Der Wiener Kongress (1814-1815) war ein europaweiter Friedenskongress nach den Napoleonischen Kriegen, der die politische Landkarte Europas neu ordnete, um die alte monarchische Ordnung (Restauration) wiederherzustellen, Legitimität und Solidarität der Herrscher zu sichern und ein Mächtegleichgewicht zu schaffen, was zur Gründung des Deutschen Bundes führte. Unter der Leitung Metternichs legten die Großmächte (Österreich, Russland, Großbritannien, Preußen, Frankreich) neue Grenzen fest und etablierten Prinzipien wie Legitimität und Restauration, um zukünftige Revolutionen zu verhindern und Stabilität zu gewährleisten, auch wenn er als "tanzender Kongress" für seinen prunkvollen Rahmen bekannt wurde.
Beschäftigt man sich etwas näher mit dieser Veranstaltung, die alles in allem nur ein dreiviertel Jahr dauerte, springen einem direkt die Ähnlichkeit mit der Jetztzeit ins Auge.
Feste, Liebesaffären, Skandale: auf vergleichbaren Tagungen heutzutage wird bei der Ankunft jedes einzelnen Herrschers ausgiebig informiert, wo er wohnt, welche Roben die Damen tragen, ob die begleitende Dame eventuell ein umgebauter Mann ist. Auch wieviele Damen des horizontalen Gewerbes zusätzlich anreisen müssen. Beispielsweise nach Davos in die prüde Schweiz.
Der Umfang aller in den Medien breitgetretenen Belanglosigkeiten beweist, dass die Journalisten in Wirklichkeit gar nicht wissen, was vorgeht. Der einzige Unterschied zu damals sind die elektronischen Medien, die uns zusätzlich zu den Gazetten heute mit allerlei breitgetretenen Quark aus der Sudelküche der Mächtigen versorgen - so ist uns überhaupt noch interessiert. Ob Münchner Sicherheitskonferenz, das Treffen der vermeintlich Mächtigen in Davos ( ja, auch Annalena und der Robert durften mal daran teilnehmen, bevor zumindest Annalena sich zur Weltregierung berufen fühlen durfte und in New York ihren Hammer schwingt) - ignoriert sie, sie wissen schon lange nicht mehr, was sie tun. Wußten sie es jemals?
Eine (wie man heute sagen würde) Hatespeech aus Volkes Mund dieser Zeit habe ich noch:
"Der Zar von Russland liebt für alle,
der König von Preußen denkt für alle,
der König von Dänemark spricht für alle,
der König von Bayern trinkt für alle,
der König von Württemberg frisst für alle,
und der Kaiser von Österreich zahlt für alle." (1)
Einige Dinge ändern sich nie, sie verschieben sich höchstens. Zum Beispiel von Württemberg zum neunmal"klugen" Wurstfresser nach Bayern. Und der Zahlmeister (mit geborgtem Geld) sitzt heute in Berlin.
Übrig bleibt bis in alle Ewigkeit Volkes Witz, heute gemeinhin Fakenews und Hatespeech genannt. Aber wenn man dann das bissige Bonmot aus der Gegenwart vom Unterschied zwischen den USA und einem Becher Joghurt berücksichtigt*, merkt man dann doch, dass sich mit dem Donny die Schwerpunkte etwas verschoben haben ...
* Auflösung: Wenn man einen Becher Joghurt 200 Jahre lang in Ruhe lässt, entwickelt sich eine Kultur.
(1) zitiert nach Sabine Ebert: 1815 Blut und Frieden, Knaur 2015

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