
Das Denkmal für die Opfer des Faschismus in Schönow, heute ein Ortsteil von Bernau, wurde 1947 auf dem Dorfanger neben der Kirche errichtet.Es handelt sich um eine dreiteilige Denkmalanlage aus Naturstein, die 1969, zum 30. Jahrestag der DDR, und noch einmal 1997 überarbeitet wurde. Zwei Stelen rechts und links vom niedrigeren Mittelteil weisen das Symbol des dreieckigen Häftlingswinkels auf, der in einer ungewöhnlichen Form ornamental verarbeitet wurde.
Auf der Gedenktafel aus dem Jahre 1947 stehen die Namen und Daten von sechs durch die Nazis ermordeten Menschen:
„WOLFGANG KNABE 30.11.43 / 11.2.09; WILLI SENG 27.7.44 / 22.2.12 ; ELLI VOIGT 8.12.44 / 26. 8.99; AUGUSTE HAASE 8.12.44 / 29.5.02 ; ERICH MIELKE 15.1.45 / 8.12.80; WALDEMAR PLOTECK 15.1.45“.
Diese Widerstandskämpfer waren Einwohner von Schönow. Wolfgang Knabe war Mitglied der verbotenen SPD. Sein Verbrechen war, dass er einem jungen Juden, dem 26-jährigen Felix Heymann aus der Widerstandsgruppe Herbert Baums Quartier auf seiner Flucht gegeben hatte. Aufgrund der Misshandlungen in der Untersuchungshaft der Nazis musste er auf einer Trage in den Gerichtssaal gebracht werden. Er starb im Gefängnis Moabit an den Folgen dieser Folter.
Die anderen geehrten Widerstandskämpfer waren Mitglieder der KPD. Willi Seng, aus der Sowjetunion ins nationalsozialistische Deutschland geschickter ZK-Beauftragter, wurde in Köln-Klingelpütz umgebracht. Elli Voigt und Auguste Haase, beide Mitglieder der Anton-Saefkow- Gruppe, die gemeinsam sowjetische und französische Zwangsarbeiter unterstützten und Solidaritätsaktionen organisierten, wurden in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Erich Mielke (der nichts mit dem Minister für Staatssicherheit der DDR zu tun hatte) trat in Kontakt mit französischen Zwangsarbeitern und wurde in Brandenburg-Görden ermordet, Waldemar Ploteck war ehemals Leiter des Rot-Front-Kämpferbundes in Schönow.
Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sind unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet worden. Ihnen allen ist der Artikel 1 unseres Grundgesetzes gewidmet, in dem es heißt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt."
Und es ist Verpflichtung für uns alle, jeden Tag für diese Würde einzutreten...
Hallo Frank,
AntwortenLöschenEhrendes Gedenken! Die Beschreibung ist sehr interessant, gelungen, Dank dafür.
In Flanders Fields,
Nadja