen” für das ZDF verfilmt.(Titelrolle im ersten Film Joachim Krol) Seit 1998 spielt Leonard Lansink den Fernsehdetektiv, der es bislang auf 27 Folgen im Samstagabendprogramm gebracht hat. Der Original-Wilsberg, dessen wechselvolles Privatleben in den Büchern nicht zu kurz kommt, ist Antiquar und Privatdetektiv in Münster. Die mit Lokalkolorit und reichlich Gesellschaftskritik ausgestatteten Romane haben oft Vorbilder oder Motive aus der Realität übernommen. Bereits zweimal wurde Kehrer von Münsteranern verklagt, die sich als Vorbild von Buchfiguren missbraucht sahen. In beiden Fällen wurde Kehrer freigesprochen.

Die ZDF-Filme haben sich bald von den Buchvorlagen gelöst. Nur sechs TV-Filme basieren auf Kehrers Romanen. In einigen Fällen hat Kehrer die Drehbücher mit einem Team verfasst, in wieder anderen Fällen haben andere Autoren die Drehbücher geschrieben. Mehrere Figuren, die zum Stammpersonal der TV-Serie gehören (etwa Ekki Talkötter, Manni Höch, Alex, Kommissarin Springer), erscheinen nicht in den Romanen.

Am Sonnabend gab es wieder einmal einen Film im ZDF, der ein Buch von Kehrer zur Vorlage hat. "Wilsberg und der tote Professor" erschien unter dem Titel "Doktorspiele" auf dem Bildschirm. Drehbuch diesmal von Matthias Keilich und Khyana el Bitar, Regie Hans-Günther Bücking.Um es deutlich zu sagen: Das sehr gute Darsteller-Team(Leonard Lansink, Rita Russek,Ina Paule Klink, Oliver Koritke und Roland Jankowsky) ist auch mit einem miesen Plott nicht klein zu kriegen.Während im Original-Buch von Kehrer noch einige Spitzen gegen die Zustände im Hochschulwesen der Republik abgeschossen werden und sich der wissenschaftliche Konkurrent des Opfers als Spitzel des Verfassungsschutzes entpuppt, wird dieser Sachverhalt im Film im 20.Jahr der Maueröffnung natürlich umgedreht: Der Mörder ist ehemaliger RAF-Terrorist, das Opfer hat sich in der Birthler-Behörde dessen Stasi-Akte besorgt und ihn erpresst.Grausam vordergründig und blöd, DDR-Aufarbeitung wohin man sieht, das ZDF verlangt eben etwas von seinen Autoren für unser Geld. Die Ermittlungen und Geistesblitze Wilsbergs wirken gar sehr konstruiert. Kein Mensch kann z.B. nachvollziehen, warum der ermordete Professor das Versteck der belastenen Stasi-Akte in einer offen an der Wand hängenden Grafik verschlüsseln muss, wenn die Akte dann im Bücherregal seines Büros steht.Offensichtlich wollte das Autoren-Duo Belesenheit vortäuschen, indem es hier Anleihen bei Edgar Allan Poe und seinem "The purloined letter" aufnahm. Dass ein behinderter Uni-Dozent seine Behinderung aus Karrieregründen nur vortäuscht und damit durchkommt, gehört mit zu den Unmöglichkeiten des Drehbuchs. Das wahrscheinlich Unwahrscheinlichste ist allerdings die Szene, in der Kommissarin Springers (Rita Russek) Assistent Overbeck mit einer entsicherten und durchgeladenen Pistole im Stile eines Westernhelden herumjongliert und dabei mal kurz den Reifen des Polizeiautos zerschießt. So blöd ist kein Polizist, nicht mal Overbeck ( Roland Jankowsky, der mir nebenbei bemerkt in seiner Rolle immer besser gefällt).

Fazit: Nach der Gartenarbeit am Sonnabend besser ins Bett gehen und den Originalstoff lesen. "Wilsberg und der tote Professor" ist 2002 im grafit-Verlag erschienen und kann u.a. hier gekauft werden...

Foto: Hanspeter Graf (www.pixelio.de)

Sonntag, 26. April 2009

Sparen, Sparen, nochmals Sparen

Die sonntägliche Anzeigen-Zeitung bringt heute morgen die Überschrift des Jahres:"Bundesfinanzminister verdient zu wenig !" Natürlich plappern da unsere Wochenend-Jounalisten nur die eigene Einschätzung des Bundesfinanzweltmeisters aller Klassen nach. 9000 € netto reichen unserem süßen Peer nicht, ist ja auch ein bißchen wenig.(Wobei er tunlichst die steuerfreie Aufwandsentschädigung vergißt.Von der außerordentlichen Feinfühligkeit seines Verlangens in der größten Wirtschaftskrise seit 100 Jahren wollen wir mal gar nicht reden)

Es ist ja jammerschade, dass dieser Mensch nicht mit mir spricht! Ich würde ihm zwei oder auch drei Vorschläge machen:

1. Genauso schlecht mache ich den Job für die Hälfte des Salärs, Vater Staat spart 4.500 Teuros netto im Monat oder 54.000 im Jahr.
2. Besser mache ich es für 2/3 der Kohle. Einsparung: 3.000 € im Monat oder immer noch 36.000 € im Jahr (eventuelle 13. oder 14. Monatsgehälter nicht einbegriffen.)

Aber wenn ich es mir recht überlege, möchte ich nicht Minister werden. Ich müsste ja immer die Merkel vor jeder Sitzung des Kabinetts küssen . Allein der Gedanke ist mir wieder zu pervers. Soll doch den Knochenjob ein Hartz IV-Empfänger machen. Milliarden an die Banken und Konzerne verteilen und dann noch dumme Sprüche klopfen kann schließlich jeder. Bei dieser Lösung würden wir 8.655 € im Monat oder 103.860 € im Jahr sparen. Damit könnten wir noch 25,1 zusätzliche Hartz IV-Empfänger alimentieren. Wird wohl bald notwendig werden, da die Arbeitslosenzahlen gerade explodieren...

Heute mal mit Perversitäten


Beim Einstieg in eine Internetseite heute morgen öffnet sich ein dort installiertes Werbebanner: "Condor - Wir lieben Fliegen." Denke, denke, denke würde wohl Pittiplatsch sagen. Offensichtlich handelt es sich hier um Perversitäten der Werbebranche.
Also,ich gehe da mal wieder von meinen Vorlieben aus: Ich liebe Bienen, Hummeln und Grashüpfer. Fliegen sind mir doch etwas zu unangenehm. Wer weiß, wo die gerade eben gesessen haben...

Foto: Kenneth Brockmann (www.pixelio.de)

Freitag, 24. April 2009

Deutsche zweiter Klasse, Teil 4


Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer hat der SPD- Vorsitzende Franz Müntefering vorgeschlagen, eine gesamtdeutsche Verfassung zu schaffen.Das Verhältnis zwischen Ost und West “leidet darunter, dass wir 1989/90 nicht wirklich die Wiedervereinigung organisiert haben, sondern die DDR der Bundesrepublik zugeschlagen haben“, sagte er der “Bild am Sonntag“.Bei manchen Ostdeutschen gebe es weiterhin Skepsis - “nicht gegenüber den Inhalten des Grundgesetzes, aber sie sagen: “Eigentlich war doch vorgesehen, dass es nach der Einheit eine gemeinsam erarbeitete Verfassung gibt, deshalb hat die Bundesrepublik ja nur ein Grundgesetz. Aber Ihr habt uns Euer Grundgesetz einfach übergestülpt, anstatt eine gemeinsame Verfassung zu schaffen.“ Das muss man aufarbeiten.“ Meint Müntfering.

Also, lieber Herr Müntefering, nicht bei "manchen Ostdeutschen" gibt es weiterhin Skepsis, sondern bei den denkenden Ostdeutschen und solchen , die rechnen können - auf ihrem Gehalts-und Rentenkonto nämlich.Solchen, die immer noch nur 84% des Westgehalts ihrer Branche oder der Westrente bekommen, fast 20 Jahre nach dem Anschluss der DDR. Und eigentlich ist ihnen eine neue Verfassung ziemlich Wurscht, zumal das verfassungsgebende Verfahren wohl so ablaufen würde wie bei dem EU-Vertrag von Lissabon.Oder, um ein altes walisisches Sprichwort zu bemühen: "Better the devil you know, than the devil you don't know!" (Will heißen, dass wir beim Grundgestz wissen, was wir haben...)

Nun könnte man ja sagen: "Der Mann kommt spät, aber er kommt." Geschenkt, ich halte nicht viel von Wahlkampfparolen, noch weniger aber von Herrn M. Zu durchsichtig ist sein Tun und so sind auch seine Sprüche. Ich zitiere lieber Marx, der einst an Wilhelm Bracke schrieb, dass "jeder Schritt wirklicher Bewegung .. wichtiger (ist) als ein Dutzend Programme." Dies allen Münteferings dieser Welt ins Stammbuch...


Grafik: Daniel Gast (www.pixelio.de)

Donnerstag, 23. April 2009

... und Politiker werden durchschaubar!


"Wer antwortet wirklich - wer tut nur so?" fragte abgeordnetenwatch.de vor einigen Tagen. Zur Erinnerung: Auf Abgeordnetenwatch.de kann man "seinem" Bundestagsabgeordneten Fragen stellen. Es gibt eine ganze Menge Abgeordneter, die auch antworten und den offenen Dialog mit dem Wähler führen.Über die Qualität der Antworten kann man sicher streiten. Nicht hinnehmbar sind allerdings Abgeordnete, die gar nicht auf Fragen ihrer Wähler antworten oder solche, die irgendwelche Standardantworten oder Phrasen absondern.Gerade letzteres ist auch eine richtige Unverschämtheit, da man den Wähler ja mit einigen billigen Phrasen quasi für dumm verkauft. Abgeordnetenwatch geht jetzt noch einen Schritt weiter: Auf der jeweiligen Bundesland-Übersicht wird ab sofort zwischen inhaltlichen Antworten zur Sache und standardisierten Antworten ohne konkreten Sachbezug unterschieden.

Durch dieses Unterscheidung wird es künftig also leichter, gleich zu den Abgeordneten zu finden, von denen man sich als Wählerin und Wähler eine öffentliche Antwort auf wichtige Fragen versprechen kann. Abgeordnete können Standardantworten jederzeit durch eine inhaltliche Antwort ergänzen.

Wie verbreitet ist das Phänomen der Standardantworten in Eurem Bundestagswahlkreis? Wo sitzen die Schaumschläger und welcher Partei gehören sie an ? Klickt Euch doch mal über diesen LINK in Euer Bundesland ein, macht Eure Abgeordneten ausfindig und seht nach!

Foto: Das Reichstagsgebäude in Berlin von der Spreeseite ( © fv 2008 )

Mittwoch, 22. April 2009

Demokratie im Barnim


Das Leben im Barnim ist interessant. Interessant sind auch die Äußerungen unserer Fürsten hier und ihrer unkritischen Satrapen auf der Schleimspur. So brachte neulich ein geistig und vor allem demokratisch etwas wenig bemittelter CDU-Dorffürst seinen Frust darüber, dass der Landrat nun direkt vom tumben Volk gewählt werden kann - der Kreistag hatte so entschieden - mit den Worten zum Ausdruck: "Was das alles kostet und was man mit dem Geld alles hätte finanzieren können!" Ihm wurde berechtigterweise entgegnet, dass wir den Zustand unserer Demokratie nicht an ihrer Effizienz zu messen haben, sondern nur daran, wie demokratisch sie ist. Demokratie hat nicht das Ziel, effizient zu sein. Demokratie hat das Ziel, gerecht zu sein.

Beiläufig sollte man für Nicht-Barnimer erwähnen, dass der jetzige Landrat bei rund 60% "seines" Volkes unbekannt ist, obwohl er sein Amt seit rund 20 Jahren auf irgendeine Weise ausübt. Kennzeichen der Politik hier im Landkreis Barnim ist denn auch der sogar in den hiesigen Medien gefeierte sogenannte "Barnimer Konsens" , was nichts anderes bedeutet, dass alle Parteien gleichberechtigt am Filz beteiligt sind. So hatte man den LINKEN von Seiten der SPD (Landrat) und CDU (Stellvertreter) im Vorfeld der Abstimmung zur Direktwahl des Landrates einen fetten Posten angeboten, wenn die LINKE gegen die Direktwahl stimmen würde. Hat nicht geklappt, der Katzenjammer ist groß. Zeit für frischen Wind, und der sollte nicht von CDU oder SPD kommen.

Apropos: Demokratie und Effizienz. Bernau durfte ja zur letzten Brandenburger Kommunalwahl an Wahlautomaten rumspielen. Unser immer etwas seltsamer Innenminister, der Generalissimus Schönbohm, hatte den Einsatz der Wahlcomputer ebenfalls mit höherer Effizienz begründet.Computerexperten warnten zwar lauthals vor diesen Kisten und schrieben auch böse Berichte über den Wahlablauf. Meine eigenen Beobachtungen waren schlimmer als erwartet.Ein Bernauer Bürger wagte den Einspruch gegen die Automaten und wurde wie wir wissen durch Karlsruhe bestätigt.Die Bernauer Stadtverordnetenversammlung hat nun zugegeben, dass der Einspruch von Markus G. "in Teilen" berechtigt ist.Die Wahl wäre trotzdem gültig. Punkt, dummes Volk, wir haben gesprochen...

Grafik: Das Vertrauen schwindet... (Gerd Altmann, www.pixelio.de)

Von (der) Layen regiert




Folgenden Post habe ich ohne jede Änderung übernommen:


>> Von Laien regiert

Spreeblick befindet sich heute im demonstrativen Streik.

Am heutigen Tag, dem 22. April 2009, hat das Bundeskabinett ein Gesetz zur Sperrung von Websites beschlossen, die Kinderpornografie darstellen oder anbieten. Wir unterstützen die Bundesregierung in ihrem Bestreben, dem Missbrauch von Menschen und speziell Kindern ein Ende zu bereiten, bezweifeln jedoch auf Grundlage vieler Expertenmeinungen, dass dieses Bestreben der wahre Grund für die angekündigten Sperrungen ist.

Die geplante technische Umsetzung auf Basis von Sperrlisten halten wir für laienhaft, wirkungslos und unter Umständen kontraproduktiv. Wir fordern die Bundesregierung auf, die durch die Listen offensichtlich bekannten illegalen Websites zu schließen und ihre Urheber bzw. Betreiber strafrechtlich zu verfolgen. Wir lehnen Internetsperren ab, die ob ihrer Intransparenz und technischen Zweifelhaftigkeit eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland sind. Wir fühlen uns durch die von Fachleuten wiederholt in Frage gestellten Zahlen und Fakten, die das Familienministerium kommuniziert, als wählende Bürger belogen.

Wir halten Wahlkampf-Taktiken und politischen Populismus für äußerst unangemessen, wenn es um die Bekämpfung des Verbrechens der Gewalt an Minderjährigen gehen soll.

Weitere Informationen sind u.a. hier zu finden:
- c’t: Verschleierungstaktik
- Heise Online: Kinderporno-Sperren: „Frontalangriff auf die freie Kommunikation“ befürchtet
- Spiegel Online: BKA filtert das Web

Idee & Umsetzung: Spreeblick, Precious Forever & Jeriko
Lizenz: Creative Commons 3.0<<



Diese Bundesregierung befindet sich wieder einmal auf einem fatalen Irrweg. Im Geschichtsunterricht geben wir der Weimarer Republik und Hindenburg Mitschuld daran, dass Hitler an die Macht kam. Zur Zeit haben wir eine demokratisch gewählte Regierung, die Gesetze wie das BKA-Gesetz, für die Vorratsdatenspeicherung oder die Internetzensur erlässt und bei genau diesen Gesetzen keine Sorge dafür trägt, ob zukünftigen Diktatoren Ermächtigungsgesetze in die Hand gegeben werden oder nicht. Im Gegenteil: Es braucht nicht mal eine Diktatur. Die beschlossenen Gesetze sind so gestrickt, dass sie auch von bösartigen, korrupten oder inkompetenten Volksvertretern jeder Zeit mißbraucht werden können. Und wir sollten niemals vergessen, dass die Notstandsgesetze von 1968 mit ihren Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten und den damit verbundenen Grundgesetzänderungen immer noch gelten. Damit und mit den in der letzten Zeit ermöglichten Einschränkungen der Demokratie könnte auch ein neuer Führer gar prächtig regieren.

Ich schließe mich daher dem Gesagten im "Spreeblick" voll inhaltlich an:

Übrigens: Vallis Blog hat schon von Anfang an auf den "Spreeblick" verlinkt.(siehe rechts unten: LINKS)


Foto: Gerd Altmann (www.pixelio.de)

Dienstag, 21. April 2009

Günther Jauchs Gesicht

Günther Jauch ist ein symphatischer Mensch. Seine Fernsehshows kann man meistens ansehen, wenn sie auch nicht sehr viel Tiefgang verbreiten. Jauch wohnt in Potsdam und spendet regelmäßig für den Aufbau und den Erhalt der dortigen Kulturgüter. Günther hat das Geld dafür. Aber es gibt auch noch eine andere Seite von Günther Jauch. Sein Gesicht leuchtet seit Wochen von riesigen Transparenten, die überall in Berlin aufgestellt sind. Neben Jauchs Gesicht beeindruckt vor allem die Überschrift auf diesen Tafeln: "Es geht um die Freiheit ! " steht dort mit riesengroßen Lettern geschrieben. Welche Freiheit, fragt man sich sofort besorgt ? Geht es etwa um die Pressefreiheit oder um die Freiheit der Guantanamo-Häftlinge ? Die ständigen Spitzeleien irgendwelcher Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern - quasi die outgesourcte Stasi. Die Freiheit des Internets oder die Freiheit, ohne Wanzen und Vorratsdatenspeicherung zu telefonieren oder zu surfen? Nein, Jauch setzt sich dafür ein, dass der in Berlin bisher freiwillige Religionsunterricht zum Pflichtfach gemacht und damit gleichwertig mit dem Pflichtfach Ethik wird. Die Argumentation der Religioten hält man dabei nicht für möglich, ich möchte den demagogischen Unsinn hier einfach nicht wiedergeben. "Es ist haarsträubend. wie die Katholiken intolerant und fanatisch anderen Gläubigen gegenüber ihren Kreuzzug führen“, sagt z.B. die Entertainerin Desiree Nick, selbst ehemalige Reliogionslehrerin. Sie spricht sich für das bisherige Modell aus, Ethik als Pflichtfach an den Schulen zu belassen und Religion weiterhin als ordentliches Fach anzubieten. Den Katholiken werde schließlich überhaupt nichts weggenommen, wie behauptet. Jeder dieser Schwachköpfe kann ja auch bisher sein armes Kind in irgendeine Religionsschule schicken. Niemand verwehrt es diesen Menschen. Sie verlangen nichtdestotrotz, dass der Staat die Religionslehrer, differenziert für Christen, Moslems und Juden bezahlt. Wie das in diesem Staat und in dieser Stadt aussehen wird, kann man sich denken: Wahrscheinlich werden dann andere, völlig unwichtige Fächer wie Mathe und Biologie ausfallen und durch das "Studium" von Bibel, Talmud oder Koran ersetzt werden.

Ich glaube, Günther Jauch ist inzwischen der einzige prominente Verfechter dieses Irrsinns. Er müsste es besser wissen: Jauch besuchte die Katholische Grundschule St. Ursula in Berlin-Zehlendorf. Später war er in der katholischen Kirche als Ministrant aktiv. Nach dem altsprachlichen Gymnasium Steglitz in Berlin und dem Abitur mit der Note 3,1 besuchte er die Deutsche Journalistenschule in München. 1975 war Jauch mit 19 Jahren dort der damals jüngste Absolvent. Nach seinem Abschluss studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Politik und Neuere Geschichte. Er verließ die Universität ohne Abschluss und jobbte dann als Hörfunkmitarbeiter.Wie schon gesagt, wohnt er heute in Potsdam, nicht in Berlin. Er hat also den Berlinern in etwa so viel vorzuschreiben wie ein Münchner. Jauch sieht symphatisch aus. So normal wie Du und ich. Nur manchmal scheint er zu denken, dass man mit Geld alles kaufen kann...

Sonntag, 19. April 2009

Das jahrelange OPEL-Elend und die Vergesellschaftung des Kapitals

"Ein großer Denker und Philosoph. Eine seiner Fragen lautete: Wie kann man den privaten Reichtum in der Gesellschaft besser verteilen? Daraus entstand seine Theorie von der Gesellschaftung des Kapitals, das Gegenmodell zum Kapitalismus, aber nicht nur in einem Land. Das ist aktuell wie nie. Schauen Sie nach Rüsselsheim und Bochum: Im Kern geht es da auch um diese Frage." (Der ehemalige Vizechef der Staatsbank der DDR, Edgar Most, in einem Interview vom 20.4.2004 mit der "Zeit" auf die Frage, wer Karl Marx war.

Ein durchaus lesenswertes Interview mit interessanten Fakten eines Insiders. Und in der gegenwärtigen Krise zeigt sich, dass wir in Ostdeutschland seit 2004 kaum einen Schritt voran gekommen sind. Allerdings schleppt sich wohl Opel - wie man am obigen Zitat sieht - auch schon etwas länger auf Krücken dahin...

Marx zum Sonntag


"Es ist die alte Illusion, dass es nur vom guten Willen der Leute abhängt, die bestehenden Verhältnisse zu ändern... Diese ideelle Erhebung über die Welt
ist der ideologische Audruck der Ohnmacht der Philosophen gegenüber der Welt.Ihre ideologischen Prahlereien werden jeden Tag durch die Praxis Lügen gestraft."
Karl Marx: Die deutsche Ideologie..., ( MEW, 3,363)

Statt "Leute" und "Philosophen" würde ich ohne weiteres "Politiker" einsetzen. Und ganz volkstümlich gedacht müsste man singen: "Es rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser-Nicht, Tribun..." *
Nein, die auch nicht.Uns aus dem Elend zu erlösen,müssen wir schon selber tun...


Liedzeile: Die Internationale (leicht verändert)
Grafik: Richtungskämpfe (Gerd Altmann, www.pixelio.de)

Samstag, 18. April 2009

Die Mülltonnen-Uschi und wie man Ekel missbrauchen kann

Wohl jeder von uns findet Raser furchtbar. Da wird man auf der Autobahn meistens von BMW-/Mercedes-/Porsche-/FIAT-/Golf-/FORD-/Trabantfahrern massiv bedrängt, mit der Lichthupe belästigt, geschnitten und anschließend noch mit dem Stinkefinger beleidigt. Jeder ärgert sich, denn jeder ist irgendwann einmal Opfer einiger Fahrer der "nächsthöheren" Wagenklasse. Nebenbei bemerkt ist diese Art von Wildwest auf deutschen Autobahnen so interessant, dass fast jeder Blödsender wenigstens einmal am Tag eine entsprechende Kontrolletti-Sendung im Programm hat und diese Idioten vorführt. Meist sind die Täter nur arme, getretene Außendienstler, die von ihren Chefs von Termin zu Termin gehetzt werden, dabei unendlich lange in den diversen Staus stehen und fast alles tun, um nur den Job zu behalten. Egal, Entschuldigungen gelten hier nicht, keiner hat Mitleid oder will gar etwas am System ändern. Also steigt die Politik genau an diesem Punkt ein. Die Strafen für diese Art Vergehen werden ins Unermeßliche gesteigert. Fast jeder reibt sich die Hände: Vater Staat nimmt mehr Kohle ein und diejenigen, die sich gern als Opfer der Rowdys fühlen, sind ebenfalls befriedigt. Auf den Straßen selbst ändert sich nichts, die Straßen bleiben verstopft, die linken Autobahnspuren sind nach wie vor von langsamen Kleinwagen belegt, die rechten Spuren dafür frei, mehr Polizisten gibt es auch nicht und die richtigen Ganoven gehen sowieso niemals ins Netz oder kaufen sich durch teure Anwälte frei. Wenn man wen erwischt, sind es Leute, bei denen am Führerschein die Existenz hängt. Auch die Leute im Hintergrund - z.B. die Konzernbonzen und ihre Antreiber - trifft man nicht.

Nun kümmert sich Vater Staat (oder besser: Die siebenfache Mutter der Nation) ebenfalls um ein Reizthema, nämlich um die Kinderpornographie. Natürlich ist das ein Thema, wo ein normaler Mensch mit den Tätern ebenfalls kein Mitleid haben kann.Und ebenso natürlich kann sich unsere Mülltonnen-Uschi - gnadenlos wie immer bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit- des Beifalls des überwiegenden Teils der Bevölkerung bei ihrer Aktion gegen Kinderpornographie sicher sein. Alle sind glücklich.

Sind wirklich alle glücklich? Auf den ersten Blick sicher. Wenn jetzt also so ein Pädophiler eine Internetseite anklickt, erscheint dieses Logo hier. Toll, Pädophiler ist gestoppt. Wirklich ? Wenn man es recht bedenkt, sind die Produzenten und Hardcore-Kinderschänder und auch die sogenannten "Eltern", die ihre Kinder dafür hergeben, doch immer noch auf freiem Fuss, oder ? Nur der kopfkranke, perverse Konsument kommt nicht mehr an seinen Stoff. (Wobei Fachleute genau das bestreiten)
Kümmert sich denn jetzt eigentlich noch jemand darum, die perversen Hersteller zu kriegen , um sie dann endlich an den Eiern aufzuhängen und sie den Geiern zum Frass anzubieten ? Es soll ja sogar ein paar Ermittler bei der Kripo geben, die sich den ganzen Tag diesen Dreck ansehen müssen, um die Verbrecher zu fassen. Kommen die jetzt wegen Uschis Sperre auch nicht mehr ins Internet ?

Aus meiner in mittlerweile fast 20 Jahren erworbenen Kenntnis des Politzirkusses in diesen Land befürchte ich, dass es das nach der Aktion von Mülltonnen-Uschi wieder einmal gewesen ist. Es wird weiter geschundene Kinderkörper und -seelen geben, die Konsumenten der entsprechenden "Bildchen" und "Filmchen" werden auf andere Möglichkeiten ausweichen und es wird sich nichts ändern. Wie immer: Viel Lärm um nichts.
Außer, dass sich interessierte Kreise ein Präzendenzverfahren und willige Vollstrecker bei den Internetprovidern geschaffen haben. Und das ist der eigentliche Skandal an der ganzen Show. Was wird nun als nächstes verboten ? Wenn man genau hinguckt, ergeben sich da genügend Ansatzpunkte ...

Freitag, 17. April 2009

Trost für Merkel und Co.


"Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame Lösungen der vorhandnen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wieder herstellen."

Karl Marx, Das Kapital, (Marx/Engels Werke - MEW - 25,259)

Für den Augenblick, eben nur für den Augenblick...

Foto: Marx und Engels (Klaus Danert, www.pixelio.de)

Donnerstag, 16. April 2009

Das Internet ist an allem Schuld !


Der Beweis für obige These flatterte heute morgen mit einer Empfangsbestätigung für eine e-mail in meinen Computer:

"...Received: from murder (mailfrontend-b-febe)..."

Oh, oh. Jetzt ist alles klar. Schäuble hat Recht.

Grafik: Th. Kemnitz (www.pixelio.de)

Mittwoch, 15. April 2009

Deutsche zweiter Klasse, Teil 3


Man müsse in Deutschland den Mut haben zu sagen, dass im Osten einige Landstriche voraussichtlich für lange Zeit veröden werden, meinte Joachim Gauck, ehemaliger Pfarrer und Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes im Jahre 2004.

Danke, Herr Pfarrer. Genau dafür haben Sie und ihre geistig unbedarften Konsorten wohl das SED-Regime gestürzt. Hut ab vor dieser Lebensleistung. Aber mit flächendeckenden Verheerungen hat die Kirche ja schon im Dreißigjährigen Krieg Erfahrungen sammeln können. Da ging es ja auch schon um Religion.
Der "Stern" schrieb übrigens schon 2001, dass die Deindustrialisierung im Osten Deutschlands in den 90er Jahren ein Ausmaß erreichte, das nicht mal die Russen mit ihren Demontagen und Reparationsforderungen nach dem Zweiten Weltkrieg angerichtet hätten. Das Bruttoinlandsprodukt Ost hatte 2005 gerade mal wieder den Vergleichswert von 1990 erreicht. (Und der war schon niedrig, weil es ab Maueröffnung verstärkt mit der Industrie bergab ging). Edgar Most, ehemaliger Vizepräsident der Staatsbank der DDR und dann langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank - gemeinhin also ein Mensch, der weiß, was er sagt- meinte dann auch in einem Pressebeitrag, dass es "einen Aufholprozeß Ost in den wichtigsten volkswirtschaftlichen Eckpunkten ... trotz hoher finanzieller Transferleistungen seit Mitte der 90er Jahre nicht gegeben (hat)... Das Demokratie-und Freiheitsverständnis beruht aber auf der Grundlage gleicher Lebensbedingungen, und die sind eben im Osten Deutschlands nur punktuell gegeben."
Nebenbei gesagt: Die Krise steht nicht mehr nur vor der Tür, sie ist da. Einer der letzten Großbetriebe in Brandenburg, die Firma ArcelorMittal (früher EKO Stahl) in Eisenhüttenstadt drosselt angesichts der schwachen Nachfrage ihre Produktion erneut um die Hälfte. Ende April werde die Roheisenproduktion auf nur noch 25 Prozent heruntergefahren, sagte Betriebsratschef Holger Wachsmann dem Berliner "Tagesspiegel". Wachsmann befürchtet, dass die bisherigen Einsparungen der Konzernführung nicht reichen werden. Auf lange Sicht sei der Standort Eisenhüttenstadt gefährdet. Wenn künftig nur noch der kleinere der zwei Hochöfen in Eisenhüttenstadt betrieben werde, sei die Produktion nicht mehr rentabel. Am Ende drohe womöglich die Schließung.

Ist ja nicht so schlimm, für Beschäftigung während der Arbeitslosigkeit ist gesorgt. Zum Beispiel kann man sich als Arbeitsloser beim Tag der offenen Tür der Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR (BStU) über völlig neue Verfahren zur Rekonstruk­tion zerrissener Stasi-Akten informieren. Mit Hilfe eines am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin entwickelten Computerprogramms werden dort die Papierschnipsel erst digitalisiert und dann virtuell zusammengesetzt. In reiner Handarbeit - wie zurzeit noch praktiziert - würde die Rekonstruktion der Akten noch mehrere Hundert Jahre dauern. Sicher ist jedenfalls wohl jetzt schon, dass es die Stasi-Behörde noch 100 Jahre geben wird. Jedenfalls bekommt Brandenburg 20 jahre nach dem Mauerfall endlichendlichendlich einen Stasibeauftragten.

Wenn ich mir auch dazu einen Kommentar erlauben darf ? Danke. Also, in meiner Jugend gab es ein Sprichwort: Kein Hemd auf dem Arsch, aber eine weiße Java fahren. Heute könnte man das etwas abwandeln. Vielleicht in : "Kein Hemd auf dem Arsch, aber 'ne schöne Stasiunterlagenbehörde" ? So 'ne Super-Behörde mit tausend qualifizierten Chefs - bis auf die Gallionsfigur natürlich alle aus dem Westen- und ab und zu mal so'n richtiger knalliger, "enthüllender" Aktenfund oder 'nen Buch von Hubertus Knabe über das wahrhaft fürchterliche Leben in der DDR lenken doch auch wunderbar von eigener Arbeitslosigkeit und Elend ab...

Zitate nach: Siegfried Wenzel- Von wegen Beitritt, Verlag Das neue Berlin 2008, und "Märkische Oderzeitung" vom 4. März 2009
Grafik: 20 Jahre Einheit - die Mauer steht noch (Gerd Altmann, www.pixelio.de)

Dienstag, 14. April 2009

Demokratie und Gleichheit


"Demokratie impliziert Gleichheit der Rechte. Die Bürgerinnen und Bürger sind jedoch nur vor staatlichen Gesetzen gleich, vor den "Gesetzen" der vorherrschenden Wirtschaftsordnung sind sie jedoch kraß ungleich. Hier entscheidet nicht die Mehrheit, sondern das Eigentum. Deshalb war unsere bürgerliche Demokratie von allem Anfang an nur eine halbe. Und diese Hälfte schrumpft zusehends, je mehr die undemokratische Wirtschaft die demokratische Politik dominiert." (Rolf Hochhuth in seinem Schauspiel "McKinsey kommt")

Daher also die ganze Lobbyarbeit am Regierungssitz Berlin,das Aufquietschen der Regierung, wenn nach den Milliardenpaketen für das Kapital auch die Arbeitnehmer etwas mehr haben wollen als eine Abwrackprämie, die Gelddruckmaschine für abgetakelte Banken usw.. Und dass nur der Recht bekommt, der auch bis zum BGH oder BVG dafür zahlen kann, steht auch auf diesem Blatt. An dieser Demokratie muss noch viel gearbeitet werden, ehe sie ihren Namen auch verdient...

Grafik: Volksvertreter (Stephan Bratek/geralt; www.pixelio.de)

Montag, 13. April 2009

Ostern 2009 in Schönow

Mit zwei Zitaten ist unser Osterfest in diesem Jahr ausreichend beschrieben. Das erste heißt "Si hortum in bibliotheca habes, deerit nihil" von Marcus Tullius Cicero, was bedeutet, dass "wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, (es) dir an nichts fehlen (wird)". Wir haben also eine Menge in unserem zur Zeit raketenhaft aufblühenden Garten gewirkt und viel geschafft. Wie in jedem Jahr hat mich mein Heuschnupfen zwar ausgebremst, aber in den Niespausen konnte ich immerhin zwei Bücher auslesen. Außerdem wurde viel mit dem Willy-Hund herumgelaufen, früh ins Bett gegangen und sich erholt. Trotzdem ist es ganz gut, dass es morgen wieder losgeht. Denn sollte dieses Wohlleben so weiter gehen, könnte man sich daran gewöhnen. Und außerdem hat George Bernhard Shaw Recht, der da sagte: "Ein immer währender Feiertag ist eine gute, allgemein verständliche Definition von Hölle:"

Deutsche zweiter Klasse, Teil 2


"Die Sächsische Akademie der Künste hat vor einem Ost-West-Konflikt in der Kulturpolitik gewarnt. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer dürfe es nicht sein, dass die deutsche Kultur noch als Zwei-Klassen-Gesellschaft begriffen wird, schrieb Präsident Udo Zimmermann in einem offenen Brief an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Hintergrund ist das Projekt "60 Jahre, 60 Werke" in Regie der "Bild"-Zeitung und des Energiekonzerns RWE. Dabei werden wichtige Werke deutscher Künstler vorgestellt und später ausgestellt. Dem 14-köpfigen Beraterteam gehört nur ein Sachverständiger aus dem Osten an.

Zimmermann, einer der international bekanntesten deutschen Komponisten, kritisierte, dass keiner der Museumsleute, Publizisten und Galeristen beteiligt wurde, "die sich in der DDR gegen ideologische Restriktionen zur Wehr gesetzt und um künstlerische Freiheit gerungen haben". Er bat Schäuble, seinen Einfluss geltend zu machen, um das Beratergremium vor allem mit Blick auf geplante Ausstellung zu erweitern. Zugleich dankte er den Initiatoren des Projekts für ihr Engagement."

Soweit eine dpa-Meldung vom 8. April 2009. Nun ist Zimmermann ja selbst ein Ossi, aus Dresden. Und ich frage mich, warum man eigentlich 20 Jahre nach dem Anschluss immer noch so servil auftreten muss ? Schäuble hat mehr als einmal deutlich klar gemacht, dass er von den Ostdeutschen und ihren Leistungen oder Erfahrungen mehr oder weniger gar nichts hält. Was kann ein Ossi noch von einem Bundesinnenminister erwarten, dem man anlässlich der Eröffnung der Anschlussverhandlungen zwischen DDR und BRD die Sätze in den Mund legte " Liebe Leute, es handelt sich um einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik – nicht um die umgekehrte Veranstaltung. WIR haben ein gutes Grundgesetz, das sich bewährt hat. WIR tun alles für euch. Ihr seid herzlich willkommen. WIR wollen nicht kaltschnäuzig über eure Interessen hinweggehen. Aber hier findet nicht die Vereinigung zweier Staaten statt." Heuchelei ? Nein, aus seiner Sicht nicht, eher typisch für einen Machtpolitiker seines Schlages. Diese Art von Politiker sagt auch immer die Wahrheit. Und sollte doch mal eine Staatsanwaltschaft gegen ihn ermitteln, stellt sie das Verfahren ganz schnell wieder ein.

Dieser Mensch hat nichts dazu gelernt, ich erinnere da nur an die "Hall of Fame" des deutschen Sports, die zu einer "Hall of Shame" der (west-) deutschen Politik mutierte. Deshalb ist es an der Zeit, dass man ihm und ähnlichen Kandidaten endlich mal mit entschlossenen Worten entgegentritt...

Grafik: Ist die Mauer wirklich weg ? 20 Jahre Deutsche Demokratische Freiheit (gerd Altmann, www.pixelio.de)

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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...