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Sonntag, 22. März 2009

Bernauer Stadtmarketing-Gesellschaft


Im Rahmen des Bernauer Stadtmarketing-Prozesses wurde Ende 2008 ein Leitbild für die Stadt im Jahre 2020 entwickelt : „Schöner Leben - Wohnen, Genießen, Erholen in Bernau“: Dieses Leitbild basiert auf bereits vorhandenen Ideen und wurde mit Unterstützung der Stadtakteure in einem Workshop im Januar 2008 erarbeitet. Seit Anfang des Jahres arbeiten Frau Ross, Verfassern des Stadtmarketingkonzeptes und Frau Gerlach, Geschäftsführerin der BeSt Bernauer Stadtmarketing GmbH daran, die Maßnahmen aus dem Konzept mit den Akteuren der Stadt zu konkretisieren und zu vertiefen. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die drei Schwerpunkte „Kunst/Kultur“, „Gesunde Stadt“ und „Wohnen in Bernau“ die Leitthemen für die Stadtmarketingstrategie der Stadt Bernau bei Berlin sein werden.

Am Montag, dem 30. März um 19:00 Uhr, findet im Club 23 im Kulturhof, Breitscheidstraße 43 ein weitere offener Workshop statt. Ziel ist es, die Aussagen aus dem Leitbild unter dem Aspekt der genannten Schwerpunkte weiter zu konkretisieren. Die Ergebnisse des gemeinsamen Arbeit sollen als Arbeitsbasis an Agenturen gehen, die sich in einem Wettbewerbsverfahren um die Bearbeitung des neuen Corporate Designs für die Stadt Bernau bei Berlin bewerben.

Das o.g. Leitbild und die Marketingstrategie aus dem Stadtmarketingkonzept liegen mir inzwischen vor. Ich stelle das Material gern per e-mail zur Verfügung. Gleichzeitg sind alle Leser dieses Blogs und interessierte Bernauerinnen und Bernauer im Namen von Frau Gerlach herzlich zum Workshop eingeladen.

Unter Verwendung der Einladung von Franzika Gerlach, Geschäftsführerin der BeSt Stadtmarketing GmbH, Bernau
Foto: Blick durch die Bernauer Stadtmauer auf die Wallanlagen (Christina Telker, www.pixelio.de)

Samstag, 21. März 2009

Preview von "RELIGULOUS" im Berliner "Babylon"

Am 2. April startet der neue Film "Religulous" von "Borat"-Regisseur Larry Charles in den deutschen Kinos. Vier Tage zuvor, am Sonntag, dem 29.3., präsentiert die Giordano Bruno Stiftung (gbs) im "Babylon" (Berlin-Mitte) die "Exklusive Preview" des satirischen Dokumentarfilms, der in den USA für Aufregung und volle Kinosäle gesorgt hat.

Im Anschluss an die Filmvorführung wird "Das blasphemische Quartett" mit dem Publikum über den Film diskutieren und der "Lust am Lästern" freien Lauf lassen. Mit von der Partie sind der Comiczeichner Ralf König ("Der bewegte Mann", "Kondom des Grauens"), die Schriftstellerin Esther Vilar ("Der dressierte Mann", "Der betörende Glanz der Dummheit"), der Philosoph Michael Schmidt-Salomon ("Manifest des evolutionären Humanismus", "Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel") sowie der Musiker/Texter/Autor Michael Kernbach (ehemals "Guildo Horn & Die orthopädischen Strümpfe" und "Die Gerd-Show").

"Das wird bestimmt ein Heidenspaß!", verspricht gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon. "Religulous ist ein urkomischer und zugleich todernster Dokumentarfilm, der die wundersamen Ansichten religiöser Eiferer auf charmante und erfrischend respektlose Weise offen legt. Wir freuen uns sehr, dass Central Film Verleih uns die Gelegenheit geboten hat, die exklusive Preview des Films zu präsentieren." Dass die Preview ausgerechnet in Berlin stattfindet, sei nicht allein dem Hauptstadtstatus der Spreemetropole geschuldet, erklärt der gbs-Sprecher. "Die Veranstaltung ist sozusagen unsere Antwort auf 'Pro-Reli'! Wir hoffen sehr, dass es dieser Initiative nicht gelingt, das Rad der Geschichte zurückzudrehen!"

Die Filmvorführung von "Religulous" mit dem anschließenden Live-Talk "Das blasphemische Quartett" beginnt um 19.00 Uhr. Der Eintritt beträgt Euro 6,50. Veranstalter ist die Giordano Bruno Stiftung in Kooperation mit dem Central Film Verleih. Veranstaltungsort ist das "Babylon" in Berlin-Mitte (Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin). Zu "Religulous" und den Schlüssen, die man aus dem Film ziehen kann, erschien unlängst ein Kommentar von Michael Schmidt-Salomon mit dem Titel "Die wundersame Welt der Religioten".


Deutscher-Religulous-Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=ebSLzbb5-Es

Offizielle Filmwebsite:
http://www.religulous.centralfilm.de

"Die wundersame Welt der Religioten":
http://hpd.de/node/6606

Reservierungen für die Preview + Live-Talk (Website des Kinos):
http://www.babylonberlin.de

Medienvertreter können sich über folgendes Webformular zur Veranstaltung anmelden:
http://giordano-bruno-stiftung.de/tinc?key=uNDCS0r7&formname=Religulous





Freitag, 20. März 2009

Die Starstecher

Neulich war hier von der modernen Operation des Grauen Stars (Katarakt) die Rede. Jahrhundertelang kurierte man die Katarakt allerdings durch sogenannte Starstiche . Schon in babylonischer Zeit wurde mit einer so genannten „Starstichnadel“ in das Auge gestochen und die getrübte Augenlinse auf den Boden des Augapfels gedrückt. Dadurch konnte das Licht ohne Hindernis auf die Netzhaut fallen, der Patient konnte wieder sehen, wenngleich durch die fehlende Brechkraft der Linse eine starke Fehlsichtigkeit (etwa +20 Dioptrien) die Folge war. Durch häufige Infektionen erblindeten viele Menschen in der Folgezeit vollends und verstarben auch an dieser Art von OP. Im Mittelalter entwickelte sich die Kunst der Starstecherei zu einem guten Geschäft. Lange bevor sich die Augenheilkunde als eigenständige medizinische Disziplin etablierte, waren es die fahrenden Starstecher und Oculisten, die von Ort zu Ort und von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zogen, um, wie es hieß, Blinde sehend zu machen. Sie operierten ohne Betäubung und unter haarsträubenden hygienischen Bedingungen. Endete der Eingriff fatal, waren sie längst über alle Berge. Oft war es ein Spektakel wie jenes von Gauklern auf einer Bühne vor Publikum, wenn Starstecher Operationen an Menschen vornahmen, deren Linsen sich getrübt hatten und die nicht mehr sehen konnten. Gelang der spektakuläre Eingriff, der kaum eine Minute dauerte, waren dem Oculisten Ruhm und neue Kundschaft gewiss. Ohne Linse konnte der Patient zwar nicht mehr scharf sehen, aber auch das schemenhafte Sehen bedeutete tatsächlich eine erhebliche Verbesserung seiner Lebensbedingungen. Kam es später – nachdem der obligate Verband abgenommen war – zur Entzündung des Auges und der Patient erblindete wieder oder verstarb sogar an einer Wundinfektion, war der Starstecher meist schon weiter gezogen und vermied es üblicherweise tunlichst, im selben Ort noch einmal aufzutauchen.

Eines der berühmtesten Opfer eines Oculisten ist der große Musiker und Komponist Johann Sebastian Bach (* 21. März. nach dem julianischen Kalender / 31. März 1685 nach heutiger Zeitrechnung in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig). Bach war ein deutscher Komponist, Orgel- und Klaviervirtuose des Barock. Er ist heute einer der bekanntesten Tonschöpfer überhaupt, dessen Musik spätere Komponisten wesentlich beeinflusst hat und dessen Werke im Original und in zahllosen Bearbeitungen weltweit präsent sind. Sein Geburtstag jährt sich in diesem März zum 324. Mal.

Am Ende des Jahres 1749 war Bach nahezu blind geworden und konnte überhaupt nicht mehr komponieren und schreiben. Der damals berühmte Oculist John Taylor stach ihn Ende März 1750 den Star und konnte dadurch etwas Sehkraft wieder herstellen. Bis Mai 1750 war Bach ernstlich krank, dann ging es ihm wieder besser und ein neuer Schüler zog bei ihm ein und half ihm bei der Revision der "Achtzehn Orgelchoräle" (BWV 651-668). Im Juli konnte Bach wieder sehen, bekam kurze Zeit danach vermutlich eine Wundinfektion und starb am 28 Juli 1750 an den Folgen von Schlaganfall und Lungenentzündung im Alter von 65 Jahren.

Taylor zog weiter durch Europa und hatte die Vermessenheit, auch am preussischen Königshof aufzutreten und um den Titel "Hofoculist" zu bitten. Der preussische König Friedrich II. soll ihm zwar diesen Wunsch erfüllt haben, verbot ihm aber gleichzeitig, die Hand " an den Körper eines Unserer Unterthanen zu legen" und bedrohte ihn bei Zuwiderhandlung mit dem Strick.
Taylor lancierte in den Berliner Nachrichten eine Meldung , dass er den "Capellmeister Bach" erfolgreich "operiret" habe und zog weiter. Auch Georg Friedrich Händel (* 23. Februar 1685 in Halle an der Saale; † 14. April 1759 in London) litt unter dem Verlust seines Augenlichts durch den Grauen Star und konsultierte Taylor. Am 24. August 1759 stand im London Chronicle die Nachricht von der Wiedergewinnung des Augenlichts des berühmten "Mr. Handel" mit Taylors Hilfe. Doch auch Händel überlebte die Operation nur um wenige Monate. Todesursache: Der Oculist John Taylor.

Wie man sieht, hat sich in den letzten Jahrhunderten auf augenmedizinischem Gebiet viel getan.
Zumindest in Europa und Nordamerika. In Asien und Afrika ziehen immer noch Starstecher durch die Lande. Und wo die nicht helfen können, bleiben die Menschen vielfach blind. Eine Intraokularlinse ist eigentlich erschwinglich, nur nicht für Menschen in der sogenannten dritten Welt. Die Christoffel - Blindenmission organisiert weltweite Hilfe für blinde und augenkranke Menschen. Sie schickt Ärzte und Material. Wie gesagt, eine Intraokularlinse ist erschwinglich...


Donnerstag, 19. März 2009

Straßenbau, Konjunkturpakete und die Realität


Reden wir mal wieder über Zahlen und über das Bauen in unserer Stadt Bernau: Fast jeder, der hier in Frühling, Herbst und Winter sein Grundstück verläßt, steht erst einmal bis zum Knöchel im Matsch oder braucht einen Staubfilter vor der Nase. Die Straßen sind meist keine Straßen, sondern Sand -und Matschpisten. Unsere Waldstraße könnte man zur Zeit wegen ihrer interessanten Topographie wieder als Teststrecke für Geländewagen vermieten. (Einige Autos würden diesen Test hier nicht überstehen) Meine Vorfahren haben zweimal sogenanntes Pflastergeld bezahlt. Das Geld wurde für Kaiser, Führer, Volk und Vaterland in zwei Weltkriegen wortwörtlich verballert. Nun wird wenigstens gebaut, doch meist sind diese Baumaßnahmen schmerzhaft, da für den Bürger sehr teuer. Deshalb schlugen gestern die Wogen im Stadtentwicklungsausschuss besonders hoch. Es waren endlich einmal Bürger da und zwar aus dem Heideweg. Und es ist interessant und gleichzeitig nahezu grausam, wie eine gute Tat eine andere böse Handlung nach sich zieht. Da haben die Bürger am Heideweg sich eine verkehrsberuhigte Zone erstritten. Nun wird es wieder teurer, weil in einer verkehrsberuhigten Zone nur auf extra ausgebauten Plätzen geparkt werden darf. Und die müssen gebaut werden - wie das Baurecht vorschreibt. Egal ob da jemals einer parkt. Anderes Beispiel: Vom Heideweg gehen drei schmale Stichstraßen ab, die auf einem Feld enden. Zunächst waren an den Enden dieser Straßen sogenannte Wendehammer für LKW geplant. Das wurde natürlich als Unsinn abgelehnt. Wenn die Straßen jetzt ohne diese Wendehammer gebaut werden, wird sich die Müllabfuhr weigern, in die Straßen hinein zu fahren - auch nicht rückwärts, wegen zu hoher Unfallgefahr. Zur Zeit fahren sie noch, aber nur weil die Straßen nicht ausgebaut sind. Wahnsinn, oder ? Aber die Bestimmungen schreiben das vor ! Also müssen am Anfang der Straßen Standplätze für Mülltonnen gebaut werden und die Anwohner ihre Mülltonnen, gelben Säcke und Papiertonnen im ungünstigsten Falle 800 m zur nächsten Einmündung ihrer Straße transportieren. Oder extra zahlen - an den Müllentsorger. Es ist eigentlich kein Wunder, dass manche Bürger persönliche Schikanen der Kommune oder des Bürgermeisters vermuten, wenn sie sich einmal gegen zu hohe Kosten gewehrt haben oder sich beschwert haben.

Noch was zum Konjunkturpaket II: Bernau bekommt 2,5 Millionen Euro, die überwiegend für Wärmedämmungen und Arbeiten an der Bauhülle (Fenster, Dächer) bei Kitas und Schulen ausgegeben werden sollen. Ein geringer Bruchteil der Summe fließt auch in den Straßenbau. Zum Vergleich : Ein kombinierter Rad-und Gehweg mit Entwässerung und in Asphaltausführung, 2 m breit und 1,06 km lang, wird mit Kosten von etwa 300 Tausend Euro veranschlagt, 162 m Straße in der denkmalgeschützten Altstadt von Bernau kosten rund 539 Tausend Euro. Wer es bisher noch nicht glauben wollte: Äntschies Konjunkturpaket ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein...

Foto: Matschpiste (Rainer Klinke, www.pixelio.de)

Mittwoch, 18. März 2009

Dumme Sprüche und faule Ausreden

  • „Wir müssen wissen: Wo sind vielleicht Fehler gemacht worden?" (Der Kölner OB Schramma in einem Interview mit den Ruhrnachrichten am gestrigen Dienstag zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs und dem Tod zweier Menschen)
  • " Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte." (Die Familie des Amokmörders Tim K. in einem offenen Brief an die Angehörigen der Opfer ihres Sohnes in Winnenden)
  • "Die Talphase habe ich hinter mir. Jetzt geht es aufwärts." und " Bei Gott finde ich Trost."(Thüringes Ministerpräsident und Amok-Skifahrer Dieter Althaus zur "Bild"-Zeitung nach dem Totschlag an einer Mutter von vier Kindern)
  • "Ich bin da persönlich zu sehr restriktiven Maßnahmen bereit." (Der baden-würtembergische Ministerpräsident Oettinger am Dienstag in Stuttgart, der nach der Gewalttat eines Schülers in Winnenden vor allem Handlungsbedarf bei den elektronischen Medien und besonders bei PC-Gewaltspielen sieht).
Immer das gleiche eklige Muster: Ich nicht, die anderen sind Schuld! Vielleicht, aber auch nur vielleicht hat irgend jemand Fehler gemacht. Verantwortung übernehmen ? Ich doch nicht! Wieso konnte das geschehen? " Zum Beispiel weil die Knarre frei rumlag" möchte man diesen scheinbar völlig verblödeten Menschen, die aber auch wirklich jede Art von Verantwortung ausblenden, zurufen. Es konnte nicht einfach geschehen, es hat jemand ganz bewußt angerichtet. Und es waren nicht "der da oben" oder"der da unten". Ebenso dieser unheilige Landespolitiker aus Heiligenstadt in Thüringen: In fester politischer Tradition geht es nur um sein kleines, häßliches, unwichtiges ICH. Wer tröstet die vier mutterlosen Kinder ? Und bei Oettinger fehlen mir seit seiner Rede an Nazi-Richter Filbingers Grab sowieso die Worte...

Dienstag, 17. März 2009

Rumeiern, Kasperletheater spielen und Nebelkerzen werfen


Es war eigentlich klar: Computer bringen Menschen um. Nicht 15 Waffen im Haus, darunter eine im Schlafzimmer, frei zugänglich für einen durchgeknallten Massenmörder. Leider ist es so gekommen, wie nach dem Erfurter Massaker: Man schimpft von Seiten der Politik auf das Internet und Computer, wird den Verkauf von Gurkenschälern und Küchenmessern weiter einschränken und private Waffenlager in den Schlafzimmer der Republik weiterhin gestatten.Und so ist es weiter nicht verwunderlich, dass die gesamte Bullerei Baden-Würtembergs wie gebannt in den Computer des Amokläufers starren muss, anstatt die 14 übriggebliebenen Knarren des Mörder-Vaters zu beschlagnahmen. Wie kann es sein, dass ein "normaler" Familienvater 15 Waffen zu Hause hat und dazu einen Munitionsvorrat, den die Bundeswehr bisher nicht mal in Afghanistan verballert hat? Gehört dieser Vater etwa nicht eingesperrt? Waffen sollten sicher weggeschlossen werden und nicht zu Hause rumliegen. Aber die Waffenlobby in diesem Land ist schon eifrig am abwiegeln. Wie schon gesagt: Computer bringen Menschen um. Nachdem sich die offizielle und geheuchelte Trauer und alberne Betroffenheit der Politiker wieder gelegt haben werden, wird weiterhin NICHTS geschehen. Sie haben seit Erfurt 7 Jahre Zeit gehabt und sie haben es wieder zugelassen. So ist der nächste Amoklauf eines durchgeknallten Muttersöhnchens, das mit seinem Luxusleben nicht klar kommt, nur eine Frage der Zeit.

Übrigens: Die "Titanic" bringt wie immer die Heuchelei auf den Punkt. Sie veröffentlicht in ihrer Online-Ausgabe das typisch deutsche Formular zum Amoklauf. Zynisch, was sonst ? Und wahrscheinlich die einzige Art, wie man mit dem ganzen offiziellen Getue der Politik noch umgehen kann, ohne letztlich verrückt zu werden oder gar Amok zu laufen...

Collage: Weg mit den Waffen! (rike, www.pixelio.de)

Harold Ridley und der Graue Star

Neben einigen unbedeutenden politischen Jahrestagen ist in diesem Jahr auch ein wirklich wichtiger Gedenktag zu feiern: Vor nunmehr fast 60 Jahren, im Herbst 1949, implantierte der Engländer Harold Ridley am Londoner St. Thomas Hospital die erste Intraokularlinse in das menschliche Auge. Damit begann der Siegeszug einer Erfindung, die eher zufällig durch einen Medizinstudenten initiiert wurde. Dieser Student- sein Name ist leider nicht überliefert - fragte Ridley nach dem Ende einer Staroperation, warum er nicht einfach die erkrankte natürliche Linse des Patienten durch eine neue ersetzt hätte. Diese Frage war die Initialzündung ! Ridley erinnerte sich, dass er als Augenarzt im Zweiten Weltkrieg Angehörige der Royal Air Force untersucht hatte, denen bei Beschuß Plexiglassplitter ihrer Flugzeugkanzeln in die Augen gekommen waren. Dieses Acrylglas heilte reizlos ein und wurde im Augeninnern gut vertragen. Der hohe Brechungsindex des Acrylglases und seine geringe Dichte sprachen ebenfalls für das Material. Patienten, deren Linse durch den Grauen Star undurchsichtig geworden war, bekamen bis dahin entweder dicke und schwere Brillen aufgesetzt oder blieben gar unversorgt , weil die Brille aufgrund der Dicke der Optik und der damit verbundenen optischen Verzeichnungen nicht vertragen wurde. Mit den Plexiglaslinsen ergaben sich völlig neue Möglichkeiten der Versorgung von blinden und/oder bereits am Grauen Star operierten Menschen. Die erste Intraokularlinse ( intraokular = im Innern des Auges befindlich, nicht zu verwechseln mit Kontaktlinsen) war nur 8,35 mm im Durchmesser und wog in Wasser (Tränenflüssigkeit) 17,4 mg. Im Vergleich: Moderne Kunstlinsen haben heute Optikdurchmesser von etwa 6,0 ... 6,5 mm und wiegen unter 1 mg.

Bevor die Versorgung mit einer Kunstlinse die Standardmethode der Patientenversorgung bei Grauem Star wurde, musste noch viel Wasser die Themse herunter fließen. Es galt zunächst, die Berechnungsmethoden für die Kunstlinsen wesentlich zu verbessern. Ridley selbst hatte sich bei seinen ersten beiden Implantationen noch um -20,0 bzw. -15,0 Dioptrien verrechnet. Lange waren diese Linsenberechnungen sehr kompliziert und bedurften einiger Erfahrung des Augenarztes, sie werden heute aber von laser- oder ultraschallgestützten Geräten relativ problemlos übernommen.
Auch die OP-Methoden änderten sich: Die Operation des Grauen Star- die Katarakt-OP - hatte bis in die 80-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts ein beträchtliches Komplikationspotenzial und forderte vom Operateur äußerste Geschicklichkeit. Die Patienten lagen zwischen 1 und 2 Wochen stationär, in den ersten Tagen mit Augenverband und strenger Bettruhe. Das war kein Wunder, denn man musste, um die "alte", undurchsichtig gewordene Linse zu entfernen, das halbe vordere Auge aufklappen, die Kunstlinse einsetzen und das Auge anschließend vernähen. Die Erfindung der sogenannten Phakoemulsifikation im Jahre 1967 durch den US-Amerikaner Charles_Kelman, d.h. der Verflüssigung der alten Linse mit Ultraschall bei gleichzeitiger Absaugung der Linsenreste und der Spülflüssigkeit, war der nächste entscheidende Schritt bei der Verbesserung der OP-Methoden. Dadurch war es möglich, am Auge nur noch kleine, sich selbstverschließende Schnitte zu machen und letztendlich Faltlinsen einzusetzen. Mit diesen Faltlinsen aus Silkon oder Acryl sind heute nur noch Schnitte bis 3,0 mm (und darunter) notwendig. Der vom Allgemeinzustand her gesunde Patient wird in der Regel innerhalb von 10...30 Minuten operiert und am selben Tag nach Hause geschickt. Am nächsten Tag kann der Augenverband bereits abgenommen werden und der Patient kann in der Regel sehen. Das, was mit einem einzigen kleinen Stück Plastik begann, erwies sich als Segen für die Menschheit. Allein in Deutschland wird die Operation des Grauen Star etwa 600.000mal jährlich durchgeführt.

Harold Ridley wurde für seine Leistungen im Februar 2000 von der britischen Königin zum Ritter geschlagen. Er starb am 25. Mai 2001 im Alter von fast 95 Jahren.

Montag, 16. März 2009

Das Buch zur Finanzkrise

"Warum werden Banken immer so gebaut, dass sie wie Tempel aussehen, obwohl feststeht, dass mehrere größere Religionen
a. strikt gegen das sind, was in einer Bank geschieht und
b. selber dort Konten haben ?"

Diese Frage und andere Fragen zur Finanzwirtschaft im Allgemeinen und zur Pleite im Besonderen stellt sich der Held des Romans "Schöne Scheine" von Terry Pratchett. Und wie immer ist die eigentlich weit von der Erde entfernte Scheibenwelt, die auf den vier Elefanten Berilia, Tubul, Groß-T'Phon und Jerakeen ruht, die wiederum von der riesigen Sternenschildkröte Groß A'Tuin durch die Weiten des Multiversums getragen werden, doch nicht so weit von uns entfernt. Obwohl das Buch in erster Auflage bereits 2007 erschienen ist, sind sofort einleuchtende Ähnlichkeiten mit unserer Kugelwelt wohl eher rein zufällig. Oder ? Wo gab oder gibt es das auf Erden, dass der Hauptkassierer einer großen Bank ein Vampir oder Blutsauger ist, die Goldvorräte der Staatsbank eher "goldich" denn gülden zu nennen sind und ein verurteilter ehemaliger Gauner zum Chef eben dieser Staatsbank ernannt wird? Wen diese Art von reinen Zufälligkeiten und völligen Unwahrscheinlichkeiten nicht stört und wer bereit ist, sich auf ein Feuerwerk an Politik, d. h. 'ne Unmenge an falschen Fuffzigern, Intrigen, Attentaten, Diebstählen, Betrügereien, Mordanschlägen und auch auf Sagengestalten, Fabelwesen, Phantasiegestalten und vor allem auf Hintersinn hinter fast jedem Wort einzulassen, sollte unbedingt dieses Buch lesen: "Schöne Scheine" erschienen im Wilhelm Goldmann Verlag München. Nachher ist vieles klarer...

Donnerstag, 12. März 2009

Abmeldung bis Sonntag


Melde mich mal wieder ab. In Düsseldorf tagen die Augenärzte und ich muss hin. Fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Autobahn. Ab Sonntag geht's hier weiter. "Bis denne" wie mein lustiger Kurierfahrer von DPD immer sagt...

Collage: Geschwindigkeit (Gegensätze) von Ernst Rose (www.pixelio.de)

Mittwoch, 11. März 2009

Zahlenspiele

  • 50 Billionen US-$ sind bisher durch die weltweite Finanzkrise vernichtet worden;
  • 1,75 Billionen Dollar fehlen Obama im Haushaltsentwurf allein für das laufende Jahr;
  • 173 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen hat die Versicherungsgesellschaft AIG an andere Geldinstitute verschoben;
  • 100 Milliarden Euro beträgt das Konjunkturpaket 2 der Bundesregierung;
  • 50 Milliarden Euro betrug das konjunkturpaket 1 der Bundesregierung;
  • 6,3 Millarden Euro verdiente die Bundesbank im letzten Jahr durch das höhere Zinsniveau, ab dem kommenden Jahr sollen die Gewinne der Bundesbank zur Tilgung der zusätzlichen Staatsschulden aus den aktuellen Konjunkturprogrammen dienen;
  • 3,3 Milliarden Euro Beihilfen fordert OPEL vom Staat;
  • 1,4 Milliarden neue Schulden muss allein Berlin im kommenden Jahr zusätzlich aufnehmen;
  • 950 Millionen Euro will OPEL in Europa einsparen;
  • 18 Millionen Euro bekommt der Landkreis Barnim aus dem Konjunkturprogramm 2 des Bundes;
  • 11,5 Millionen Euro Sonderboni wurden für die 10 Vorstände der Deutschen Postbank ausgereicht - trotz der Milliardenverluste der Bank,
  • 11 Millionen Euro betragen die geschätzten Reparaturkosten für die Winterschäden an Straßen im Landkreis Barnim;
  • 3,552 Millionen Menschen waren im Februar in Deutschland offiziell arbeitslos, die Dunkelziffer liegt seit Jahren weit darüber;
  • 3,5 Millionen Euro zusätzliches Gehalt will der entlassene Chef der Pleite-Bank Hypo Real Estate , Dagobert Funke (der Vorname ist von mir erfunden !) vor Gericht erpressen;
  • 55.000 Menschen beschäftigt OPEL in Europa; 3500 bis 11.000 Arbeitsplätze stehen davon auf der Kippe;
  • 17.000 mehr US-Soldaten sollen es jetzt unter Obama in Afghanistan richten;
  • 700 mehr Bundeswehrsoldaten schickt auch die BRD nach Afghanistan - ohne den Bundestag zu fragen;
  • 10 Euro Kindergeld für das erste Kind gibt es seit Januar mehr;
  • 4 Banken wurden bisher in Island verstaatlicht;
  • 3 Staatspleiten (Ungarn, Lettland;Rumänien in Vorbereitung) musste die EU bisher mit Sonderkrediten abwehren;
  • 3 Insolvenzkanzleien soll OPEL schon fest engagiert haben;
  • 1 Stasibeauftragten soll Brandenburg endlich nach dem Willen der SPD/CDU-Koalition auch 20 Jahre nach dem Anschluss der DDR an die BRD bekommen;
  • 0,20 Euro pro Liter bekommen die Bauern seit Anfang März weniger für die produzierte Milch;
  • 0 (Null) Vertrauen haben mittlerweile 65 % der Bundesbürger in die Maßnahmen der europäischen Regierungen und der EU zur Bewältigung der Krise.

Dienstag, 10. März 2009

Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt...


Zu Hause arbeiten hat Vor-und Nachteile. Ein wesentlicher Nachteil ist , dass man sich jeden Morgen neu selbst motivieren muss. Fällt vor allem im Winter - wo mir immer so bärig müde ist - sehr schwer. Ansonsten kann man sich den Tag recht frei einteilen, wenn nicht gerade Kunden anrufen (ist bei mir letzter Zeit häufiger der Fall) oder andere dringende Arbeiten anliegen. Quasi nebenbei erledigt die Waschmaschine die Wäsche, die ich dann in der Mittagspause aufhänge. Und wenn ich mit der Büroarbeit besonders schnell bin, bleibt auch mal Zeit für andere dringende Arbeiten im Haus oder im Garten. Heute zum Beispiel ist Rhododendronpflanzen angesagt. Die Pflanze steht schon seit Sonnabend im Eimer mit Wasser, es wird wirklich Zeit. So kurz nach drei - es schneite und regnete gerade mal nicht- hatte ich den Computer ausgeschaltet und mir den Spaten geschnappt. Inzwischen regnet es wieder heftig. Willy und ich sind gerade eben ins Haus geflüchtet. Na gut, wird das Pflanzloch gleich gewässert und auch der Torfersatz bekommt etwas Feuchtigkeit ab. Vielleicht wird es ja noch was vor dem Dunkelwerden mit dem Frühling ...

Collage: Susanne Schmich (www.pixelio.de)

Übergangspunkte der Weltgeschichte

"Es gibt Lebensmomente, die wie Grenzmarken vor eine abgelaufene Zeit sich stellen, aber zugleich auf eine neue Richtung mit Bestimmtheit hinweisen.

In solch einem Übergangspunkte fühlen wir uns gedrungen, mit dem Adlerauge des Gedankens das Vergangene und Gegenwärtige zu betrachten, um so zum Bewußtsein unserer wirklichen Stellung zu gelangen. Ja, die Weltgeschichte selbst liebt solches Rückschaun und besieht sich, was ihr dann oft den Schein des Rückgehns und Stillstandes aufdrückt, während sie doch nur in den Lehnstuhl sich wirft, sich zu begreifen, ihre eigne, des Geistes Tat geistig zu durchdringen."

Dieses Zitat von Karl Marx aus einem Brief an den Vater in Trier (10. November 1837) und die heutige Zeitungsmeldung, dass weitere 600 Soldaten der Bundeswehr nach Afghanistan geschickt werden sollen - schließlich hat der große Bruder dort Schwierigkeiten und ruft um Hilfe - haben mich wieder einmal zu einem Blick in Geschichte veranlasst: Wie oft und mit welchem Ergebnis wurde in der jüngeren Historie dieses Landstrichs am Hindukusch schon versucht, dort fremde Regimes aufzurichten und die afghanischen Stämme dauerhaft zu "befrieden"?

  • 1838–1842 Erster afghanisch-britischer Krieg, England wollte Russland zuvorkommen, erfolglos für die Invasoren
  • 1878–1880 Zweiter afghanisch-britischer Krieg, ohne nennenswerten Dauererfolg für die Kolonialmacht, im Ergebnis wurde A. als Pufferstaat zwischen den Kolonialmächten Großbritannien und Russland belassen.
  • 1919 Dritter afghanisch-britischer Krieg, Afghanistan bekommt verlorene Gebiete zurück
  • 1979–1989 afghanisch-russischer Krieg, erfolglos für die Invasoren.
  • 2001 bis jetzt aktueller Krieg der USA unter Mittäterschaft Deutschlands und der NATO.

Die Geschichte zeigt uns also, dass sich diese Völker dort unten weder unterjochen, noch ausrotten oder gar missionieren lassen. Die übliche imperialistische Praxis der Eroberungskrieger hat demnach versagt. Jetzt ist der Krieg so gut wie verloren. Der britische Oberbefehlshaber hat schon mal offen über einen Rückzug nachgedacht. Karsai verhandelt seit langem schon heimlich mit den Taliban, er ist beim neuen US-Präsidenten Obama nicht gut angesehen und fürchtet um seinen Hintern. Übrigens: Einen von Karsais Vorgänger im Amt schleifte man an seinen Hoden durch Kabul, allerdings war er da schon totgeschlagen. Auch Obama will mit gemäßigten Taliban verhandeln. Über kurz oder lang wird also ein seit 1838 erfolgloses Unterfangen, das von den unterschiedlichsten Kräften betrieben worden ist, wieder einmal beendet werden müssen. Und da auch unsere deutschen Politiker nicht aus der Geschichte lernen können, werden Merkel, Jung und Steinmeier die Verteidigung unserer Demokratie am Hindukusch sicherlich bis zum jüngsten Tag fortsetzen. Es wäre fast lächerlich, wenn im Krieg nicht immer Menschen sterben würden...

Sonntag, 8. März 2009

Predprijatije heißt Enterprise


"Poschli" sagte Juri Alexejewitsch Gagarin (russisch Юрий Алексеевич Гагарин, * 9. März 1934 in Kluschino bei Gschatsk, Russische SFSR; † 27. März 1968 bei Nowosjolowo im Rajon Kirschatsch) - was einfach "Los geht's!" heißt - als er am 12. April 1961 mit dem Raumschiff Wostok 1 seinen spektakulären Raumflug begann. Er umrundete dabei in 108 Minuten einmal die Erde und landete anschließend im Wolgagebiet , in der Nähe der Städte Saratow und Engels. Auf dem Landeplatz steht heute ein Denkmal, und der Jahrestag seines Raumfluges wird dort heute noch jährlich mit einer kleinen Feier begangen. Mit seinem legendären ersten Flug eines Menschen in den Weltraum hinaus öffnete Gagarin der Menschheit das Tor zum Kosmos und sicherte sich einen unsterblichen Platz in der planetaren Entwicklungsgeschichte. Sein berühmtester Satz bleibt unvergessen: " Als ich die Erde in der Raumschiffkapsel umkreiste, habe ich gesehen, wie schön unser Planet ist. Ihr Menschen, laßt uns diese Schönheit erhalten und vergrößern und nicht zerstören!" Juri Gagarin wäre morgen 75 Jahre alt geworden...

Foto: Harry Hautumm (www.pixelio.de)






Freitag, 6. März 2009

Günter Kunert zum 80.Geburtstag


"Ich bin ja öfter in Berlin. Aber die Stadt hat sich verändert. Es ist nicht mehr das Berlin meiner Kindheit und Jugend, weder das unbeschädigte noch das zerstörte und heruntergekommene Berlin. Es ist ein Berlin, das in der Hauptsache aus Glaskästen besteht, in denen statt Goldfischen Menschen herumschwimmen... es gibt da so merkwürdige Gegenden wie den Potsdamer Platz. Der erinnert mich immer an das Kabinett des Dr. Caligari. Das hat etwas Kulissenhaftes und Unheimliches. Zum Glück haben sich noch Ecken erhalten, die ich von früher her kenne." sagte der Lyriker Günter Kunert , der heute seinen 80. Geburtstag feiert, in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel".

Wie schon so oft, spricht mir der Dichter aus der Seele ! Überhaupt: Kunert hat mich vor allem mit seinen Gedichtbänden "Notizen in Kreide" (1970), "Offener Ausgang" (1972) oder "Die geheime Bibliothek" (1973) in meiner Jugend- und Sturm-und Drangzeit ganz entscheidend beeinflusst. Später, als er dann im Westen war - ich bin heute noch der Ansicht, dass sich der Einsatz für diesen Biermann einfach nicht gelohnt hat - war er mir stets zu düster. Seinem Gedicht "Über einige Davongekommene" verdanke ich viele Leser in diesem Blog. Weil es nämlich in NRW im Schulbuch steht und die Schüler Interpretationshilfen auch bei mir suchen. Dabei ist es so einfach zu verstehen und braucht eigentlich überhaupt keine Interpretation, gerade in der heutigen Zeit ist der Sinn so klar...

Das Foto zeigt keine "geheime Bibliothek", sondern die berühmte Klosterbibliothek des Klosters Strahov in Prag (Carina Döring, www.pixelio.de) -

Heute mal zum Thema Frühling


Genau seit Dienstag ist Frühling. Ich weiß es deshalb so genau, weil an diesem Tag meine Nase wieder wie ein Wasserhahn zu laufen anfing. Die Naselnussbäume blühen, als würde es morgen verboten und genauso blühte meine Nase urplötzlich auf. Jedes Jahr das gleiche Spiel und wie in jedem Jahr werde ich wieder zwei bis drei Monate meine Antihistaminika schlucken, noch etwas müder als sonst herum schleichen und größere Blütenansammlungen meiden. Die gesellschaftliche Dimension dieses Leidens ergibt sich aus der Bekämpfung des Heuschnupfens: Die Krankenkassen zahlen leider nicht das Mittel, dass bei mir anschlägt, sondern nur irgendwelches Billig-Zeug. Also bleche ich für meine Tabletten schon seit Jahren selbst. Und da der Heuschnupfen Gott sei Dank zur Zeit meine einzige Krankheit ist, frage ich mich auch schon seit Jahren, warum ich eigentlich Krankenkassenbeiträge zahle und diese jährlich steigen. Eine weitere Frage ist, ob es auch noch anderen Heuschnupfengeplagten so geht wie mir? Denn dann ließe sich eine bestimmte Methode der Krankenkassen erkennen. Vielleicht macht man es ja auch bei anderen chronischen Krankheiten genauso? Und spart so wieder einmal Milliarden auf Kosten der Kranken ?

Foto: Carina Döring, www.pixelio.de


Donnerstag, 5. März 2009

Der Anschluss, Kritik und aufrichtige Demokraten


"Die große Schlange hat einen Igel verschluckt" meinte Stefan Heym (eigentlich Helmut Flieg, * 10. April 1913 in Chemnitz; † 16. Dezember 2001 im israelischen Ein Bokek / Totes Meer ) über den Anschluss der DDR an die BRD. Heym war ein deutscher Schriftsteller und kurzzeitig Bundestagsabgeordneter.

In den Jahren nach der Wiedervereinigung äußerte sich Heym sehr kritisch über die bestehende Benachteiligung der Ostdeutschen der Bundesrepublik Deutschland und beharrte auf einer sozialistischen Alternative zum nunmehr gesamtdeutschen Kapitalismus. 1992 war er Mitbegründer des „Komitees für Gerechtigkeit”. Bei der Bundestagswahl 1994 kandidierte Heym als Parteiloser auf der offenen Liste der PDS und gewann ein Direktmandat im Wahlkreis Berlin-Mitte – Prenzlauer Berg gegen den SPD-Kandidaten W. Thierse. Stefan Heym hielt im November 1994 als Alterspräsident die Eröffnungsrede zum 13. Deutschen Bundestag , bei der ihm die Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Ausnahme der anschließend zur Bundestagspräsidentin wiedergewählten Rita Süssmuth den Schlussapplaus verweigerten. Entgegen langjähriger Gepflogenheiten wurde die Rede Heyms nicht im Bulletin der Bundesregierung veröffentlicht. Bereits im Oktober 1995 legte Heym sein Mandat aus Protest gegen eine geplante Verfassungsänderung im Zusammenhang mit der Erhöhung der Diäten für Bundestagsabgeordnete nieder. Im Jahre 1997 gehörte Heym zu den Unterzeichnern der „Erfurter Erklärung”, in der ein rot-grünes Bündnis unter Tolerierung der PDS nach der Bundestagswahl 1998 gefordert wurde. Stefan Heym starb am 16. Dezember 2001 an Herzversagen am Toten Meer in Israel nach der Teilnahme an einem Heinrich-Heine-Symposium in Jerusalem.

Interessant, wie unsere Damen und Herren von der CDU/CSU mit Kritik umgehen. So überaus tolerant und demokratisch ! Der größte Kanzler aller Deutschen noch weit vor Bismarck, der Herr Kohl, verstieg sich sogar kurz vor Heyms Rede zu dem Anwurf, dass dieser in seinem Leben immer die Fahne nach dem Wind gedreht habe...

Foto: Sabine Geißler (www.pixelio.de)

Mittwoch, 4. März 2009

Wahlcomputer nach Urteil nur noch Elektronikschrott


"Es gibt noch Richter in Berlin, Majestät!" soll der Müller von Sanssouci zu seinem König gesagt haben, als dieser die Mühle neben dem Schloss wegen Lärmbelästigung abreissen lassen wollte. Und der Müller bekam Recht gegen seinen Souverän. Nun, heute ist angeblich das Volk der Souverän, aber Recht bekommt es selten. Erfreulich daher das gestrige Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu den unsäglichen Nedap-Wahlcomputern. Laut Bundesverfassungsgericht war der Einsatz von Wahlcomputern bei der Bundestagswahl 2005 verfassungswidrig, weil die Wähler die Stimmenzählung nicht überprüfen konnten. Die Auszählung der Wählerstimmen müsse von jedermann nachvollzogen werden können, so die Richter. Eine hohe Geschwindigkeit bei der Ermittlung des Wahlergebnisses sei dem untergeordnet. Die Wählerstimmen sollten zu keiner Zeit einzig und allein in elektronischen Speichern abgelegt sein.

Wie die Wahlen mit diesen Wahlcomputern bei der letzten Kommunalwahl in Brandenburg abgelaufen sind, habe ich selbst erlebt und hier geschildert. Hier in Bernau liegt übrigens immer noch eine offizielle Wahlbeschwerde an, wie die Märkische Oderzeitung heute berichtet. Und trotz aller Beschwichtigungsversuche durch den Brandenburger Innenminister, Herrn Generalissimus Sch. - dem wir diesen schrottigen Versuch einer Kommunalwahl verdanken - bleibt wohl wenigstens ein übler Geruch der Unzulänglichkeit der Kommunalwahl übrig …

Foto: ...überall Lügen ( Peter Schmidt, www.pixelio.de )

Russland auf dem Wege zum Rechtsstaat ?


"Seit mehr als fünf Jahren sitzt Russlands einst reichster Unternehmer Michail Chodorkowski im sibirischen Straflager. Jetzt steht er wieder in Moskau vor Gericht - brechen konnte ihn die Haft bis heute nicht." So beginnt gestern ein Bericht der "heute"-Sendung des ZDF im Internet.

Und weiter geht's: "Als der 45 Jahre alte Kremlgegner mit kurz geschorenem Haar und der rahmenlosen Brille am Dienstag zu seinem zweiten Prozess wegen Unterschlagung in Milliardenhöhe vor Gericht in Moskau erscheint, ruft er laut "Schande". Kritiker sehen in den Verfahren gegen den früheren Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos ein Indiz für politische Justiz-Willkür in Russland. Der Erzfeind von Regierungschef Wladimir Putin hat sich auch in der bisherigen harten Lagerhaft in Sibirien seine oppositionelle Haltung bewahrt. Aus dem Gefängnis nahe der chinesischen Grenze, wo er eine achtjährige Haft wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verbüßt, hat Chodorkowski in schriftlichen Interviews mit westlichen Medien immer wieder das "autoritäre System Putins" angeprangert." Der dann gestern um 19:00 Uhr gesendete Beitrag endet mit den Worten: " Russland muss in diesem Prozess beweisen, ob es wirklich auf dem Weg zum Rechssstaat ist..."

Richtig, vor allem Russland muss das beweisen. Ich stelle hier mal nicht die Frage, wo der Herr Ch. seine Kohle her hat. Obwohl, es interessiert mich schon: Wie wird man in 9 Jahren - bei gleicher Ausgangsbasis für alle Russen im Jahre 1990 - so einfach mehrfacher Milliardär ? Aber mir geht es eigentlich nur um die Unterschiede zwischen Deutschland und Russland. In Deutschland werden Steuerhinterzieher und Betrüger natürlich auch hart bestraft. Nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten: Der Richter hebt wegen rund 10 Millionen immerhin den Drohfinger. Andere, wie der Sohn des gewaltigen Landesvaters S. aus Bayern, werden gleich freigesprochen. Wieder andere - wie der berühmte Schweizer A. einer deutschen Bank - kaufen sich frei. Bankrotteure mit Millionen von Arbeitsplätzen auf ihrem imaginären Gewissen fallen nicht tief - wegen eines rechtsstaatlich-steuerfinanzierten Rettungsschirms. Und Kassiererinnen, die angeblich gewaltige Summen in Höhe von 1,30 € in Form von Flaschenpfand abgezweigt haben, werden gnadenlos rechtsstaatlich vernichtet. Ohne Beweise, es reicht ein Verdacht. Beweise waren natürlich nicht mehr da, das entsprechende Überwachungsvideo war schon gelöscht. Trotzdem reicht ein Verdacht für eine Verdachtskündigung. Und es ist dann am Arbeitnehmer, den Beweis für seine Unschuld zu erbringen. Rechtsstaat ? In Deutschland ? Ja, sicher. Wenn man Rechtsstaat mit Klassenjustiz gleichsetzt...

Foto: Straße an der Kremlmauer in Moskau (jerzy, www.pixelio.de)



Al Kaida in Köln oder Karneval kracht Häuser ein

Der Einsturz des Historischen Stadtarchivs und benachbarter Gebäude hat am Dienstag Teile eines Straßenzuges in Köln in ein Trümmerfeld verwandelt. Zunächst wurden neun Menschen als vermisst gemeldet. Die mehrgeschossigen Häuser seien auf einer etwa 30 Meter breiten Front in weiten Teilen kollabiert, sagte Feuerwehr-Direktor Neuhoff.

Das Unglück habe sich durch Geräusche angekündigt, sagte Neuhoff weiter. Mitarbeiter und Besucher des Archivs sowie Nachbarn hätten deshalb rechtzeitig fliehen können. Ob die Bauarbeiten für die U-Bahn Ursache für den Einsturz gewesen seien, sei noch nicht zu sagen. In der Vergangenheit seien Risse in den Gebäuden entdeckt worden. Die Zahl der Vermissten hat sich am Dienstagabend auf drei verringert. Die anderen Personen hätten sich inzwischen gemeldet, sagte eine Polizeisprecherin.

So weit, so schlecht. Es ist doch beruhigend, dass man im piefigen Deutschland keine zwei Riesen-Boings für ein fundamentales Inferno braucht. Da reicht ein simpler neuer U-Bahntunnel. Oder hat dem Gebäude gar das Dauerschunkeln in der vorigen Woche den Rest gegeben ?

Zitat: "Wiener Zeitung" - online

Grafik: Rieke (www.pixelio.de)

Montag, 2. März 2009

Notfälle und andere "Kleinigkeiten"


Die Zeitungen berichten heute von neuen Versuchen der Politik, die maladen deutschen Autofirmen zu stützen: "In die Diskussion um die Zukunft des angeschlagenen Autobauers Opel hat sich CDU-Vize Christian Wulff eingeschaltet. Er spricht sich im Notfall für eine Staatsbeteiligung aus und appelliert gleichzeitig an andere Autobauer, einen Einstieg bei Opel zu prüfen. " Seit Jahren ist bekannt, dass die deutschen Autohersteller vor allem bei den Antrieben ihrer Fahrzeuge kaum auf Innovationen setzen. Hybridantriebe, Wasserstoffmotoren, Elektromobile kommen nicht aus Deutschland. Auf den internationalen Autosalons kann man vor allem Luxuskarossen und Benzinfresser aus Deutschland bewundern. Nach der Energie-und Ölkrise mit Wahnsinnspreisen für Benzin und Diesel im vorigen Jahr schlägt nun die Absatzkrise bei Autos voll zu. Eigentlich sollte man die maroden Konzerne nicht noch für ihre miese Innovations- und Absatzpolitik belohnen und das Problem durch den Markt bereinigen lassen. Schließlich hat man sich von Staats wegen ja Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts auch nicht gerade überhoben, als es um die Rettung der Kombinate und Betriebe der DDR ging, denen man keinerlei Fristen oder gar Hilfen beim Übergang in die Marktwirtschaft gewähren wollte. Begründung war damals, dass man sich nicht einmischen könne, denn Wirtschaftsführung wäre nicht Aufgabe des bundesdeutschen Staates. Heute aber geht es um die westdeutschen Autokonzerne und jetzt übernimmt der bundesdeutsche Staat sogar deren Verluste aus jahrelanger Mißwirtschaft...

Zitat: "Tagesspiegel" online
Bild: Krisenmenü (Gerd Altmann, www.pixelio.de)

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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...