
Der Besten und Einzigen zum 25. Geburtstag alles Liebe von Willy und mir.

"Im Norden der Grafschaft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin (und noch darüber hinaus) eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung. Einer der Seen, die diese Seenkette bilden, heißt »der Stechlin«. Zwischen flachen, nur an einer einzigen Stelle steil und kaiartig ansteigenden Ufern liegt er da, rundum von alten Buchen eingefaßt, deren Zweige, von ihrer eignen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren. Hie und da wächst ein weniges von Schilf und Binsen auf, aber kein Kahn zieht seine Furchen, kein Vogel singt, und nur selten, daß ein Habicht drüber hinfliegt und seinen Schatten auf die Spiegelfläche wirft. Alles still hier. Und doch, von Zeit zu Zeit wird es an ebendieser Stelle lebendig. Das ist, wenn es weit draußen in der Welt, sei's auf Island, sei's auf Java zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt sich's auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe. Das wissen alle, die den Stechlin umwohnen, und wenn sie davon sprechen, so setzen sie wohl auch hinzu: »Das mit dem Wasserstrahl, das ist nur das Kleine, das beinah Alltägliche; wenn's aber draußen was Großes gibt, wie vor hundert Jahren in Lissabon, dann brodelt's hier nicht bloß und sprudelt und strudelt, dann steigt statt des Wasserstrahls ein roter Hahn auf und kräht laut in die Lande hinein.«
Das ist der Stechlin, der See Stechlin."
Soweit der olle Theodor Fontane in seinem letzten Roman "Der Stechlin". Uns hatten Reinhard und Angelika sowie das schöne Herbstwetter verleitet, eine Radtour um den Stechlin zu unternehmen und - es wurde ein wunderschöner Tag. Zunächst einmal wurden beim Fischer frisch geräucherte Maränen und Forellen gekauft. Dann - nach einem ausgiebigen Bad von Angelika und Reinhard im sehr frischen See und der anschließenden Umrundung des halben Sees - mussten diese Köstlichkeiten natürlich verspeist werden. Die Folge: Ich war irgendwie sehr bauchlastig geworden und kam die Berge mit dem Fahrrad nicht mehr so richtig hoch. Die schöne Landschaft, die Ruhe, die sich gerade färbenden Buchenwälder sind ein Gedicht. Abschließend ein Latte Macchiato im Fontane-Haus. Unter dieser Linde dort hatte der alte Theodor schon gesessen.
Am Abend gab es dann in Basdorf noch "Himmel und Erde" nach einem Original-Rezept von G.'s Großmutter aus Ostpreußen. Und wie das schmeckte !!! Die nächste Nahrung konnte ich allerdings erst am Montag wieder zu mir nehmen.



Vom 9. bis 13. September waren M. und ich in London. Was für eine Stadt ! Für Leute wie mich - von's Dorf, nur ab und zu mal nach Berlin und dann nicht für lange und schnell wieder weg - war es anfangs echt nervend, fast tödlich. Als ich dann während der zweiten Nacht um 2:00 Uhr im lauten Hotelzimmer alle Londoner Taxis und Busse verfluchte, habe ich mich daran erinnert, dass ich vor ca. 35 Jahren mit Freuden wenigstens den linken großen Zeh geopfert hätte, wäre ich nur einmal nach London, Paris, Rom oder Wuppertal gekommen. (Nach Wuppertal möchte ich heute wirklich nicht mehr !). Prompt habe ich mich beruhigt und schlief danach ganz gut in unserem kleinen, etwas heruntergekommenden Hotel, das uns in seinen Grundrissen stark an Hugh Grant's Haus im Film "Notting Hill" erinnerte. In der ersten Nacht hatten wir ein noch viel kleineres Zimmer zum Hof, von dem aus wir gegen 22:00 Uhr den Chor der Fans aus dem Hydepark von der Lifeübertragung der "Last Night of the Proms" hören konnten. Wie dem auch sei: die Leute (Ägypter) waren sehr freundlich, das Frühstück zwar immer gleich, aber akzeptabel und in einer Großstadt sowie nur 500 m vom Bahnhof Paddington an einer Hauptstraße darf man eben keine idyllische Ruhe verlangen. Überhaupt Ruhe: Man hat den Eindruck, dass Ken Livingstons Fahrverbot in der inneren City keinerlei Veränderung gebracht hat, in jedem Fall fahren mehr Taxen, Busse und Vespas, was den Lärm natürlich nicht reduziert hat - im Gegenteil.



Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Oder: Der 30. Hochzeitstag steht vor der Tür ! Die mehrjährigen Feierlichkeiten - wir dachten an einen Zeitraum von wenigstens 30 Jahren - wurden gestern mit dem Besuch der 5. Potsdamer Feuerwerkersinfonie feierlich und wunderschön eingeleitet. Unsere Premiumkarten enthielten neben einem schönen Picknickkorb auch einen Blick hinter die Kulissen der Feuerwerker. Hightech wohin man auch sieht. Ohne Computer geht gar nichts mehr. Rohre mit 25 cm Durchmesser und den entsprechenden Bomben, die ab 22:10 Uhr in den Himmel geschossen wurden. Die Ergebnisse - 2 Feuerwerke mit einer Dauer von je 10 Minuten vom Feinsten. Raketen, Sonnen, Lichtkaskaden, Goldregen, flammende Herzen, ja selbst Knallen und Zischen im Takt und im Sinn der Musik. Über jedes Sylvesterfeuerwerk werden wir in Zukunft nur noch müde lächeln.
Zeit zum Luftholen. Seit gestern regnet es etwas mehr als in den vergangenen Wochen. Die Veranstalter der inflationär aus dem Äther schießenden Wettershows im Fernsehen waren ja in diesem Juli völlig aus dem Häuschen. Einige führten sich ob der Rekordtemperaturen auf, als ob sie tatsächlich einen Sonnenstich hätten. Trotz der ganzen Euphorie musste ich jeden Abend mit der Gießkanne und dem Gartenschlauch herum rennen, um wenigstens einige unserer Pflanzen durch die Trockenheit zu bringen. Wegen der Hitze hatte ich auch keine Lust auf diesen Blog hier. Wenn ich morgens mit dem trägen Willy um den Block geschlichen war, beschränkten wir uns auf die notwendigsten Arbeiten. Trotzdem ist es mir gelungen, einen schönen Auftrag an Land zu ziehen. Ein zweiter wird hoffentlich an diesem Donnerstag fest geklopft.

Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Menschen in dieser Republik trotz Gleichschaltung nahezu aller Medien und des dazu gehörenden ideologischen Trommelfeuers ihr natürliches Misstrauen und ihren Widerwillen gegen Heuchler, Lügner, Betrüger, Egoisten und alle anderen Strolche bewahrt haben...


