
Die unentgeltliche Fernsehzeitung "Prisma - Wochenmagazin zur Zeitung" liegt jeden Dienstag der abonnierten "Märkischen Oderzeitung" bei und ist alles andere als umsonst. Von Ausgabe zu Ausgabe wird das Blättchen besser, d. h. interessanter. Auf das Kreuzworträtsel warte ich inzwischen schon am Montag. Der Kurzkrimi ist zwar manchmal recht brav. Das bedeutet aber nicht, dass man am frühen Morgen, mit müdem Hirn und nüchternem Magen immer und in jedem Fall den Täter findet.
Gestern nun wurde im Ratgeberteil das Thema "Fremdschämen" behandelt. Schämen oder Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das sowohl durch Verletzung der Intimsphäre auftreten als auch auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben. Das Schamgefühl ist häufig von vegetativen Erscheinungen wie Erröten oder Herzklopfen begleitet und kann durch typische Reaktionen wie das Senken des Blickes ausgedrückt werden. Die Intensität der Empfindung reicht von der flüchtigen Anwandlung bis zur tiefsten Beklommenheit und geradezu tödlichen Scham. Schämen ist konstruktiv, weil Erkenntnisse freigesetzt wird.
Fremdschämen wiederum bedeutet, sich für etwas schämen, was gar nichts oder nur sehr peripher mit einem selbst zu tun hat. Die Betrachtung einer sich blamierenden oder auch von anderen balmierten Person führt zu sofortiger Auslösung eines Gefühls, sich schämen zu müssen. Fremdschämen beinhaltet keine rationale Abwertung einer Aktion, sondern findet rein unterbewusst statt und ist in Stärke und Ausprägung mit dem Eigenschämen vergleichbar. Gegenüber dem Eigenschämen fehlt beim Fremdschämen eine durch den Schämenden verursachte Grundlage.
Warum schämen wir uns für andere ? Angeblich resultiert die Konjunktur des Fremdschämens in der heutigen Zeit aus der Vielzahl der Casting-, Reality- und Talksshows im Fernsehen, die allesamt darauf basieren, dass sie ihre Kandidaten der Lächerlichkeit preisgeben. Man kann da manchmal gar nicht hingucken und schaltet gerne weg, weil man sich selber so unwohl fühlt, obwohl man mit der Sache nichts zu tun hat. Ein anderes gutes Beispiel ist eine Situation im Ausland, wenm ein Deutscher beobachtet, wie sich ein anderer Deutscher sichtlich daneben benimmt. So schämt sich der Beobachter dafür, dass er mit dem sich peinlich verhaltenden Landsmann die Nationalität teilt, dass er selbst von anderen dem Bild des „hässlichen Deutschen“ zugerechnet werden könnte. Außerdem kann er sich für sich selbst schämen, weil er die Situation nur beobachtet hat und nicht mutig eingeschritten ist, um die Situation zu retten. Fremdscham hat also auch nimmer etwas mit der eigenen Person zu tun, mit den eigenen Moralvorstellungen, den eigenen Ansichten und dem eigenen Gewissen. Um „Fremdscham“ zu spüren, muss man generell für Scham empfänglich sein. Das ist nicht jeder.
Gestern war wieder so ein Tag: Dieses Unbehagen, dieses Gruseln im Genick, dieses Schämen für dieses Land, in dem ich nun schon fast seit 20 Jahren beheimatet bin. Dieses Schämen für Deutschland. Zuerst das Urteil des Bundesverfassungsgericht zu den Hartz IV-Sätzen von Kindern. Dann die fast sofortige Reaktion der Täterbande, die schon wieder tönt, dass die Bezüge der 6,8 Millionen Hartz-IV-Bezieher nach diesem Urteil bis zum Jahresende nur neu berechnet werden müssen - was aber nicht heißt, daß sie auch steigen werden.
Nochmal zum Mitschreiben: Da muss das oberste deutsche Gericht den hochbezahlten Pfiffikussen aus diversen Bundesregierungen und den sogenannten Volksparteien regelmäßig die Arbeit machen. Der Anteil der in Armut lebenden Kinder steigt dabei ständig. Wir schicken 5350 Soldaten in ein völlig fremdes, weit entferntes Land, dass uns nichts angeht und schmeißen dafür Milliarden raus. In schöner Regelmäßigkeit werden die Truppenkontingente von einer total unfähigen und willfährigen Politkamarilla ohne jeden Widerspruch aufgestockt. Oder: Allein 90 Millionen Euro pro Jahr ist uns die sogenannte Birthler-Behörde wert. Eine Behörde, die man reinen Herzens als Fortsetzung des MfS mit rechtsstaatlichen Mitteln bezeichnen kann, denn sie stellt wie weiland Mielke einen großen Teil der Bevölkerung unter Generalverdacht und lebt von der Diffamierung und der gesellschaftlichen Ächtung ihrer Opfer. Und sie lebt nicht schlecht davon.
Für alles und jeden ist Geld da, nicht nur für abgestürzte Banker und verhungernde Hotelketten, sogar für Schweizer Datendiebe. Aber nicht für die Kinder, die Zukunft dieses Landes ? Und dann stellt man sich noch vor die Kameras und Mikrophone und begrüßt dieses Urteil ?
Liebe Merkel, lieber Steinmeier, lieber Westerwelle und lieber Özdemir, liebe Parteischranzen! Nehmt es mir nicht übel: Wäre ich z.B. Italiener, könnte ich über einen Typen wie Berlusconi lachen. Für Euch und Eure Parteien kann ich mich nur noch schämen. Ich schäme mich, dass Deutschland diese Politiker hat. Und schon lange packt mich nach der Scham die kalte Wut...
Foto: Hartz 4 (Harry Hautumm, www.pixelio.de)
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