Lieber Klaus,
Jean Paul soll gesagt haben,
das Abschied die schmerzhafte Geburt der Erinnerung ist. Das ist natürlich Quatsch! Wenn wir an dich denken, erinnern wir uns eigentlich ausschließlich an schöne und aufregende Erlebnisse mit dir und Lili und den Kindern. An den gemeinsamen Urlaub am Plauer See, an die erste gemeinsame Kanutour auf der Kleinen Mecklenburger Seenplatte, an die Touren auf dem Stora Le in Schweden. Als wir euch damals wegen des hohen Seegangs schon fast abgeschrieben hatten und dann gottseidank doch noch ein Lebenszeichen vom anderen Ufer dieses riesigen schwedischen Sees eintraf. Ihr wart beim Anlegen gekentert, hattet euch aber nichts getan. Welch ein Glück! Und es gab nicht einmal einen Schnupfen. Im September Paddeln in Schweden kann gefährlich sein! Schön war's.
Klaus w.
Soviel Glück soltest du später mit deiner schweren Krankheit nicht mehr haben. Trotz allen Daumendrückens erreichte uns der furchtbare Anruf dann doch noch. Deine unsagbaren Leiden haben ein Ende gefunden, du hast uns mit unserem Kummer leider viel zu früh allein gelassen.
Als ich dich kennengelernt habe, bist du schnell zu meinem Fels in der Brandung geworden. Du, der geborene immer wortkarge Uckermärker, der dann auch noch nach Mecklenburg heiratete- beides sind Regionen in Deutschland, die in der Regel nicht durch üppige Wortkaskaden im täglichen Miteinander auffallen - brachtest den stets voreilig plappernen Berliner in mir immer zum Nachdenken. Wie oft musst du im Gespräch mit mir wie weiland Wilhelm Tell gedacht haben, dass die Jugend schnell fertig mit dem Wort ist. Ich kann dir heute versichern, dass du mich immer zum Nachdenken gebracht hast. Auch wenn ich vorher nicht vorgedacht hatte. Auch noch mit fast 74. Auch heute noch.
Du warst mehr als ein Freund. Der Austausch mit dir brachte mich immer vorwärts, ob über Teichbau, Kanutrips, Segeltörns, Motorräder, Kindererziehung, CAD/CAM, Goldfische oder Photovoltaik. Als ich 2018 vom für mich fast tödlichen Krankenbett auferstanden war, hast du mir nicht nur mit dem Besuch im Cafe Valentin an der Ostseeküste immer wieder neuen Lebensmut gespendet. Nebenbei: Die zwischen uns liegenden 200 km Luftlinie haben wir viel zu selten überbrückt. Das soll uns mit deiner lieben Lili nicht noch einmal passieren!
Unser letztes Telefongespräch war furchtbar. Lili hat mich im Anschluss dann wieder etwas aufgerichtet. Wie es unsere Frauen eben immer so tun. Leider war alles Hoffen umsonst.
Der Bestatter hat dann am vergangenen Donnerstag deine Hülle mitgenommen. Du selbst bist bei uns geblieben.
Beste Grüße und: Wish you were here!
Dein Freund
Frank






