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Donnerstag, 25. Juni 2015

Apropos Feudalismus

Wir befinden uns im Bundesland Brandenburg des Jahres 2015. Seit dem vergangenen Jahr nutzt der Brandenburger Landtag den Neubau des Stadtschlosses in Potsdam.  Zur Geschichte des Schlosses und des Neubaus einige wenige Ergänzungen:

  • Wie auch beim Berliner Stadtschloss behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, dass die SED auch das Potsdamer Stadtschloss sprengen ließ. Bei beiden gesprengten Bauwerken handelte es sich nur noch um die Ruinen.
  • Es gab in Deutschland auch Ende der Fünfzigerjahre noch eine große Wohnungsnot, nicht nur in der DDR. Der DDR-Staat musste für seine Bürger zunächst einmal Wohnraum und Essen schaffen, den Aufbau eines Schlosses konnte man sich schlichtweg nicht leisten.
  • Auch im Westen Berlins stand laut "Tagesspiegel" der Abriss des ebenfalls zerstörten Schlosses Charlottenburg zur Debatte. Man entschied sich anders, auch weil Westberlin stets und ständig am Finanztropf der BRD und der Siegermächte hing. In der DDR mussten diese Mittel allerdings erst erarbeitet werden.
Zeit für Vallis Blog, dass Bauwerk zu besichtigen: Die Führung durch das Haus macht mir einen "Riesenspaß". Die Historikerin,die man dafür abgestellt hat, kommt dem Dialekt nach natürlich aus Schwaben. Und deshalb weiß sie auch ganz genau, dass die SED etwas gegen Schlösser im allgemeinen hatte und beim Abriss der Ruine wahrscheinlich auch im Auftrag der Besatzungsmacht handelte.

Ich habe es inzwischen aufgegeben, in irgendeiner Weise über egal welches Thema mit Wessis zu diskutieren. Sie haben ihre vorgefertigte Meinung und wenn man sie zum Beispiel ironisch fragen würde, ob man Sanssouci deshalb auch abgerissen hat oder warum in der damaligen Sowjetunion die von der Nazi-Wehrmacht zerstörten Zarenschlösser Peterhof oder Zarskoje Selo schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts akribisch wiederaufgebaut  wurden, würden sie mit völligem Unverständnis reagieren. Nebenbei: Schon am Eingang habe ich mir genügend dämliche Bemerkungen zum in den letzten 25 Jahren völlig vergammelten Bau des VEB Datenverarbeitung anhören müssen. "Typisch DDR" und "Wie kann man nur so etwas bauen?!" sind noch harmlose Auslassungen meiner Wessi-Kollegen. Dass in fast jeder Stadt der BRD irgendwo ein derartiger Zweckbau steht? Nö, das kann nur und muss typisch DDR sein.

Mich stört am meisten, dass der Neubau quasi als Riegel direkt zwischen Havel und der Innenstadt liegt. Während man früher - nach dem Abriss der Ruine - direkt in die Innenstadt kam, sorgt der Neubau wie im Feudalismus für eine klare Ansage. Der Feudalherr zeigt so dem niederen Volk, wer die Macht hat. Heute darf der Pöbel also mit Fahrrad, zu Fuss, Tram oder Auto eine Unzahl von Serpentinen absolvieren, als ob es in die Alpenfestung geht. Da hilft es auch nicht, dass an der Westfassade des Neubaus  der Schriftzug „Ceci n’est pas un château.“ (frz. für „Dies ist kein Schloss.“) angebracht ist.  Ob man nun wegen dieser Inschrift im Landtag eine Politik für das Volk, nicht für die regierenden Feudalherrn macht, sei bezweifelt. Die Wirklichkeit ist nämlich eine ganz andere.
Stadtschloss Potsdam (LoB  / pixelio.de)

Das Nicht-Schloss ist und wirkt bombastisch, zumal sich das Dritte-Welt- Land Brandenburg den Protzbau hätte gar nicht leisten können. Für ca. 159 Millionen €, davon 20 Millionen für die Fassade vom SAP-Milliardär Hasso Plattner und 5 Millionen für das Fortuna-Portal vom Fernsehschwafler Jauch, hätte man noch gleich wie viele Schulen renovieren, Straßen bauen oder kleine und mittelständische Unternehmen fördern können? Allerdings haben sich die Landtagsabgeordneten der etablierten Parteien wahrscheinlich im ehemaligen Stammsitz der SED- Bezirksleitung, dem Brauhausberg, jeden Tag Splitter in ihre zarten Popöchen gerissen. Da musste dringend etwas Standesgemäßes her!

Während also außen die Originalfassade weitgehend wiederhergestellt wurde, hat der Bau innen das Ambiente einer Turnhalle in grellem Weiß. Der Architekt wollte es so. Ein weiterer Wunsch des Architekten war ein weißer (polnischer?) Adler im klitzekleinen Plenarsaal des Parlaments. Nach heftigen Protesten wurde dieser Adler entfernt und hat jetzt einem roten Pleitegeier in DIN A3- Größe am Rednerpult Platz gemacht. Ein größeres Wappentier wird es nicht geben, der Architekt hat sonst mit Klage gedroht. Das muss man wahrscheinlich so vorstellen: "Bäh, du Doofer, du hast mir meinen Sandkuchen kaputt gemacht.  Jetzt mache ich deinen auch kaputt."  Einmal möchte man erwachsenden Menschen und nicht immer wieder kindischen Egomanen begegnen.

Alles in allem also ein enttäuschendes, allerdings bezeichnendes Erlebnis. Und wenn unsere schwäbische Historikerin dann darauf verweist, wie stolz man darauf sei, dass man im Rahmen der Terminplanungen geblieben sei, ist man schnell wieder raus aus dem Märchenschloss und beim täglichen Baugeschehen im Land, z.B. am Fluchhafen Berlin-Brandenburg International (Schreibfehler beabsichtigt) ...
 

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