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Dienstag, 7. Juli 2015

Ich habe es getan!

Die "Prager Volkszeitung", die Zeitung der Deutschen in der damaligen CSSR, brachte Anfang August 1968 eine Karikatur, die sich auf die Berichterstattung in den sozialistischen Bruderstaaten über die Geschehnisse des sogenannten "Prager Frühling" bezog. Da waren zwei Menschen an Schreibtischen zu sehen, die fachgerecht eine tschechoslowakische Zeitung mit der Schere zerlegten. Unterschrift der Karikatur: "Bemüh' dich nur und lass was weg!" Sollte heißen, dass man sich in den Berichten aus Prag oder Bratislava oder Brno nur auf die negativen Ereignisse, in denen klar die Hand des Klassenfeindes zu erkennen war, konzentrierte. Auch deshalb hatte ein Sozialismus mit menschlichem Gesicht nie eine Chance. Er wurde nicht nur vom Klassenfeind, sondern auch von den vorgeblichen "Freunden" verraten und damit unmöglich gemacht.

Wir wissen seit Marx: Geschichte wiederholt sich. Beim zweiten Mal als Farce. Man könnte auch sagen - mit lächerlichen Akteuren. Und so erinnern mich die Berichte unserer gleichgeschalteten Medien (gerade soll mit dem Zusammenschluss von Springer und ProSieben eine noch gewaltigere Volksverdummungsmaschine entstehen) unter anderem zu Griechenland oder zu Pegida oder zur AfD verteufelt an die Zeit in der DDR vor dem 21. August 1968 oder an die Ausbürgerung von Biermann 1976.

Liest man sich die Artikel zu den wirklich drückenden Themen in den Zeitungen aufmerksam durch, vermisst man vor allem eines: Lösungsvorschläge. Kein Mensch weiß auch nur ansatzweise, wie es zum Beispiel mit dem abgewerteten Euro, dem bankrotten Griechenland, der Krise der EU, der grassierenden Enteignung der Rentner, der Teilzeitarbeiter, Ein-Euro-Jobber und HartzIV-Empfänger (aber auch der Mittelschicht in Deutschland), der Abwertung unserer Altersvorsorge, der Flüchtlingswelle über das Mittelmeer, der überbordenden Kriminalität an der deutschen Ostgrenze, der Ukraine- Krise und der ständigen Kriegstreiberei gegen Russland, dem NSA-Skandal (um nur einige Beispiele zu nennen) weitergehen soll. Aber alle reden darüber und wissen ganz genau, wie es nicht geht.

Ich habe mir sämtliche 377 Leserkommentare zu einem Bericht in der "Zeit" über den vergangenen AfD-Parteitag durchgelesen und weiß jetzt, dass Henkel und Lucke eigentlich gar nicht so schlimm sind (da aus dem Westen) und mit Petry jetzt der braune Mob aus dem Osten die Partei regiert. PEGIDA ist laut "Zeit" schlimmer als die SA, der gesamte Osten Deutschlands natürlich latent nazistisch. Dresden muss man als Tourist unbedingt meiden, da überall Hakenkreuzfahnen hängen. Brennt mal ein Asylantenheim im Westen, waren die Brandstifter garantiert aus dem Osten. Wahrscheinlich Tanktouristen.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich mag diese Leute auch nicht, schon gar nicht einen ehemaligen Deutsche-Bank-Bangster namens Henkel oder einen neoliberalen Professor Lucke und auch  keine  verkniffene deutschnationale Pfarrersfrau Petry. Eine Demokratie muss allerdings auch einen rechten Rand aushalten. Und wenn dieser rechte Rand der einzige ist, der die Probleme der unmittelbar betroffenen Menschen anspricht, alle anderen dagegen von Links bis CSU nur "Alternativlosigkeit" schwatzen, stimmt etwas mit dieser Demokratie nicht. Dass auch AfD und PEGIDA keine Lösungen anbieten - oder nur die ganz einfachen - muss ich wohl nicht extra betonen. 

Allerdings ist die Mehrzahl der Medien in Deutschland weit davon entfernt, diese beunruhigende Entwicklung zu begreifen. Unser Lokalblatt, die "Märkische Oderzeitung" stürzt mich daher am letzten Wochenende  mit Überschriften wie " Regionalblätter besonders glaubwürdig" oder "Schäuble in Deutschland beliebt wie nie" auf ihrer ersten Seite in tiefe Verzweiflung ob der Auftragsschreibe und der galoppierenden Verblödung in den Redaktionsstuben. Es reicht offenbar heute nicht mehr aus, eine Statistik im Nachhinein zu fälschen. Nein, man gibt wohl gleich von vornherein das Ergebnis einer Befragung vor.

Ich jedenfalls möchte mit meinen mühsam erarbeiteten Euros die zunehmende Verdummung nicht mehr finanzieren und habe daher die Tageszeitung abgestellt. Tschüß, "MOZ", auf Nimmerwiedersehen...


Kommentare:

  1. Gut so! Ich halte die sogenannten Qualitätsmedien nicht mehr aus, egal ob nun Printmedien oder Fernsehen. Außer von ein paar klitzekleine Ausnahmen abgesehen, wird Volksverhetzung pur geboten und natürlich das volle Verblödungsprogramm. Ich bin froh, dass es die Nachdenkenseiten gibt und Blogs. Alles andere geht nicht mehr. Sicherlich bieten einen viele Blogs und alternative Medien nur den Ist-Zustand an, aber es ist für mich auch schon erfrischend, dass man mit seinen Gedanken nicht allein dasteht. Das Wie-soll-es-weitergehen kann niemand allein beantworten, dazu müsste es eine große Diskussion von vielen Menschen geben, die auch mal über ihren eigenen Schatten springen müssten und das, was andere meinen in sich abwägen, um sich selbst neue Standpunkte erarbeiten zu können. Nur, wer will heute Gesprächspartnern zuhören, die auch mal unorthodoxe Gedanken äußern. Wer will jemanden zuhören, der sagt, dass z.B. die Absenkung von Löhnen und allem Dazugehörigen kein gesundes Wirtschaften möglich ist. Diese Gedanken - mit Lösungsansätzen - werden doch auch veröffentlicht, ohne dass sie jemand hören will. Ich denke, die Mehrzahl der Menschen sind dermaßen verblödet, vertieft in Appspielchen oder in sich zurückgezogen, dass sie nach Gustos derer gelenkt werden können, die das Sagen haben. Es gibt keine Aufwachapp! Leider.

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  2. Was Tageszeitungen betrifft, bediene ich mich nur aus der Blauen Tonne, weil ich meinen Tisch nicht malend versauen möchte. So manches Politikergrinsen beschmierte ich schon mit Farbe, bevor ich wild den Pinsel schwang.
    Ich würde diesen zivilen Ungehorsam sogar als Kunst bezeichnen, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, den Reichstag für zwei Tage unter bekleckstem Zeitungspapier zu verhüllen, was bisher daran scheiterte, dass ich a) keine Material- und Fahrkosten erstattet bekomme, b) als Provinzkünstler einer Kleinstadt nicht gerade als förderungswürdig erscheine, obwohl gerade der Springer-Verlag meine Hände küssen könnte/sollte, sein Geklecksel als Kunst betrachten zu dürfen, bevor diese alternativlos in der Blaue Tonne vermüllt wird.
    :-)

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Wir sind noch lange nicht am Ende, wir fangen ja gerade erst an...