
Unter dem Vorwand der Rationalisierung will die Deutsche Post bis Ende 2011 bundesweit alle noch selbst betriebenen 475 Filialen aufgeben. Damit wird der Sparkurs des einstigen Staatsunternehmens - der auch heute noch größtenteils mit 30,5% der bundeseigenen KfW Bankengruppe gehört - bis zum bitteren Ende geführt. Zur Zeit gibt es bundesweit 14.000 Standorte, an denen Postdienste verkauft werden. 850 dieser Standorte sind Postbank-Finanzcenter, die von der Postbank betrieben werden. Da die Postbank in diesem Jahr inklusive Filialnetz zum Teil an die Deutsche Bank verkauft wurde, befinden sich diese Filialen künftig nicht mehr in der Hand der Post. Die übrigen mehr als 12.000 Standorte werden bereits von "fremden" Partnern geführt.
Angetreten waren die Privatisierer des ehemaligen Staatseigentums von CDU/CSU/SPD und FDP mit dem eingängigen Slogan, aus verschnarchten Ämtern und Beamten moderne Dienstleister zu machen. Bei Post und Bahn ging das total schief. Legendär ist wohl der Ausspruch des Bahn-Diktators Mehdorn, der von der Deutschen Bahn als einem "internationalen, modernen Logistikunternehmen" sprach. Den Beweis für diese Behauptung blieb er allerdings schuldig. Die S-Bahnkrise in Berlin bewies eher das Gegenteil des forschen Spruches.
Mit dem Verkauf der letzten "Postämter" wird nun die Marke "Post" vollends tot geschlagen. Neben dem Ausverkauf der Filialen schränkt man auch den Service immer weiter ein: So hat die Post gerade eingeräumt, über den Sommer ihre Leistungen abgebaut zu haben. Überregionale Sendungen werden sonntags nicht mehr sortiert - die Briefe kommen dann erst dienstags an. Die Beschwerden häufen sich. "Es geht darum, die Produktionskapazität dem Briefaufkommen anzupassen", sagte Post-Sprecherin Barbara Scheil der "Berliner Zeitung". Dieses sinke im Juli und August auf etwa 80 Prozent des Jahresniveaus. Das Unternehmen habe deshalb eine Reihe von Leistungseinschränkungen vorgenommen.Auch bei der Bundesnetzagentur nahmen die Kundenbeschwerden zu. "Solange die Deutsche Post AG ihren Universaldienst erbringt - und das tut sie - gibt es für uns aber keinen Grund, etwas zu beanstanden," sagte eine Sprecherin der Behörde.
Bei uns in Schönow wird der Postverkehr des Ortes schon seit einigen Jahren im ortsansässigen Angelladen abgewickelt. Neben Würmern und Angelhaken sind Verkauf und Abwicklung von Postdienstleistungen für die Eigentümer des Ladens eher nebensächlich und der Postkunde scheint ein Fremdkörper in diesem Laden zu sein. Schon lange bin ich dazu übergegangen, meine Briefmarken und Paketscheine online zu bezahlen und auszudrucken und dafür auch nicht zu knapp in Etiketten und Druckertinte zu investieren, ohne allerdings für diesen privat getragenen Aufwand von der Post einen Rabatt eingeräumt zu bekommen. Wegen Postbankdienstleistungen fahren wir lieber nach Bernau, wo eine etwas größere Poststelle seit einigen Jahren bei McPaper im Laden arbeitet.Das alte, schöne Reichspostgebäude am Bernauer Bahnhof wurde natürlich verkauft und soll dem Vernehmen nach demnächst in einen Puff umgewandelt werden. Was für ein Abstieg, nicht nur für das Gebäude.
So kann man wohl reinen Gewissens behaupten, dass die Privatisierung der Post voll in die Hose gegangen ist. Das einzige, was gut ging, war wieder einmal die Privatisierung der Gewinne. Für den Kunden des "modernen Dienstleisters" bedeutet der Ausverkauf der Deutschen Post vor allem weniger Service und mehr Aufwand, letzlich auch massiven Abbau von Lebensqualität...
Foto: Schneckenpost (Günter Havlena, www.pixelio.de)
Danke für diesen Beitrag sagt die traurige "Christel von der Post".
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