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Montag, 26. März 2007

Onkel Knutsch


Die Firma H. , bekannt für ihre Gummibärchen, will eine neue Sorte derselben kreieren, die sich am Berliner Eisbärenkind Knut orientiert und "Knut-sch"-Bären oder so ähnlich heißen soll. Sofort fiel mir wieder mein bester Freund Knuth ein , der von meinem ältesten Sohn anfangs immer Onkel Knutsch genannt wurde und seit 17 Jahren völlig aus meinem Leben verschwunden ist. Nein, Knuth ist nicht tot. Er ist zwar 4 Jahre älter als ich , aber erfreut sich bester Gesundheit. Knuth war ein Stasi-Spitzel.

Im Jahre 1971 wechselte ich als Skuller und Einerfahrer (siehe Foto) in den Männerbereich, d.h. in eine Trainingsgruppe, in der ca. 3 Olympiasieger bzw. Welt-oder Europameister trainierten und den Ton angaben. Gleichzeitig wurde mein späterer Freund Knuth von einer Betriebssportgemeinschaft zum Club delegiert.
Nun hielt sich das Interesse des Trainers Erwin K. an uns sehr in Grenzen. Er kümmerte sich überwiegend um seine Olympiakader. Immerhin wurden Knuth und ich in einen Doppelzweier gesteckt und waren nicht mal so schlecht. Nebenbei freundeten wir uns an, der ältere Knuth war in vielem mein Vorbild, sein Bruder G. beriet mich bei meinem Studienwunsch, wir tauschten wohl auch mal die Klamotten, als es darum ging, beim überraschenden Besuch der Eltern einer Flamme von mir im Bootshaus einen guten Eindruck zu hinterlassen. Nach einem Jahr war dann Schluss, wir waren beide einzeln im Einer nicht gut genug und im Zweier wohl Konkurrenz für die Olympiakader. Bei mir spielten auch noch ein paar politische Sachen mit hinein, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls setzten wir unsere Sportlerlaufbahn im Club nicht fort, blieben aber Freunde.
Knuth hatte immer Probleme mit seinen Frauen oder die Frauen hatten Probleme mit ihm. Das kann ja vorkommen, aber normalerweise heiratet man(n) die Probleme dann lieber nicht. Knuths erstes Problem hieß Sabine und war die Tochter irgendeines Stasi-Generals. Und die Dame wurde zum Problem seines Lebens. Sie betrog ihn mit ca. 16 Männern, das kam erst heraus, als sie es auch noch mit dem Mann ihrer besten Freundin trieb, die es irgendwann merkte und dann einen Selbstmordversuch überlebte. Es kam zur Scheidung, man musste sich dreimal vor Gericht treffen, weil es um den gemeinsamen Sohn ging. Das Sorgerecht für den Jungen ging per Gerichtsbeschluss an Knuth. Die Stasi eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen meinen Freund wegen versuchter Republikflucht: er hatte eine Postkarte von einem ehemaligen Steuermann bekommen, der nach Westberlin geflüchtet war. Irgendwann ist dieses Verfahren dann wohl eingestellt worden.
Knuth heiratete erneut. Susanne war eine Sportkameradin, sehr lieb, sehr nett, wir waren froh, dass er es so gut getroffen hatte. Ihre Eltern waren nach längerem Gefängnisaufenthalt wegen Beihilfe zur Republikflucht aus der DDR ausgewiesen worden. Einige Zeit später kam auch ein gemeinsamer Sohn, so dass mein Freund jetzt zwei Söhne erziehen konnte. Etwa einmal im Jahr besuchten wir uns gegenseitig. Eines Tages- kurz vor der Wende- empfingen uns beide sehr reserviert. In einer Zimmerecke standen einige Kartons aufgereiht. Knuth informierte uns, dass Susanne ihn verlässt und nach Westberlin ausreist. Das war's.
Nach der Wende war alles anders. Knuth verzog für längere Zeit ins Ruhrgebiet, weil seine Firma in Schöneweide natürlich auch abgewickelt wurde. Wir sahen uns kaum noch.
Aber ich traf Susanne. Und sie erzählte mir von ihrer Stasi-Akte, die im wesentlichen aus Auslassungen ihres ehemaligen Mannes bestand. Er hatte sie und ihre Familie während der gesamten Zeit ihrer gemeinsamen Ehe bespitzelt. Seitdem meldet sich Knuth gar nicht mehr, der Nachrichtendienst funktioniert also noch. Er lässt sich am Telefon verleumnden. Ich habe meinen Freund Knuth seit Jahren nicht mehr gesehen.

Was werfe ich ihm vor ? Ich habe in meinem Leben relativ wenige von Grund auf schlechte Menschen kennen gelernt, meist erst nach der Wende und dann waren sie aus dem Westen. Sicherlich hat man ihn im Laufe seiner ersten Scheidung erpresst und er meinte, dass es nicht anders ginge. Vielleicht war er auch stolz darauf, dem Sozialismus auf diese Art und Weise zu dienen. Es gab ja auch einige kleine Vergünstigungen, zum Beispiel war er einer der ersten, die in der DDR einen VW-Golf fuhren. Mag alles sein. Ich bin auch dagegen, ihn und andere IM bis an ihr Lebensende zu stigmatisieren, kampagnenartig die Stasi-Aufarbeitung zu schüren und dafür noch eine riesige Behörde zu unterhalten. Wenn man diese Zeit aufarbeiten will, muss man den gesamten kalten Krieg aufarbeiten und nicht nur die Untaten der einen, noch dazu unterlegenen Seite. (Geschichte schreibt nämlich immer der Sieger !)
Nein, das einzige, was ich ihm vorwerfe, ist sein mangelndes Rückgrat, dass er es nicht schafft, uns allen in die Augen zu sehen, trotz der langen Zeit, die seit dem vergangen ist.

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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...