
Gestern in brüllender Hitze nach Berlin, in Tempelhof einen Kunden besuchen. Um die Mittagszeit nervt der knurrende Magen. Eigentlich hatte ich schon seit Monaten vor, mal wieder eine Currywurst bei Konnopke in der Schönhauser Allee zu essen. Also, ich muss sowieso nach Nordosten, auf einen ganz kleinen Umweg kommt es nicht an.Finde auch gleich einen Parkplatz, wegen der Hitze stehen nicht so viele Leute an der Wurstbude an wie gewöhnlich.Bilde ich es mir ein, oder wird man freundlicher behandelt, wenn man die Currywurst im Stück bestellt und sich so als Eingeborener ausweist? (Die gehäckselte Wurst ist für mich ein typisch Westberliner Frontstadt-Produkt, die sind offensichtlich sogar zum Kauen zu faul. Dabei entfaltet sich der typische Currywurstgeschmack für mich erst beim Reinbeissen.) Beim Essen und Geniessen bleibt Zeit für einen Rundblick. Ich freue mich an den wuselnden Menschenmassen und so leer ist es auch nicht mehr am Wurststand. Rings herum sind in der Schönhauser Allee viele neue Kneipen entstanden, u.a. auch welche zum Wasserpfeiferauchen.Während man sich gerade wieder einmal die Mäuler am gekippten Rauchverbot zerfetzt, sind diese sogenannten Shisha-Kneipen scheinbar ganz doll "in". Dabei ist die Wasserpfeife doch noch viel gefährlicher als eine Zigarette. Aber da es sich sicher um wertvolles morgenländisches Kulturgut handelt, drückt man wohl wieder alle Hühneraugen zu. Ähnlich wie die benachbarte Kastanienallee scheint sich die Schönhauser zur Schickimicki-Gegend zu entwickeln. Ich weiss nicht, ob ich mich darüber freuen soll.Weitere sozialkritische Gedanken vertreibt ein kleiner Spatz, der so frech auf meinem Tisch landet, dass ich ihm sogleich meine verbale Ablehnung seiner unverschämten Bettelei an den hübschen Kopf werfe. Da fällt mir gerade noch rechtzeitig ein, dass der Haussperling schon auf der "Roten Liste" der bedrohten Vögel steht. Die frechen Knopfaugen sehen mich so lieb an, ich kann nicht anders: Der kleine Kerl bekommt einen großen Brocken von meinem Brötchen und fliegt erstmal zum Essen. Minuten später ist er wieder da und trinkt nach - am Hundenapf, dass die Konnopkes hier fürsorglich aufgestellt haben. Mach's gut kleiner Kerl, ich wünsche Dir ein langes, gesundes Leben und uns viele Deiner Nachkommen. Auf dem Weg nach Hause erinnere ich mich noch an mein erstes (Wiener) Würstchen hier am gleichen Ort, dass mir in den fünfziger Jahren mein Vater gekauft hatte. Ein ganzes Menschenleben im wahrsten Sinne rund um die Wurst...
Foto: Spatz (apole, pixelio.de)
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