
Dieser Ausruf Giovanni Trapattonis ist in die deutsche Sprache eingegangen als die verzweifelte Meinungsäußerung eines Menschen, der als Trainer zwischen den Fronten bei Bayern München zerrieben wurde und einfach die Schnauze voll hatte. Also, der Mann hatte sowas von Recht! Und seine Aussagen vom 10.März 1998 lassen sich leider nicht nur auf den Fußball anwenden.
Italiener sind in der Regel nett. Wie alle Südländer sind sie allerdings auch meist heißblütig und können schnell mal wütend werden. Weiß ja jeder und trotzdem wundert sich kaum jemand über den Langmut, den dieses seit Jahrzehnten mit allerschlimmsten Politikern geplagte Volk mit Berlusconi pflegt. Vor Jahren handelte ich mir heftigste Kritik von unseren italienischen Freunden ein, als ich diesen Menschen mit Mussolini verglich. Da war er gerade zum ersten Mal gewählt. Inzwischen reden unsere Freunde wieder mit uns. Allerdings gab es hier zwischendurch mehrmals triste Momente, wenn wir am Verstand des italienischen Wahlvolkes verzweifelten und dieser unsägliche Typ immer wieder gewählt wurde. Vor allem mangels Alternativen.
Aber seien wir doch mal ehrlich: Was haben wir denn statt dessen? Vor meinem geistigen Auge stehen die traurigen Gestalten unserer Bundes- oder Landesregierungen, heiß geliebt und kalt getrunken. Und ehrlich, ich würde lieber Berlusconi, diesen schwanzgesteuerten Hofnarren am Brüsseler EU-Hof als Regierungschef meines Landes sehen als eine furztrockene, absolut unattraktive, altjüngferliche Pfarrerstochter, die ihr Gehirn im Ellenbogen trägt und alles vergessen hat, was ihr wohlmeinende Lehrer in Templin einst einzutrichtern versuchten. Von Moral oder Gewissen wollen wir erst gar nicht reden.
Dieser B. ist wenigstens lustig, sorgt für Unterhaltung und vor allem für Ablenkung vom Tagesgeschäft unserer neoliberalen Politikaster. Wer redet zum Beispiel noch vom ungarischen Mediengesetz? Ich vermute stark, im Hause Thomas die Misere ist man gerade dabei, etwas ähnliches für Deutschland zu formulieren. Und wer regt sich noch über den lächerlichen Zuschlag von fünf Euro für Hartz IV-Empfänger und die unsäglichen Verhandlungen darüber auf, wenn er in der abgelegten Zeitung seines etwas vermögenderen Nachbarn von Berlus Abenteuern mit der sechzehnjährigen Pseudo-Nichte des Mubarak lesen kann ?
Vielleicht wird man ihn ja mal los, den geliften Boy Silvio, wenn er es gar zu bunt treibt mit seinen Kinder-Nüttchen oder er wird eventuell doch mal abgewählt, vor Gericht gestellt oder krepiert an einer Überdosis Viagra. Die Pfarrerstochter dagegen werden wir wahrscheinlich nie los. Immer noch mehr Milliarden in die Rettungskassen für die notleidenden Bankster, weihevolles Gesülze dazu und dann weitere ungenierte Griffe in unsere Taschen. Das alles verkauft sie uns dann noch als alternativlos!
Um noch einmal Trapattoni zu zitieren: "Wissen Sie, warum die Italien-Mannschaften kaufen nicht diese Spieler? Weil wir haben gesehen viele Male dumme Spiel. Haben gesagt, sind nicht Spieler für die italienisch, eh, Meisters."
Und diese Aussage sollte uns doch zu denken geben...
Foto: siepmannH / pixelio.de
Hi Frank,
AntwortenLöschenzu Berlusconi habe ich auch eine alte Geschichte. Als ich seinerzeit (2001) in Bayern arbeitete hatte ich einen italienischen arbeitskollegen. Enzo aus Neapel. Enzo sagte immer "Do you want a Berlusconi? We have one for free. Here take!" und "We are Italiens. We are stupid. We vote for Berlusconi. Do you want a Berlusconi for free?"
:)
Grüße aus Kleinmachnow,
Marian
PS.: Es ist hier eindeutig zu kalt. hmpf.