Es ist nichts wirklich Neues, aber man ist doch immer wieder überrascht. Alles, was dieser Bundesinnenminister anfasst, gleicht einem Griff ins Klo. So ist auch die Proklamation der Ruhmeshalle des deutschen Sports am Anfang dieser Woche eine eher peinliche Veranstaltung gewesen, die selbst von den Staatsmedien wie dem ZDF weitgehend negiert wurde. «Die Geschichte des Sports ist von der deutschen Geschichte nicht zu trennen. Das zeigt auch die Bedeutung des Sports», erklärte Schäuble, gleichzeitig Vorsitzender der 25-köpfigen Auswahljury, die die schwierige Aufgabe hatte, Leistung. Haltung und gesellschaftliches Engagement beurteilen zu müssen. Dabei ist den Auswahl-Granden offensichtlich so einiges in der Geschichte entgangen.Wie anders kann man den Anteil der ehemaligen NSDAP-Mitglieder unter den Auserwählten von 12,5 % werten, vielleicht unter dem Gesichtspunkt des " gesellschaftlichen Engagements" ? Oder dass nur 2 Frauen die Halle des Ruhmes betreten durften. Kann es sein, dass Frauen in den Köpfen der Jury-Mitglieder immer noch nur Menschen zweiter Klasse sind. ? Aber immerhin: Drittklassige Bundesbürger sind die ehemaligen DDR-Sportler, die gnädigerweise einen Sportler stellen durften: Den viermaligen Schwimm-Olympiasieger Roland Matthes. Begründung: Die Verstrickung des DDR-Sports in das Doping, das es wahrscheinlich in der BRD nie gab und bis heute nicht gibt, oder ? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass bis 1971 in der DDR nicht gedopt wurde und dass meine Sportkameraden trotzdem in fast allen Booten den Westdeutschen davonfuhren. Dem zum Trotz besetzt natürlich der sogenannte "Ruderprofessor" Adam einen der 40 Plätze im Panoptikum dieser obskuren "Hall of Fame". Matthes meinte daher auch in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel":"Die DDR hat einige große Athletinnen und Athleten hervorgebracht, allerdings sind die der Jury, die die Sportler ausgewählt hat, nicht so bekannt. Aber sicher ist es auch eine politisch gedrehte Situation. Seit Anfang der 90er Jahre wird der DDR-Sport systematisch an den Pranger gestellt, weil auch viele Journalisten glauben, dass alle Erfolge im Osten nur mit unsauberen Mitteln erreicht worden sind. So ein Pharisäertum kotzt mich an."
Natürlich muss man als Jurymitglied nicht unbedingt bekannte DDR-Sportler, z.B Weltrekordinhaber, Olympiasieger und Welt- oder Europameister kennen. Mauer in den Köpfen ? Wahrscheinlich wird man aber von Schäuble auch nur bei erwiesener Dämlichkeit und Staatstreue in so eine Jury berufen. Da hat der Roland recht. Noch besser wäre es gewesen, lieber Roland, diesen bornierten Vollidioten ihre zweifelhafte, viele tausend Sportler und Trainer aus der ehemaligen DDR diskriminierende Ehrung, die einen ehrlichen Sportler noch dazu in eine Ecke mit Nazi-Vorbildern stellt, vor die Füße zu schmeißen...
Quelle: "Tagesspiegel" 06.05.08
Foto: Marco Kröner (pixelio.de)
Wenn man das Interview von Matthes liest, dann kommt einem schon der kalte Kaffee hoch. Dieser Sportler hat der DDR fast alles zu verdanken, was er in seinem Leben erreicht hat. Nicht nur seine sportliche Karriere, sondern auch die Förderung seiner beruflichen Laufbahn bis zum Arzt sind (eigenen Ehrgeiz vorausgesetzt) ein Ergebnis der großzügigen Unterstützung, die jeder Sportler, jeder Jugendliche in der DDR hatte. Auf eine solche zweifelhafte Ehrung auch noch stolz zu sein, zeugt von der Charakterlosigkeit dieses Mannes. Er spuckt damit seinen Trainern und allen ehrlichen Sportfreunden ist Gesicht - zum Beispiel auch dem Täve...
AntwortenLöschenNorbert