
... der Arbeitnehmer, die Hartz IV-Einführer, Armani-und Zigarren-Träger, Banken-Sanierer (koste es uns, was es wolle), Steuer-und Beitragserhöher, Ein-Euro-Jobs-Statistikfälscher, Arbeitszeitverlängerer und Rentenlügner, Verfassungsänderer,Verfasser von Otto-Katalogen, Bundeswehr-an-den-Hindukusch-Schicker, Durchpeitscher von Notstandsgesetzen, Diätenerhöher,Den-kleinen-Mann--kaputt-"Reformierer",Wahlignorierer und Koch-Lieblinge vom Stile Schröder, Müntefehring, Struck, Steinmeier, Steinbrück, Schily, Schüler-Pümpel, Plattscheck und wie sie alle im Hintergrund noch heißen mögen, die wirklich jeden Dreck aus den Denkfabriken des Kapitals absegnen und diesem Dreck dann vielleicht ein buntes Pflaster aufkleben:
Eines aber möchten wir in absehbarer Zeit gewiß nicht hören: Das jammervolle Geächz der aus der Regierung herausgeworfenen Sozialdemokraten, weil man sie dann grade so behandeln wird, wie sie heute den Reaktionären helfen, die Arbeiter zu behandeln.
Eines Tages wird es soweit sein. Die furchtbare Drohung, sich nunmehr bald an die frische Luft zu verfügen,wird von der Partei wahrgemacht werden, wahrscheinlich eine halbe Minute, bevor man sie auch in aller Förmlichkeit bitten wird, den Tempel zu räumen. Und dann wird sich die Führung besinnen: Jetzt sind wir in der Opposition. Mit einem großen O. Wie macht man das doch gleich...?
Da werden sie dann die Mottenkisten aufmachen, in denen -ach, ist das lange her! - die guten, alten Revolutionsjacken modern, so lange nicht getragen, so lange nicht gebraucht! Werden ihnen zu eng geworden sein.Und dann frisch als Sansculotten maskiert, vor auf die Szene. „Die Partei protestiert auf das nachdrücklichste gegen die Gewaltmaßnahmen..." Herunter! Abtreten! Faule Äpfel! Schluß!
Schluß!
Die werden sich wundern. Und sie werden keinen schönen Anblick bieten. Denn nichts ist schrecklicher als eine zu jedem Kompromiß bereite Partei, die plötzlich Unnachgiebigkeit markieren soll. Millionen ihrer Anhänger sind das gar nicht mehr gewöhnt; die Gewerkschaftsbürokratie auch nicht, für die uns allerdings nicht
bange ist: Es findet sich da immer noch ein Unterkommen. Wären die Stahlhelm-Industriellen nicht so maßlos unintelligent - sie könnten sich das Leben mit denen da schon heute wesentlich leichter machen. Sie werden es sich leicht machen.
Alles gut und schön. Aber erzählt uns ja nichts von: Recht auf die Straße; Polizeiwillkür; Verfassung; Freiheit.. erzählt sonst alles, was ihr lustig seid. Aber dieses eine jemals wieder zu sagen - das habtihr verscherzt."
Kurt Tucholsky 1931
Bild: "Es reicht" (Gerd Altmann, www.pixelio.de)
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