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Mittwoch, 3. Januar 2007

Die Preußenmadonna - Teil 2

Folgender Leserbrief erschien in der "FAZ" vom 20. November 2003. In Zeiten eines fragwürdigen, ständig durch die große Koalition propagierten "Aufschwungs" - vor allem natürlich bei Steuern, Abgaben, Beiträgen, Zuzahlungen, Gebühren, ausge"sourcten" und damit nicht mehr gezählten Arbeitslosen, Spionagesatelliten der Bundeswehr sowie von deren Auslandseinsätzen, aber besonders in diesen Zeiten wahrhaft goebbelscher Volksverarschung und gleichzeitig steigender Aggressivität nach außen sollten wir uns wirklich öfter an die Lehren der deutschen Geschichte erinnern. Vor allem, wohin das alles mal geführt hat.

,, Die Preußenmadonna" - FAZ vom Donnerstag, dem 6. November 2003

Vielen herzlichen Dank an Ihren Autor Philipp Demant für diesen sachlichen, einfühlsamen, in seinem Grundtenor durchaus auch kritischen, alles in allem Mut machenden und wichtigen Beitrag über die Königin Luise von Preußen.

Warum macht dieser Artikel Mut? Preußen war 1810 „ auf dem Höhepunkt der wirtschaftlichen und moralischen Misere Die Niederlage Preußens gegen einen imperialistischen Napoleon seine fortschrittliche Rolle in der Geschichte hatte er damals längst verloren hat sich 193 Jahre später auf bestürzende Weise als eine Niederlage Deutschlands im Prozess der Globalisierung wiederholt. Wieder sind gravierende Missstände zu Tage getreten. Die Arbeitslosenzahlen steigen und steigen, die Regierung ist schwerfällig bis unfähig, die Organisation des Staates ist aufgebläht und seine Gremien sind vielfach veraltet, der Staat ist hoch verschuldet und verschuldet sich immer weiter, die Opposition weiß auch nicht mehr, Kommissionen mit hoch bezahlten Mitgliedern tagen monatelang und haben anschließend nur eine Schlussfolgerung für den durch die hohen Steuern sowieso schon gebeutelten Bürger: Mehr Sozialabgaben und schnellerer Sozialabbau. Das wird es richten. Wirklich ?

Das Jahr 1810 als Tiefpunkt der preußischen Geschichte? Erinnern wir uns weiter: Im Jahre 1810 wurde erstaunlicherweise die Berliner Universität gegründet. Nicht nur die Humboldts arbeiteten dort. Man berief bedeutende Wissenschaftler - vor allem aus den anderen deutschen Ländern - nach Preußen, nach Berlin. Einer dieser Gelehrten, Albrecht Daniel Thaer, hat für uns heute noch eine besondere Bedeutung. Thaer lernte als kurfürstlicher Hofarzt in Celle das armselige Leben der Landbevölkerung kennen und wurde schon dort durch die auf seinem Hof erprobte Fruchtwechselwirtschaft bekannt. Der preußische König berief ihn im Jahre 1806 in preußische Dienste. Auf dem Gut Möglin im Oderbruch gründete Thaer die erste landwirtschaftliche Akademie - die Königlich Preußische akademische Lehranstalt des Landbaues. Von 1810 bis 1819 war Thaer Professor an der Universität Berlin - der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Denkmal steht noch im Innenhof der landwirtschaftlich­gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in der Invalidenstraße 42. Thaer entwickelte, die Landwirtschaftslehre zu einer systematischen Wissenschaft und machte sich um, die Anwendung der Naturwissenschaften in der Landwirtschaft verdient. Aus seinen Denkansätzen entstand auch die moderne Lebensmittelforschung. Er hat damit wesentlich dazu beigetragen, dass sich heute zumindest in unseren Breiten (fast) jeder satt essen kann. Damit schließt sich der Kreis zu den heutigen (Krisen-) Zeiten.

Was passiert heute? Während Menschen wie vom Stein, Hardenberg, die Humboldts, Thaer und mit ihnen Luise von Preußen des Jahres 1810 für einen Aufbruch des Landes in das moderne, bürgerliche 19. Jahrhundert stehen, sehen unsere heutigen Politiker im Rückschritt das Allheilmittel. Es geht nicht in das 21. Jahrhundert, zu mehr Selbstbestimmung, zu mehr Wohlstand für alle, zu mehr Aufgeklärtheit und Unabhängigkeit von den Religionen, zu mehr bürgerlichen Freiheiten, zu mehr Gleichberechtigung der Geschlechter, zu mehr sozialer Marktwirtschaft. Es geht zurück zur 60-Stundenwoche, zu den Mietskasernen, zu bettelnden Rentnern, zur Hausfrau am Herd und in der Kirche ( weil die Frauen Männern die Arbeit wegnehmen ), zur Bildung nur für Reiche (die Berliner Universitäten werden kaputt gespart und Thaers Fakultät soll gleich ganz geschlossen werden), zur schlechten, aber teuren medizinischen Versorgung, zu noch mehr teuren Abenteuern der Bundeswehr in allen Ecken und Enden der Welt, zu den Szenen, die man von Heinrich Zilles Zeichnungen her kennt. Sicherlich ist Deutschland von diesen Szenarien noch weit entfernt, aber der Anfang wurde im Deutschen Bundestag nicht erst mit der Abstimmung zum so genannten Renten" Not"-Programm gemacht. Und die. unsäglichen Diskussionen unserer selbst ernannten „Experten" `gehen weiter...

Wo ist die Lichtgestalt, um die sich diese Nation scharen kann ? Die einfache Antwort lautet: Die ist nicht da. Ein Aufbruch wie 1810 ist nicht in Sicht. Es gibt keine neue Luise von Preußen. Es bleibt uns allen also nichts weiter übrig, als uns am eigenen Schopf aus dem Dreck zu ziehen, um die materiellen und ideellen Errungenschaften zu kämpfen, die frühere Generationen und die Menschen, denen man heute mit schäbigen Argumenten die Rente kürzt,, für uns hinterlassen haben.

Und: Denken wir ab und zu an die Geschichte.

Autor: Dr. Frank Valentin, Bernau bei Berlin

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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...