
Zunächst hatte ich angenommen, die Nachfolgebehörde des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit, die BStU oder Birthler-Behörde, wäre von der Auswertung von Stasi-Akten zur Produktion derselben übergegangen. Zu unglaublich war die Nachricht: Nach Erkenntnissen der Birthlerbehörde war der Westberliner Polizeibeamte Karl-Heinz Kurras seit 1955 als IM für die Stasi tätig. Der Kriminalobermeister erschoss am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration in Westberlin unter ungeklärten Umständen den Studenten Benno Ohnesorg. Der Tod Ohnesorgs und der zweimalige Freispruch für Kurras vor Gericht gelten als eine Ursache für die Ausbreitung und Radikalisierung der damaligen westdeutschen Studentenbewegung. In den Akten findet sich aber kein Hinweis darauf, dass Kurras von DDR-Seite beauftragt wurde, am 2. Juni 1967 zu schießen.
Nichtdestotrotz m u s s man jetzt einfach die 68er-Bewegung völlig neu bewerten - nämlich als großen Irrtum. Denken wir nur mal an die im Ergebnis der Todesschüsse entstandene Baader-Meinhof-Gruppe, die Rote-Armee-Fraktion oder die "Bewegung 2. Juni". Plötzlich sind das alles Kampfgruppen gegen den Kommunismus gewesen und ihre Mitglieder bekommen eventuell postum das Bundesverdienstkreuz. Wahrscheinlich waren die Opfer dieser Anarchisten ebenfalls alles Stasi-Agenten und gar keine Repräsentanten des Bonner Staates ? Der Alt-68er, Steinewerfer und ehemalige Außenminister Josef Maria Fischer arbeitet bereits wieder als Taxifahrer und besucht zur Zeit einen Kursus, damit er endlich lernt, sich gegenüber Fahrgästen am Berliner Flughafen Tegel ordentlich zu benehmen. Auf der anderen Seite denken interessierte Westberliner Kreise daran, dem ehemaligen Minister für Staatssicherheit der DDR, Genossen Erich Mielke, ebenfalls postum die Ehrenbürgerschaft der Stadt zu verleihen. Schließlich hat Mielkes Manne Kurras mit seinen Schüssen dafür gesorgt, unter den Spießbürgern nicht nur im Westteil der Stadt, sondern im gesamten Westen Deutschlands über 42 Jahre lang die Mär von der kommunistischen Unterwanderung der damaligen Studenten aufrecht zu erhalten.
Spaß beiseite: Was bringt eine solche Nachricht ? Wem nützt sie, außer bestimmten Leuten im beginnenden Wahlkampf oder zur Delegitimierung der DDR? Ohnesorg ist immer noch tot. Dutschke wurde später aufgrund der Hetze der Springer-Presse angeschossen und überlebte nur knapp. Durchgeknallte, radikalisierte Kleinbürgerkindchen erschossen mehr oder weniger Beteiligte an den Ungerechtigkeiten des Bonner Staates, brachten viel Leid unter die Menschheit und änderten absolut NICHTS an den Verhältnissen. Im Gegenteil - ihre Untaten dienten als Vorwand für den Abbau von Bürgerrechten, der Staat konnte endlich einmal Härte zeigen. Die übrigen ehemaligen 68er traten ihren Marsch durch die Institutionen an, ließen sich mit regelmäßigen Gehältern oder Bezügen das Gehirn waschen und vergaßen, wofür sie einst angetreten waren. Und Kurras ? Der wurde vor deutschen Gerichten zweimal freigesprochen, eine deutsche Uniform macht keine Fehler. Was hat sich also mit den Enthüllungen von Birthler und Co. geändert ?
P.S. Herausragende neue Erkenntnisse sind wahrscheinlich erst zu erwarten, wenn die BStU endlich Honeckers Akte fertig hat...
Foto: Dein Freund und Helfer (Dieter Schütz, www.pixelio.de)
Wem es nützt? Mein erster Gedanke, als ich diese Meldung gehört hattte, war: Da will wohl eine Bundesrepublik, die gerade Geburtstag hat, schnell noch mal ein paar schwarze Flecken auf ihrer Weste beseitigen.
AntwortenLöschenMicha
NAch unbestätigten Berichten der "Titanic" ist jetzt Hitlers SED- Ausweis aufgetaucht. Die Stasi istt demnach auch Schuld am II. Weltkrieg.
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