
Allein der Name ist schon ein Witz, aber irgendwie auch Programm: "Märkische Oderzeitung". Früher hieß das Käseblatt "Neuer Tag" und jeder wusste, dass die SED-Bezirksleitung von Frankfurt an der Oder dahintersteckt. Heute weiss man nicht, wer dahinte
rsteckt. In jedem Fall kein einziger kluger Kopf, um mal die Reklame eines anderen, größeren Wurstblattes zu zitieren. Aber jedenfalls die Oder, denn weiter kann sich die Redaktion nicht zurückziehen, es sei denn, die ziehen gleich nach Polen. Würde manchmal auch nicht weiter auffallen. Ansonsten gibt es kein "Oder" in meiner Morgen- (deshalb hätte man den Namen "Neuer Tag" lassen sollen, ich lese sie ja immer am Morgen, also am NEUEN Tag) -zeitung, immer nur ein "Für" und das ist zu Zeiten schwierig. Wenn sich CDU und SPD zeitweise nicht grün sind oder die CDU in Brandenburg in sich zerstritten ist (was sie gottseidank fast immer ist, sonst wäre das Chaos noch größer) , weiss die "MOZ" nicht wohin. Und dann kann es passieren, dass sie unverhofft kritische Leserbriefe abdruckt. Noch denken einige Leser hier in Ostbrandenburg kritisch. Wer weiss, wie lange noch. Neulich äußerte sich einer dieser Leser z.B. über den Bundespräsidenten. Max Goldt, den ich nach einigen Jahren des Aneinander-Gewöhnens nun doch lese, wollte diesem immerhin freundlichen, aber auch etwas verwirrten Mann schon einmal eine Mini-Disc in den Mund schieben und ihn damit im Fernsehen ein Statement über Saufen und Kiffen abgegeben lassen*. Ich schätze, dass würde der auch noch machen, kommt nur auf die Größe der Mini-Disc an. Ob er sie in den Mund bekommt? "Na ja," sagen da aufgeklärte Leute, " man gönnt sich ja sonst nichts, die Steuergelder müssen weg und dieser Mensch könnte ja auch
richtigen Unsinn anrichten. Nun lasst ihn doch schon reden!". Recht haben sie. Auch wenn ich mir schon so lange wünsche, dass nicht nur die Märkische Oderzeitung ab und zu mal ein lautes "ABER, ABER !" in Form einer geballten Faust in Richtung unserer vielen ganz großen Zaren schleudern würde.
*
Max Goldt: Für Nächte am offenen Fenster, Rowohlt 2003
Foto: Morgenzeitung (Mandy Bremse, pixelio.de)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich über alle Kommentare. Bitte halten Sie sich aber an die Netiquette - keine rassistischen, sexistischen oder sonstwie diskriminierenden Äußerungen. Auch Militaristen haben hier ausdrücklich kein Forum. Falls Sie der Ansicht sind, ich wäre a. blöd b.hässlich oder c. beides, behalten Sie das bitte für sich. Es interessiert hier niemanden. Versuchen Sie, inhaltlich relevante Kommentare, die die Diskussion zum Thema voran bringen und das Thema erhellen, abzugeben. Ich behalte mir vor, Kommentare zu kürzen oder zu löschen und weise darauf hin, dass die in Kommentaren geäußerten Ansichten nicht unbedingt meinen eigenen entsprechen.