"Nach dem Wintereinbruch mit Eis und Schnee in Bernau häufen sich die Fragen nach dem Winterdienst und verfügbaren Kräften. Laut Stadtverwaltung ist ein „komplettes Team des Bernauer Bauhofs im Zwei-Schicht-System“ seit dem 3. Januar im Dauereinsatz, um die 180 Kilometer Straße und die etwa 40.000 Quadratmeter Geh- und Radwege, Haltestellen, Parks und Plätze freizumachen." schreibt vorgestern unser heimatliches Käseblatt, die Märkische Oderzeitung.
Frohen Mutes ob dieser Meldung machten wir uns am Dienstagabend in Umgehung des ständig gestörten S-Bahnverkehrs mit dem Auto auf den Weg nach Berlin-Biesdorf. Und da war er wieder: Der Unterschied zwischen dargestellter Theorie am Schreibtisch und der Kfz-Praxis auf der vereisten Fahrbahn.
Wie immer bei Schneefall hat man zum Beispiel die Schönower Pappelallee offenbar wieder völlig vergessen, jedenfalls was den Winterdienst betrifft. Breite Spurrinnen aus festgefahrenem Schnee machen die Autofahrt zum Vabanquespiel. Ich erinnere mich noch gut an den letzten Schneefall in unserer Gegend. Da stritt sich unser Bürgermeister mit dem Landrat über die Zuständigkeiten, wer für die Räumung der Pappelallee verantwortlich ist. Für Nichtortskundige: Die Straße führt am Gewerbegebiet vorbei, das mittlerweile aus allen Nähten platzt, und ist ein wichtiger Zubringer zur Autobahn. Dieser Fakt wird von unseren kommunalpolitischen Größen allerdings vehement.bestritten, die Leute könnten ja durch die Stadt bzw. durch ein Wohngebiet zur Autobahn schleichen.
Der Streit zwischen unserem Bürgermeister und dem Landrat ist offenbar noch immer nicht ausgefochten. Man hatte sich zwischenzeitlich wohl wenigstens darauf geeinigt, die Straße in Helmut-Schmidt- Allee umzubenennen. Helmut Schmidt, der spätere Bundeskanzler, war hier in der Nähe, in den Liekobschen Bergen, als junger Leutnant der Wehrmacht in einer Flakstellung stationiert. Mit der Straßenumbenennung hoffte man offensichtlich auf sein tatkräftiges Eingreifen, obwohl er schon 10 Jahre tot ist.
Wie hieß es nochmal im Gedicht von Bertold Brecht "Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin" ? Ach ja, statt eine Statue des weisen ersten Führers der Sowjetmacht zu errichten, vollbringen die lieben Weber eine praktische Tat– sie kaufen Petroleum, um die Mücken zu bekämpfen, die Fieber verursachen – und ehren Lenin so auf ihre eigene Weise: Sie verstehen ihn, indem sie sich selbst helfen und die sozialistischen Ideale der Praxis umsetzen, anstatt leere Rituale zu vollziehen. Leere, aber teure Rituale wie zum Beispiel Straßenumbenennungen.
Es muss ja auch nicht immer Petroleum sein. Vielleicht sollten wir dem Bürgermeister und dem Landrat beim nächsten großen Schneefall einfach einen Besen und einen Schneeschieber in die Hand drücken? So ehren wir Helmut Schmidt, in dem wir uns selber nutzen ...
P.S.: Dem Propagandablatt der regierenden Sozialdemokratie im Landkreis Barnim möchte ich empfehlen, die Quadratmeter der zu räumenden "Geh- und Radwege, Haltestellen, Parks und Plätze" beim nächsten Mal in Quadratzentimeter umzurechnen. Klingt noch bombastischer.


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