
Früher war alles besser! Ältere Menschen werden diese Aussage uneingeschränkt bejahen, jüngere werden grinsen und die Älteren als Ewiggestrige bezeichnen. Zunächst einmal: Die Aussage stimmt. Warum ? Weil wir Älteren das "Früher" erlebt haben und wir den Wahrheitsgehalt an einer Vielzahl von Kleinigkeiten fest machen können. Nur einige Beispiele: Gerade heute morgen erinnerte ich mich, dass ich früher kein Kettensägengekreisch hier im Dorf hören musste. Die Bäume an den Straßen wurden nicht jedes Jahr erbarmungslos beschnitten oder gar geköpft, sie produzierten ungestört den Sauerstoff für uns. Sägen machte noch richtig Arbeit und so unterliess man es meist. Auf der Dorfstraße an der Kirche liefen in meiner Kinderzeit die Gänse frei herum und es bestand keine Gefahr, dass sie von einem bekloppten Autofahrer einfach plattgefahren worden wären. Die Streuselschnecke beim Bäcker kostete 12 Pfennig (Ost). Nach heutigem Kurs (10 M= 1 DM = 0,51 €) wären das 0,006 €, also noch nicht einmal ein Cent. Auf der Chaussee zum Gorinsee - der damals noch ein richtiger See war - fuhren wir im Sommer fast jeden Tag mit dem Fahrrad zum Baden- eine Sache, die sich heute nur noch Selbstmörder trauen. Wir lernten auch früher richtig was in der Schule, ärgerten unsere Lehrer zwar auch, aber gingen nicht mit Messern auf sie los. In unserer Freizeit waren wir mit dem Fahrrad unterwegs, bauten Höhlen im Wald, rauchten dort bei den Russen am Schießplatz Papirossy und guckten im Fernsehen höchstens mal "Meister Nadelöhr" , "Professor Flimmrich" oder die Augsburger Puppenkiste. Auch sonst quietschten nicht dauernd irgendwelche Kinder sinnlos im Fernsehen herum, es gab nur 2 Sender und - das reichte. Denn beide Programme (Ost und West) sollten die Menschen kulturell und politisch bilden. Dafür ist heute ausschließlich noch ARTE da. Natürlich gab es keine Computer, wir mussten selber rechnen und in unserer Freizeit auch noch selbst spielen. Die Kinder konnten sogar allein auf der Straße spielen, weil man Sex-Strolche einfach wegsperrte. Wir haben nicht Millionen von Tonnen Öl pro Tag verbraucht, nicht jeden Tag geduscht und nicht alle Räume der Wohnung geheizt, dafür hatten wir aber weniger Allergien. Es gab nicht so viele Lebensmittel, dafür aber eine richtige Lebensmittelkontrolle. Mädchen waren nicht tätowiert, vor allem nicht an den interessanten Stellen. Dicke Kinder und Jugendliche waren selten. Man sprach sogar in der Werbung noch deutsch. Ein Bahnhof war ein Bahnhof, nicht total zerfallen oder ein Event Center. Zwar fuhren Russen (und drüben die Amis) mit ihren Panzern spazieren, aber die fuhren ja richtig leise im Vergleich zum heutigen Dauerlärm der Autos auf unserer Dorfstraße. Die Steuern waren niedrig, Frauen mussten nur bis 60 Jahre und Männer nur bis 65 arbeiten. Es gab keine Wehrpflicht, Waffen waren verpönt und Knallplätzchenpistolen wurden vom Dorfpolizisten gnadenlos konfisziert. Nie wieder sollten deutsche Soldaten in andere Länder ziehen. Verbrecher kamen noch in richtige Gefängnisse und nicht zur Kur in ein Heim für junge Männer mit Fernseher auf den Suiten und Ausgang, auch das galt für beide deutsche Staaten. Die Menschen glaubten allerdings genauso an den Fortschritt wie heute...
Bild oben: Zum Tag des Kindes am 1. Juni 1964 erschien eine 10-Pfennig-Briefmarke der DDR mit einer Abbildung von Meister Nadelöhr und dem Kanarienvogel Zwirnchen. Am 23. November 1955 wurde im Deutschen Fernsehfunk erstmals die Sendung „Meister Nadelöhr erzählt“ (später umbenannt in „Zu Besuch im Märchenland“) ausgestrahlt. Die Rolle des Geschichtenerzählers und Moderators übernahm der damals 25-jährige Eckart Friedrichson als Meister Nadelöhr in seiner Schneiderstube im Märchenland. Eckart Friedrichson (* 14. Januar1930 in Wernigerode; † 7. Juni 1976) wurde vor allem durch diese Rolle im Kinderfernsehen bekannt . Er litt seit seiner Kindheit an Diabetes und verstarb an einem Herzinfarkt im Alter von nur 46 Jahren.
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