Manche Abgeordnete halten Bundestagssitzungen für einen Fernwettkampf... meinte Dr. Rolf Handke. Er ist ein deutscher Ingenieur u. Hobby-Aphoristiker.
Rolf und ich haben uns manchen Freitag Feierabend um die Ohren geschlagen, um eine ordentliche Studentenzeitung abliefern zu können. Trotzdem wurde unsere Zeitung eines Tages vom 1. Sekretär der SED-Kreisleitung der Humboldt-Universität unter einem lächerlichen Vorwand verboten. Wegen Pornographie. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...
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Donnerstag, 31. Juli 2008
Mittwoch, 30. Juli 2008
Liebstöckel

Neulich mal wieder in meinem Archiv geblättert.Womit man sich aber auch in diesem Leben schon beschäftigt hat ! Beispielsweise war ich Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sogar mal Chefkoch - allerdings nur auf dem Papier des "Kulinarium", unserer Studentenzeitung an der Humboldt-Universität, Sektion Nahrungsgüterwirtschaft und Lebensmitteltechnologie.Die Kochrezepte erschienen in der Rubrik" Unser Liebstöckel". Auf einer Reise rund um die Welt stellte ich unseren Lesern typische Gerichte aus aller Herren Länder vor.Dabei war es natürlich wichtig, manche Zutat zu substituieren, da es sie in der DDR nicht gab. Sojasauce z. B. war recht einfach zu ersetzen, man nahm einfach Bino. Statt süßer Mandeln in meinem berühmtesten chinesischen Gericht "Huhn mit Mandeln" konnte man auch schon mal einheimische Walnüsse verwenden.(Dieses Gericht koche ich auch privat schon seit 30 Jahren jedes Jahr zu Weihnachten - und zwar auf Wunsch meiner beiden Söhne).Jedenfalls machte die Sache riesigen Spass. Ich glaube zwar nicht, dass irgend jemand meiner studentischen Leser die beschriebenen Gerichte auf dem Zweiplattenkocher im Studentenwohnheim nachgekocht hat. Aber vielleicht sind ja die Rezepte - wie oft von mir gehofft - als Anregungen verstanden worden...
Bild: Die Figur des "Liebstöckel" stammt ursprünglich von R. Handke.
Dach - und sonstige Schäden

"Warum Strohköpfe nicht nachdenken? Ein Geistesblitz wäre brandgefährlich." meinte Alexander Eilers.
Mir fällt da im Moment wieder einmal nur das Rote Rathaus in Berlin, speziell die Finanzverwaltung, ein. Wie oft war das wohl kurz vor dem Abfackeln - bei dem Chef? Zudem kann ich nicht ganz glauben, dass der in seiner Jugend gefroren haben soll! Den hat man doch eindeutig zu heiß gebadet!
Foto: Frostschäden (Thomas Max Müller, pixelio.de)
Dienstag, 29. Juli 2008
Instinkte, Moral und Krieg

"Unsere Instinkte wirken nach zwei Richtungen - die eine strebt die Förderung unseres eigenen Lebens und das unserer Nachkommen an, die andere will das Dasein vermeintlicher Konkurrenten beeinträchtigen. Die erste umfaßt Lebensfreude, Liebe und Kunst, die, psychologisch gesehen, in der Liebe wurzelt. Zur zweiten gehören Wetteifer, Patriotismus und Krieg. Die herkömmliche Moral tut alles, um die erste zu unterdrücken und die zweite zu fördern." meinte Bertrand Arthur William Russell, 3. Earl Russell (* 18. Mai 1872 bei Trellech, Monmouthshire, Wales als Sproß einer adligen Familie, die ihren Stammbaum auf Heinrich VIII. zurückführte; † 2. Februar 1970 in Penrhyndeudraeth, Gwynedd, Wales).Er war ein britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker. Zusammen mit Alfred N. Whitehead veröffentlichte er mit den "Principia Mathematica" eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts über die Grundlagen der Mathematik. Er gilt als einer der Väter der Analytischen Philosophie. Als weltweit bekannter Aktivist für Frieden und Abrüstung war er eine Leitfigur des Pazifismus, auch wenn er selbst kein strikter Pazifist war. Bertrand Russell unterrichtete unter anderem am Trinity College der Universität Cambridge, in Harvard und Peking und war Mitglied der Cambridge Apostles. Der Liberalist und Rationalist, der in den 97 Jahren seines Lebens eine Vielzahl von Werken zu philosophischen, mathematischen und gesellschaftlichen Themen verfasste, erhielt 1950 den Nobelpreis für Literatur.Auch war er die treibende Kraft hinter dem Russell-Einstein-Manifest und engagierte sich in verschiedenen politischen Krisen des Kalten Krieges als Vermittler zwischen den Staatschefs. Zeitweise stand er der Campaign for Nuclear Disarmament vor. Mit einigen anderen Mitgliedern der Organisation wurde er 1961 angeklagt, zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgerufen zu haben und – mit 89 Jahren – zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Foto: You did (pixelio.de)
Das Travel Board und die Mauer

"...Geschichte (wird) immer von den Siegern geschrieben... Wenn zwei Kulturen aufeinander prallen,verschwindet der Verlierer von der Bildfläche, und der Sieger schreibt die Geschichtsbücher, in denen er sich selbst im vorteilhaftesten Licht zeichnet und den besiegten Feind als Halunken darstellt. Wie hat Napoleon so treffend gesagt? 'Was ist die Geschichte anderes als eine Lüge, über die alle sich einig sind.'... Das liegt in der Natur der Sache. Die Geschichte ist immer eine einseitige Berichterstattung." (Dan Brown: Sakrileg - The Da Vinci Code)
Gerade wird wieder öffentlich gebarmt: Schüler wissen zuwenig über die DDR-Geschichte. Nur in Bayern und Baden-Württemberg ist natürlich alles besser, hier lernen Schüler brav alles auswendig, was von der Kanzel kommt.Und da vor allem im Osten noch Menschen existieren, die beide Gesellschaftsordnungen miteinander vergleichen können, führt das dazu, dass die DDR angeblich verklärt wird. Wie ist das nun mit der historischen Wahrheit? Die einen auf der Ostseite waren alles Schufte und die im Westen wahre Engel, die immer nur das Beste für die Menschen im Osten wollten ? (Dass das nach 1990 nicht so war, lassen wir jetzt mal weg, wir reden von der Zeit von 1949 bis 1989).Hier eine Geschichte nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus dem richtigen Leben, die mir neulich wieder einfiel, als Micha von den biometrischen Verbrecherfotos sprach, die er sich für seinen neuen Reisepass anfertigen lassen musste:
Vor fast genau 38 Jahren war ich Leistungssportler und ich war zeitweise ganz gut. In meinem Skiff (Ruder-Einer) gehörte ich zur Junioren- Nationalmannschaft der DDR. So ergab es sich,dass ich mich für eine Juniorenregatta in Mailand qualifizieren konnte. Von Seiten des Klubs und auch von Staats wegen war alles klar,ich hätte fahren können. Es war auch Westgeld da, die Reise musste nur noch bei der italienischen Botschaft in Bonn und beim NATO-Travelboard in Westberlin beantragt werden. Dazu füllte ich allein 12 Formulare für die Italiener aus (DIN A4,doppelseitig, rosa Papier, jedes Formular mit einem Foto zu versehen), das Travel Board brauchte auch noch ein wenig Papier und natürlich auch Passfotos. Damals gab es in Berlin-Karlshorst gegenüber der alten chinesischen Botschaft einen Fotografen, der so genannte Schnell-Fotos herstellte. Und die sahen dann in etwa so aus, wie Michas biometrische Passfotos. Jedenfalls hätte ich mir die horrenden Ausgaben für die Fotos und die immense Arbeit mit den Fragebögen und Antragsformularen sparen können. Denn das NATO-Travel-Board in Westberlin lehnte meine Einreise in das NATO-Land Italien kurzerhand ab. Somit fiel die Regatta in Mailand für mich aus, denn DDR-Bürger, die in NATO-Länder oder nach Australien wollten, brauchten ein alliiertes Reisepapier. Die Pässe ihres wegen der Bonner Hallstein-Doktrin nicht anerkannten Heimatlandes galten nicht als gültige Dokumente.( Nebenbei gesagt: Wilhelm Grewe gilt als Erfinder der Hallstein-Doktrin und hatte seine Karriere natürlich maßgeblich den Nazis zu verdanken). Alles vergessen in der offiziell gültigen Geschichtsschreibung ? Ich war damals knappe 18 Jahre alt, kein Agent der Stasi oder Funktionär der SED und auch von Zuhause aus nicht indoktriniert. Solche Erlebnisse prägen für's Leben und ich werde diese Geschichte nie wieder vergessen...
Foto: Mad Max (pixelio.de)
Montag, 28. Juli 2008
Aufschwung beim Stellenabbau

In den letzen 14 Tagen habe ich wieder fleißig Nachrichten konsumiert und meinen Spickzettel vervollständigt, auf dem ich immer wieder geplante Massenentlassungen deutscher Firmen notiere. Diesmal sind es nur angekündigte 7200 zukünftige Arbeitslose. Wer lässt diese Bundeskanzlerin und ihre Laienspieltruppe eigentlich in den Urlaub gehen, wenn sie mit ihrer Arbeit nicht fertig werden?
Hier die Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
T-Systems (Tochter der Telekom ) 4000
Infinion (Stirb langsam 5 ?) 2000
Adler (Modekette) 500
Ford- Motorenwerk in Köln 700
Aufschwung wo man nur hinsieht...
Grafik: Gerd Altmann (pixelio.de)
Ratatouille

Rémy ist etwas aus der Art geschlagen. Er hat eine Vorliebe für Kochkunst und gutes Essen und er ist mit einem ungewöhnlich feinen Geruchssinn ausgestattet. Und im Gegensatz zu seinem Bruder und dem Rest der Familie verschlingt er nicht wahllos alles, was ihm gerade vor die Nase kommt. Eigentlich nicht ungewöhnlich, aber - Rémy ist eine Ratte und es verschlägt ihn nach Paris. Dort landet er in dem Restaurant, das sein Idol, ein berühmter Sternekoch, gegründet hatte.Wie er dort dem tollpatschigen Küchenjungen Linguini mittels rättischer Kochkunst hilft, als Koch Karriere zu machen, kann man sich im US-amerikanischen Animationsfilm "Ratatouille" ansehen."Ratatouille" lief am vergangenen Freitag im Freilicht-Kino Hobrechtsfelde. Und - der Film ist ein Riesenspaß.Seit langer Zeit habe ich nicht mehr so gelacht !
Ich weiß nicht, wie Rémy sein "Ratatouille" kochte.Aber ich weiß, dass jetzt genau die richtige Zeit für dieses gesunde Gemüsegericht aus der Provence ist, denn die Zutaten gibt es zur Zeit ganz frisch fast vollständig im gut sortierten Gemüsegarten oder beim Krauter:
Ratatouille a la Rémy
Zutaten:
# 1 Aubergine
# 1 Zucchini
# 1 Möhre
# 1 rote Paprika
# 4 Tomaten
# 1 Gemüsezwiebel
# 3 Knoblauchzehen
# 1 TL frisch gehackter Rosmarin
# 1 EL frisch gehackter Thymian
# 1 EL frisch gehackte Petersilie
# 1 TL Zucker
# Olivenöl
# Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Das Gemüse und die Kräuter waschen. Gemüse in nicht zu kleine Stücke schneiden. Wer mag, kann die Tomaten vorher von der Schale befreien. Die Kräuter hacken.In einer Pfanne zuerst die Möhre scharf anbraten. Sobald die Möhre etwas Farbe bekommen hat, in einen großen Topf geben, der auf kleiner Flamme steht.Als nächstes die Paprika, dann die Zucchini, die Zwiebel und zuletzt die Aubergine anbraten und das angeröstete Gemüse jeweils mit in den Topf geben.Dann die Tomatenstücke, den zerdrückten Knoblauch und den Zucker zufügen. Solange köcheln lassen, bis das Gemüse gar, aber noch bissfest ist (ca. 20-30 Minuten). Die Kräuter hinzugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Je nach Geschmack noch ein wenig mit Kräutern nachwürzen.
Als Beilage passt so gut wie alles. Kartoffeln, Reis, Nudeln, ein Stück Baguette oder einfach nur Ratatouille pur. Erlaubt ist das, was schmeckt. Also einfach mal mit verschiedenen Gemüsesorten experimentieren und auch Kräuter wie Basilikum, Majoran, Oregano, Lavendel oder Salbei sind willkommen.Guten Appetit!
Übrigens: Alle 14 Tage geht Freitags um 21:30 Uhr in Hobrechtsfelde der Film ab.Wen die ständig offene Klotür nicht stört: Nebenan gibt es Eis, Popcorn, Cola, Bier und alles, was der Kino-Freak so braucht.
Foto: Grit (pixelio.de)
Schutz gegen Glatzen

"Der beste Schutz gegen Haarausfall ist eine Glatze." meinte Telly Savalas. Er war ein US-amerikanischer Schauspieler, der vor allem mit seiner Rolle als Ltd. Kojak in "Einsatz in Manhattan" bekannt wurde.
Foto: Clarissa Schwarz (pixelio.de)
Freitag, 25. Juli 2008
Obamas Fanclub

"I don't believe in magic
I don't believe in I-ching
I don't believe in Bible
I don't believe in Tarot
I don't believe in Hitler
I don't believe in Jesus
I don't believe in Kennedy
I don't believe in Buddha
I don't believe in Mantra
I don't believe in Gita
I don't believe in Yoga
I don't believe in Kings
I don't believe in Elvis
I don't believe in Zimmerman
I don't believe in Beatles
I just believe in me...and that reality..."
200.000 gläubige Fans bewunderten gestern Barack Obama an der Siegessäule in Berlin. Natürlich verstehe ich, dass man sich die USA so wünscht, wie sie immer in den Medien dargestellt werden und deshalb Obama wie einen Popstar verehrt. Und alles ist besser als Schorschdabbelju. Aber wenn wir ehrlich sind: Verändern kann Obama nichts. Er ist bereits bei den Todesurteilen und beim Waffenbesitz umgefallen und d e r Schwerpunkt seiner Außenpolitik - wenn er denn Präsident ist - wird darin liegen, die europäischen NATO-Staaten und damit vor allem Deutschland noch mehr in den Afghanistan-Krieg hineinzuziehen.Alles andere sind Wunschträume. Er kann aus dem Irak keine Truppen abziehen, denn dort ist nichts besser geworden und wird nichts besser, auch wenn man es ständig predigt. Nicht umsonst streiten sich die EU-Innenminister gerade um höhere Aufnahmequoten für Irakflüchtlinge. Er kann nicht abrüsten oder gar die gigantischen Rüstungsprogramme stoppen, denn dann geht die angeschlagene US-Wirtschaft erst recht den Bach runter. Er kann die Umwelt nicht besser schützen oder gar die Küstengebiete, die Bush gerade zur Plünderung freigegeben hat, wieder schützen lassen. Dagegen sprechen ebenfalls wirtschaftliche, aber vor allem strategische Gründe.Er sitzt in der Falle, die Osama bin Laden den Amis gestellt hat, mit allen Konsequenzen: weiterer wirtschaftlicher und sozialer Niedergang, tote und verstümmelte Soldaten und eine Riesen-Selbstmordrate in der Army und letztlich eine gelähmte Politik, die immer mehr Grundrechte der Bürger abbauen muss. Und wir sitzen mit in dieser Falle, in Treue fest.Dass sich unsere Möchtegern-Weltpolitiker wie Merkel, Steinmeier und Kanzlerkandidat Wowereit in Obamas Glanz suhlten, war mehr als peinlich, aber verwundert auch nicht mehr. Und, wenn wir weiter ehrlich sind: In den USA ist es wohl schon ein Fortschritt, wenn ein Präsident nicht besoffen von der Couch fällt und danach alle Brezeln verboten werden. Ach,übrigens: I don't believe in Obama...
Liedtext: "God" von John Lennon
Foto: "Siegessäule mit Lampe" (Schakatak, pixelio.de)
Donnerstag, 24. Juli 2008
Keine DDR-Nostalgie
Ich möchte hier wirklich keine DDR-Nostalgie betreiben, denn Honecker, Mielke und den Rest der kleinen, miesen Strolche möchte wohl hier wirklich niemand zurück haben. Allerdings hat mir folgender Versuch einer Definition des Unterschieds zwischen den Gesellschaftsordnungen Sozialismus und Kapitalismus sehr gefallen, weil sie meines Erachtens der Wahrheit sehr,sehr nahe kommt:

Und nichts beschreibt mein mieses Gefühl, dass mich immer dann befällt, wenn irgend jemand der herrschenden Klasse oder des indoktrinierten Volkes diese Bundesrepublik Deutschland und ihr ach so demokratisches und freiheitliches System über allen Klee und Verstand lobt, besser als dieses Pictogramm.

Und nichts beschreibt mein mieses Gefühl, dass mich immer dann befällt, wenn irgend jemand der herrschenden Klasse oder des indoktrinierten Volkes diese Bundesrepublik Deutschland und ihr ach so demokratisches und freiheitliches System über allen Klee und Verstand lobt, besser als dieses Pictogramm.
Vernunft und Glauben

"Wenn die Vernunft ein Geschenk des Himmels ist und wenn man vom Glauben das gleiche sagen kann, so hat uns der Himmel zwei unvereinbare, einander widersprechende Geschenke gemacht." meinte Denis Diderot (* 5. Oktober 1713 in Langres/Champagne-Ardenne; † 31. Juli 1784 in Paris.Er war ein französischer Schriftsteller. Zu Lebzeiten weniger bekannt als etwa Voltaire oder Rousseau, gilt Diderot heute als einer der originellsten Köpfe der europäischen Aufklärung.
Foto: Gerd Altmann (pixelio.de)
Dienstag, 22. Juli 2008
Sehnsucht nach Kakeldütt*
Gestern gegen 10 Uhr in der Früh: Ein mittleres Erdbeben erschüttert meinen Schreibtisch. Ein Blick aus dem Fenster beruhigt mich etwas, lässt mich aber wieder einmal nur den Kopf schütteln. Mein Nachbar Ingolf ist mit einem leibhaftigen Presslufthammer dabei, den Belag seiner Terrasse abzureissen. Ingolf ist einer jener fürchterlichen Nachbarn, die ständig unter gewaltigem Lärmaufwand irgendetwas zu fummeln haben. Bei ihm sind das vorzugsweise lärmige Betonarbeiten,die den Gesamteindruck seines Grundstücks ständig verschlimmbessern und es langsam in einen gemütlich-betonierten Bärenzwinger verwandeln. Wenn er nicht gerade dreimal in der Woche die Wurzeln seines Rasen trimmt, bedient er einen Betonmischer und rennt mit Zementsäcken durch den Garten. Aber auch mit dem Rasenmäher beglückt er uns heute noch, denn als ich um halb sechs vom Briefkasten komme, mäht er tatsächlich irgendetwas. Gras kann es nicht sein, denn das ist seit Freitag der Vorwoche doch noch nicht wirklich gewachsen. Die Hauptsache scheint wie immer der produzierte Lärm zu sein.Wieder ein Grund mehr, das nächste Eigenheim im Industriegebiet zu bauen, denn da ist irgendwann Feierabend und am Wochenende sowieso Ruhe. Wen wundert es, dass ich mich wehmütig an unseren schönen Urlaub erinnere und wünschte, wir wären wieder in Kakeldütt?
*Kakeldütt ist ein kleiner Ort im Müritz-Nationalpark, malerisch direkt an der Havel gelegen, die hier noch sehr schmal ist. Einen Eindruck vermittelt das Foto. Eine Ferienwohnung direkt an der Havel bucht man hier.
Foto: Havel mit Bootshäusern bei Kakeldütt/Blankenförde (© fv 2008)
Montag, 21. Juli 2008
Schimanski kann einfach nicht sterben

Zwei Bemerkungen am Anfang:
1. Götz George hat ebenfalls in diesen Tagen runden Geburtstag, er wird geschätzte 120 und ist damit etwa 14 Jahre älter als Hannes Heesters.
2. Es gibt Gegenden in Deutschland, da möchte man nicht tot über den Zaun hängen. Seit einiger Zeit gehört für mich auch das Ruhrgebiet dazu.
Den runden Geburtstag von Götz George benutzte die ARD dazu, mit unseren Fernsehgebühren wieder mal in eine neue Folge von "Schimansky" zu investieren. Na ja. Wie immer wurden sämtliche Probleme dieser Welt in 90 Minuten gepackt,vor lauter Heulen konnte man fast den Bildschirm nicht mehr erkennen. Abgewrackte Typen, Rauschgiftsüchtige, Dealer, Strolche, Perverse wohin man blickt. Der einzige aufrechte Held der Arbeiterklasse unter Mordverdacht, die Erinnerungen an bessere Zeiten helfen ihm auch nicht. Die Hochöfen und Fabriken stehen längst still, es kommt die Frage auf, warum man nicht wie vor 15 Jahren in Ostdeutschland die ganze Chose gleich nach Rotchina verkauft,die machen neuen Stahl draus.Einzige Erkenntnis des Films: 1987 konnte man es den Krupps und Flicks noch zeigen, wenn man mal streikte.Heute ist man chancenlos, denn die Chinesen haben aus ihrem "großen Sprung" gelernt und das globalisierte Kapital hat den großen Sprung längst vollzogen.
So schleppt sich die Handlung dahin, um 21:05 Uhr ist es längst nicht mehr wichtig, wer der Mörder ist. Es fehlen nur noch der Neonazi, der abgefackelte Dönerstand, Kinderschändung, Kindermord und Inzest. Kommen wahrscheinlich noch, sonst war ja schon alles drin. Auch der früher recht lustige Holländer Hänsgen hellt die Handlung nicht mehr auf, ich schalte endlich aus und gehe ein Buch lesen...
Zwei Bemerkungen zum Schluß:
1. "Schimmy" sollte wirklich langsam sterben.
2. Warum können Heesters und George nicht endlich in den Ruhestand gehen ?
Foto:"Die Bretter, die die Welt bedeuten?" (knipseline, pixelio.de)
Sonntag, 20. Juli 2008
Diana Rigg zum 70. Geburtstag

"Mrs. Peel, wir werden gebraucht!" Mit diesen Worten begann in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts jede Folge einer faszinierenden Abenteuerserie im Fernsehen. John Steed forderte mit diesem Satz seine Partnerin Emma Peel auf, ihm bei der Klärung ominöser Vorgänge in der englischen Gesellschaft zu helfen."The Avengers" (Deutsch: Mit Schirm, Charme und Melone) - ein Straßenfeger, wie man so schön sagte, weil zum Sendetermin regelmäßig die Straßen wie leer gefegt waren - lebte vor allem wegen der sympathischen Hauptdarstellerin Diana Rigg alias Emma Peel. Emma war eine sehr schöne Frau. Sie beherrschte Karate und Judo, konnte mit nahezu jeder Waffe umgehen,liebte schnelle Autos und hatte einen extravaganten Mode- und Einrichtungsgeschmack. Und sie war die erste Frau im Film, die auch mal Männer bzw. besser gesagt: Schurken verprügeln durfte. Diese hervorragenden Eigenschaften der weiblichen Hauptperson - neben ihrem sexy Outfit - brachten einige Kritiker Ende der 90er Jahre zu der Aussage, dass Diana Rigg mehr für die Emanzipation der Frauen im Westen Deutschland getan hat als Alice Schwarzer. Womit sie wohl auch aus rein visuellen Gründen Recht hatten...
Diana Rigg wird heute 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!
Foto: Claudia Hautumm
Attacken gegen die Iren

Sie lassen nicht locker: Nachdem man dem irischen Volk in wüsten Anschuldigungen ob seines Vetos gegen den EU-Vertrag die demokratische Reife abgesprochen hatte und Irland sogar aus der EU rausschmeissen wollte, wühlen die Anstifter der Tiraden im Untergrund weiter. Immer mit dabei sind Pippin der Kurze, auch Sarkozy genannt, und die schöne Angela. Manche Menschen strömen im Alter etwas Weisheit aus. Aus diesem Grunde hat wohl die "Zeit" in ihrem Magazin vom 17. Juli 2008 den Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt interviewt. Schmidt, in seinen aktiven Zeiten ein rechter Kotzbrocken und Scharfmacher, gibt heute ab und zu Anwandlungen von Systemkritik nach, wobei man wirklich nicht vergessen sollte, dass er es früher auch nicht besser konnte und vor allem wollte. Hier also ein Zitat aus dem Interview:
" Zeit: Und nun haben auch die Iren mit "Nein" gestimmt. Sie verstehen den Verdruss vieler Bürger ?
Schmidt: Ich verstehe ihn nicht nur, ich teile ihn. Ich teile den Ärger über das Überhandnehmen der Bürokratie in Brüssel. Ich teile den Ärger über enthusiastsiche Sonntagsreden, welche einige Politiker mit der Regelmäßigkeit von Kirchenfesten vom Stapel lassen, ohne dass sie es fertigbringen, die Regeln ihres Zusammenspiels effektiv zu gestalten. Wir haben einen Zustand, in dem nicht einmal ein erstklassiger Jurist auf Anhieb sagen kann, was von den vielen Verträgen noch gilt und was nicht mehr gilt. Wie soll ein normaler Bürger in Fulda oder Toulouse verstehen, was Europa ist? "
Noch Fragen ?
Grafik: "Europa-Erweiterung" (Gert Altmann, pixelio.de)
Freitag, 18. Juli 2008
Bildung für alle ?

Bereits im Jahre 1965 setzte sich das Kabarett der Berliner "Stachelschweine" mit der Bildungspolitik in (West-)Deutschland auseinander und brachte die Verhältnisse wunderbar auf den Punkt.Ich zitiere:
„Solange die Staaten sich nur Lehrer für 600 Mark leisten können,bleiben die Völker so dämlich, dass sie sich Kriege für 600 Milliarden leisten müssen.“
Und je dämlicher ein Volk, desto mehr kann man es an der Nase herumführen. Woher kommt es nur, dass diese alten Weisheiten immer noch aktuell sind bzw. erst heute so richtig aktuell werden? Lehrermangel und dadurch ausfallende Stunden in Berlin, Schulschließungen in Brandenburg, PISA, die Querelen um das sogenannte Turbo-Abitur auf der einen Seite. Ständig weiter ausufernde Bundeswehreinsätze in Afghanistan und dem Rest der Welt, öffentliche Gelöbnisse einer Armee, die seit Jahren verfassungswidrig eingesetzt wird, das "Knabbern" führender SPD-Genossen an den eigenen Beschlüssen zum Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner-Heide, die drohenden Wolken aus Obamastan, die davon zeugen, dass der Präsidentschaftskandididat der Demokraten nun wirklich nicht einen Deut schlauer zu sein scheint als Bush oder McCain, wie seine markigen Sprüche zeigen. Hängt das eventuell zusammen ?
Foto: Holger Knecht (pixelio.de)
Bosheit

"Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen."
sagte Albert Einstein(14.03.1879 - 18.04.1955). Er war ein deutscher Physiker und Nobelpreisträger.Allerdings wird es dann ganz schlimm, wenn man uns täglich einredet, dass die Bösen eigentlich die Guten wären...
Bild: sirknippsalo, pixelio.de
Mittwoch, 16. Juli 2008
Mittelalter pur - das ist Brandenburg

Theodor Fontane soll mal gesagt haben, dass man am Zustand seiner Straßen und seiner Schulen den Zustand eines Landes erkennen kann. Zweifellos hat dieser Satz einen wahren Kern und nimmt man ihn wörtlich, ist es um Brandenburg mehr als schlecht bestellt.Die Lokalpresse berichtet heute - pünktlich zum Ausklang des Schuljahres- dass in Brandenburg erneut 16 Schulen geschlossen werden. Betroffen seien drei Grundschulen, vier Gymnasien - darunter zwei in Frankfurt (Oder) - sowie neun Oberschulen.Im vergangenen Jahr sind landesweit 39 Schulen wegen sinkender Schülerzahlen geschlossen worden. Zum Ende dieses Schuljahres werden zudem acht Gesamtschulen in Oberschulen umgewandelt und verlieren dadurch langfristig ihre Oberstufe.So müssen z.B Biesenthaler Schüler jetzt nach Bernau.
Reden wir mal nicht vom Volksvermögen der Schulgebäude, das da in der Gegend herumsteht und vergammelt.Jeder Baumensch weiss, dass man ein leerstehendes Gebäude spätestens nach 5 Jahren eigentlich nur noch abreißen kann. Reden wir auch nicht von der Verschwendung der knapper werdenden fossilen Treibstoffe durch den wahnsinnigen Busverkehr. Reden wir einfach mal von einer versauten, vergeudeten Jugend, die sich überwiegend im öffentlichen Personennahverkehr abspielt.Und reden wir dann mal von der Scheinheiligkeit vieler Politiker, die das Abitur nach 12 Jahren - das sogenannte Turbo-Abitur - am liebsten wieder abschaffen möchten, weil es die Schüler so sehr belastet. Es ist klar, dass niemand ein Abitur in 12 Jahren schaffen kann, wenn er wenigstens 2 Jahre seiner Schulzeit im Bus versitzt...
Foto: Norbert Leipold (pixelio.de)
Dienstag, 15. Juli 2008
Gefangenschaft des Geistes

"Die goldene Zeit der Geistlichkeit fiel immer in die Gefangenschaft des menschlichen Geistes." sagte Johann Christoph Friedrich von Schiller, 10.11.1759 - 09.05.1805. Er war ein
deutscher Schriftsteller und begründete zusammen mit Johann Wolfgang von Goethe die Weimarer Klassik.
Nachdem sich anhand einer langen Reihe von DNA-Analysen herausgestellt hat, dass sich in der Weimarer Fürstengruft weder Schillers Schädel noch sein Skelett befinden, schrieb der "Spiegel" in einem sehr interessanten und lesenswerten Artikel : "Anders als Goethe, der sich mit weltlichen Machthabern gut zu arrangieren wusste, hat Schiller sich zuletzt aus dem Staub gemacht. Er, der Luftgeist, der seit seiner Kindheit ein Tyrannen-Trauma hatte, der "Weltbürger, der keinem Fürsten dient" - er ist der Fürstengruft entkommen. Schiller ist nicht mehr unser, er ist frei."
Ich möchte dieser Meinung widersprechen: Gerade sein Tyrannen-Trauma macht ihn für uns heute immer noch wichtig und wieder interessant.Er ist wieder unser, denn dieses Tyrannen-Trauma müssen wir uns als Form einer speziellen Wachsamkeit heutzutage ganz schnell wieder zu Eigen machen...
Foto: Schillerstraße (elsa, pixelio.de)
Montag, 14. Juli 2008
Der Klettergarten in Hobrechtsfelde

Seit genau zwei Jahren steht er nun schon: Der Klettergarten in Hobrechtsfelde. Die "Märkische Oderzeitung" schrieb damals zur Eröffnung:" Ziel des insgesamt 240 000 Euro teuren Unterfangens - es wurde zu 75 Prozent gefördert - war die Belebung des 170-Seelen-Ortsteils Hobrechtsfelde mit seinem morbiden Charme. Der Panketaler Bürgermeister Rainer Fornell hatte die Idee, dort einen Klettergarten zu errichten und ihn an einen Rad-/Skaterweg anzuschließen." Nun muß alles, was Politik so anrichtet, von Zeit zu Zeit hinterfragt werden, vor allem wenn 200.000 € Fördermittel drinstecken. Also machten sich M., der Willy und ich gestern vormittag auf zu einer Wanderung nach Hobrechtsfelde.Der Weg war das Ziel, ganz nebenbei entdeckten wir wieder etwas, was uns - um es vorweg zu sagen - nur mit Verwunderung und Zorn erfüllen konnte: Es war Sonntag vormittag gegen 11 Uhr, nicht zu heiß und nicht zu kalt, es regnete nicht. Der morbide Charme Hobrechtsfeldes ist leider immer noch vorhanden, laut Meyers Lexikon bedeutet morbid [lateinisch] kränklich, im (sittlichen) Verfall begriffen, morsch.Die Häuser werden wohl bald in sich zusammen fallen, die Höfe böten einen prima Hintergrund für Aufnahmen aus brasilianischen Favelas. Dann der Kletterpark: Die SG Einheit Zepernick als Betreiber hattte einst einen Platzmeister fest und zwölf Trainer auf Honorarbasis angestellt.Niemand zu sehen, der sich um uns als potentielle Kunden kümmern würde. Statt dessen bewundern wir ein 1 x 2 m großes Verbotsschild, auf dem alles geregelt erscheint, was nur zu regeln geht. Vom Parken, über das Eisessen bis zum Toilettenbesuch - alles geregelt. Das Schild steht zur Abschreckung marketinggerecht gleich vorn an der Eingangstür.Die Toilettentür ebenfalls gleich vorn am kleinen Funktionsgebäude steht einladend weit offen. Kultur, wohin man blickt.Der Gesamteindruck katastrophal. Ich stelle mir vor, ich wäre ausländischer Tourist mit marginalen Deutschkenntnissen und träfe zuerst auf ein riesiges Verbotsschild und eine offene Klotür. Menschen oder gar Kunden sind auf dem Gelände des Kletterparkes folgerichtig nicht zu sehen. Die Stämme und Seile rotten langsam und einsam vor sich hin.Wir drehen auf dem Absatz um und entgehen so wahrscheinlich dem nächsten Schock, nämlich dem über die Eintrittsgelder.Ein Schnupperkurs von 2 Stunden kostet 20 Euro, ein Klacks, oder ?
Um zur Erinnerung noch einmal die Politik zu zitieren: Hans-Joachim Bernhardt, CDU-Fraktionsvorsitzender in Panketal, sah bei der Eröffnung 2006 den Klettergarten "als Initialzündung für Hobrechtsfeldes Zukunft". "Alle Gemeindevertreter sollten jetzt dafür etwas tun und nicht abwarten, wie es sich entwickelt", sagte er. Dass die 18 500-Einwohner-Gemeinde Panketal "für ihren kleinen, abgelegenen Ortsteil sich so engagiert" imponierte Landrat Bodo Ihrke. Andere täten sich schon schwer, vernünftige Straßen in Ortsteile zu bauen.Wie recht der Landrat hatte! Die Straße durch Hobrechtsfelde - eine wichtige und vielbefahrene Verbindung nicht nur für Schönower nach Berlin und zur S-Bahn - liegt immer noch in der Landschaft, wie Gott sie vor der Sintflut schuf. Dafür gibt es aber parallel dazu einen neuen wunderbaren Skaterweg, den die Leute, die sich auf der miesen Straße an jedem Werktag auf dem Weg zur Arbeit die Stoßdämpfer und das Rückgrat ruinieren, mit ihren Steuern finanziert haben.Das Motto lautet: Weg mit den Geldern, koste es was es wolle und möglichst ohne Sinn und Verstand. Neue Perspektiven entdecken - so ist Brandenburg.
Zitate: "MOZ" vom 14.Juli 2006
Foto: "Kletterkünstler" von Catfriend (pixelio.de)
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1. einzelne Werke nach dem Erscheinen in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
- 2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden..."
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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...